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Sub Kultur

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Aquakulturen: Problemlösung oder kranke Machenschaften? Fischzuchtbetriebe im ROLLING PIN-Check.


Fotos: Shutterstock, Werner Krug


Über 50 Millionen Tonnen Fisch stammen aus Aquakultur. Das entspricht rund einem Drittel des weltweiten Fangs und Konsums. Tendenz steigend. Grundsätzlich eine positive Bilanz, wären da nicht schockierende Bilder von übervollen, blutigen Becken zugedroschen mit halbtoten Fischen, die immer wieder in den Medien auftauchen. Die ARD-Dokumentation über die Reise der Fischerei- und Aquakulturexpertin Catherine Zucco ins Mekong-Delta nach Vietnam und gleichzeitig zum Ursprung von 50 Prozent des globalen Pangasius-Bestands aus Aquakultur setzte dem noch einen drauf.

Die Dokumentation zeigt wie 50 verschiedene Antibiotika-Präparate, pauschal in die Becken gekippt werden. Fütterung mit einem abenteuerlichen Mix aus gefährdeten Kleinfischen und Meerestieren aus Wildbestand. Und Haltung in teilweise bereits gekippten Laugen aus Fischkot, Chemikalien und Antibiotika-Resten. Fischerei-Expertin Zucco ist sich sicher: „Wer solche Bilder kennt, will diese Fische bestimmt nicht mehr essen.“ Das Problem an der Sache: Es vermittelt ein einseitiges Bild. Nämlich, dass alle Aquakulturen fahrlässig arbeiten.

"Die meisten Aquakulturen findet man in Ländern, die über schwache Umweltregulierungen verfügen."

Catherine Zucco, Fischerei-Expertin


Gastronomen, die nachhaltig arbeiten wollen, stehen im Alltag einem unüberblickbaren Siegelchaos gegenüber. „In der Gastronomie gestaltet sich die Lage noch um einiges undurchsichtiger als im Einzelhandel, da Angaben über Herkunft der Fischarten oft gänzlich fehlen“, so Zucco. Denn in der Gastronomie werden oft weit exklusivere Arten in kleineren Mengen gehandelt. „Bei manchen Produkten ist die Art der Aufzucht kaum zu bestimmen. Abnehmer und Lieferanten sind gefordert, genaue Informationen zu verlangen. Nur so kann langfristig ein Umdenken erfolgen“, warnt die Expertin.

Informationen zu erhalten ist dabei alles andere als einfach. Sämtliche angeschriebenen Betreiber von Aquakulturen gaben sich bedeckt oder antworteten gar nicht auf die Anfragen von ROLLING PIN. Berichte über Kunstdünger für eine vermehrte Algenproduktion in den Zuchtbecken für Garnelen wurden nicht kommentiert, genauso wenig wie der übertriebene Einsatz von Phosphaten, um Fischfilets voluminöser wirken zu lassen. Oder die Überschreitung der Eisglasur der Produkte gegen Oxidation – von bis zu 35 Prozent. Etablierte Siegel gelten dabei als einzige Orientierungshilfe, ob in der Zucht und Weiterverarbeitung nach ökologischen Richtlinien gearbeitet wird. Die Nachfrage nach derartigen Produkten steigt stetig, wobei der Anteil der zertifizierten Bio-Aqua-Kultur weltweit noch unter einem Prozent liegt. Doch das naive Vertrauen auf Siegel kann auch zu einer Fehlentscheidung führen, da vorbildlich arbeitende Aqua-Kulturen nicht immer zertifiziert sind.






"Wer sind die Guten und wer die Bösen? Keine Ahnung. Und da bin ich nicht der einzige in der Branche."

Steffen Henssler
Sternekoch






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