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Home / Archiv / Ausgabe 070 / Guerilla Marketing - Ideen statt Budget

Guerilla Marketing - Ideen statt Budget

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Alexander Schell: Mehr Mut zu Guerilla-Methoden

Der Kunde im Visier: Alexander Schell ist Leiter des Europäischen Instituts für angewandtes Kundenmanagement und Geschäftsführer der Schell Marketing Consulting.

ROLLING PIN: Welchen Stellenwert hat Guerilla-Marketing in der Gastronomie und Hotellerie?
Alexander Schell: Leider ist Guerilla-Marketing hier noch immer so gut wie unbekannt. Die Mehrheit der Gastronomen und Hoteliers hat Angst, gewohnte Pfade zu verlassen. Mutig, innovativ und kreativ kann man die Marketingpraxis nicht bezeichnen. Da werden Jahr für Jahr Tausende von ewig gleich aufgemachten Imagebroschüren und Foldern gedruckt und versandt, die direkt in den Papierkorb der Kunden wandern. Gesammelte Kundendaten werden für individualisierte Dialoge gar nicht benutzt. Der Wandel des Kundenverhaltens wurde oft verschlafen, die Welt der Gäste ist vielen Betrieben fremd.

RP: Was erwartet der „moderne Gast“?
Schell: Er liebt das Ungewöhnliche, das Unterhaltsame, das Menschliche, das Sympathische. Kurz: Alles Unkonventionelle, das für einen bleibenden Eindruck und ein angenehmes Gefühl sorgt. Moderne Gäste lieben Werbung zum Anfassen, zum Erleben, zum Mitmachen. Die Ist-Situation in der Branche ist eine riesige Chance für Betriebe, die den Puls der Zeit spüren, die über ihren Schatten springen, die proaktiv, mutig und anders als ihre Konkurrenten den Kunden jeden Tag neu gewinnen.

RP: Warum soll ein Betrieb ausgerechnet auf unkonventionelles Marketing setzen?
Schell: In Zeiten einer kaum mehr zu bewältigenden Flut an Informationen sind Kunden „werbemüde“ geworden. Ein Hotel- oder Restaurantbetrieb steht heute in einem extremen Kommunikationswettbewerb der Angebote. Es ist schwer geworden, in den Kopf des Kunden zu kommen und dort auch in angenehmer Erinnerung zu bleiben. Die Markentreue schwindet. Das Erfolgsrezept von Guerilla-Marketing heißt:Ungewöhnliches in gewöhnlichem Raum. Das schafft Aufmerksamkeit – und muss ganz und gar nicht teuer sein.

RP: Wie setzt man Guerilla-Methoden um?
Schell: Guerilla-Marketing macht sich die Erfolgsmechanismen aus dem Guerillakampf zu eigen. Der Überraschungseffekt („Hit & Run“) und die Nichtwiederholbarkeit einer einmaligen Aktion („Speed & Action“) sind die wesentlichen Merkmale. Ob es die Kellner sind, die sich bei einem Opernmenü überraschend als verkleidete Profisänger entpuppen, eine Straßen- oder Stand-up-Aktion in der Umgebung des Betriebs, vor Ort oder auf Messen, ob es die personalisierte Menükarte mit dem Lieblingsrezept des Gastes, der scheinbar lichterloh brennende Koch oder der tollpatschige Service ist, dem das Tablett mit Gläsern entgleitet, oder der humorvolle Kreidetafelanschrieb am Eingang des Lokals – wichtig ist, dass man eine noch nie da gewesene Idee realisiert, die mit der Positionierung des Betriebes zu tun hat.

RP: Und wo liegen in Sachen Originalität und guter Geschmack die Grenzen?
Schell: Guerilla-Marketing darf auf keinen Fall auf aufgewärmte Me-too-Ideen setzen. Kopieren ist tabu. Es darf die Persönlichkeit des Unternehmens und des Kunden nicht verletzen, ihn nicht überfordern, darf sich nicht (oder nur knapp) über die guten Sitten, den guten Geschmack, Tabus oder Gesetze hinwegsetzen. Es gilt die MAYA-Formel: Most accepted, yet acceptable.

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