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Charlie Trotter

… gilt als einer der besten und kreativsten Köche der USA. Wer bereit ist, den Weg in Chicagos Norden anzutreten und tief in die Tasche zu greifen, wird mit einem Feuerwerk an französisch und asiatisch inspirierten Köstlichkeiten samt perfekter Weinbegleitung belohnt.
Er ist kein strahlender Feschak vom Typ eines Grant Achatz, der in seinem Raumschiff Alinea in kulinarische Galaxien vordringt, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Er ist auch kein verrückter Wissenschaftler vom Schlage eines Homaro Cantu, der in einem Laboratorium namens Moto an immer wahnwitzigeren Gerätschaften und Geschmäckern tüftelt. Charlie Trotter gibt sich eher wie der nette Herr von nebenan, unauffällig im Erscheinungsbild und unprätentiös in seiner Kochkunst. Und dennoch gilt er als unumstrittene Nummer eins Chicagos und als eine der Galionsfiguren der nordamerikanischen Topgastronomie.
Sein Restaurant Charlie Trotter’s hat den nördlich von Downtown Chicago gelegenen Stadtteil Lincoln Park zu einer Pilgerstätte für Feinschmecker aus aller Welt gemacht. Das äußere Erscheinungsbild des Lokals ist bescheiden und unauffällig. Wüsste man es nicht besser, so würde man es von außen für ein gediegenes Restaurant mit gutbürgerlicher Küche halten. Wagt man aber den Schritt über die Schwelle, so stimmt der süße Duft von Blumenbouquets und Früchtearrangements bereits auf die sinnlichen Erlebnisse ein, die da kommen.
Das Interieur der vier Speiseräume und der zweistöckigen Bar ist elegant, ohne überladen zu wirken, einzig die Zahl der Tische ist für das Platzangebot ein wenig zu hoch. Dass es dadurch schon einmal etwas eng werden kann, nehmen aber Gäste und Kritiker meist gelassen hin – nicht umsonst gehört das „Charlie Trotter’s! zu den beliebtesten und höchstdekorierten Gourmettempeln der USA: Unter anderem gab es fünf Sterne im Mobil Travel Guide, fünf Diamanten im AAA sowie den Titel „America’s Best Restaurant“ im Magazin Wine Spectator.
Der Umsteiger Dass Trotter eher wie ein Banker aussieht denn ein Koch, liegt wohl daran, dass er 1982 an der University of Wisconsin einen Abschluss in Politikwissenschaft machte. In einem Alter, in dem seine Kollegen Kommentare in Fachmagazinen veröffentlichten oder sich erste Sporen als Lokalpolitiker verdienten, entdeckte Charlie Trotter seine wahre Berufung. Er besuchte die California Culinary Academy und blickte in den folgenden Jahren so manchem Könner in Kalifornien, Florida und Europa über die Schulter, um 1987 mit dem Charlie Trotter’s den Grundstein für seine steile Karriere zu legen.
Man darf nie den Fehler machen, diesen Herrn ob seines dezenten Auftretens für einen Konservativen zu halten. Charly Trotter ist zwar kein Revolutionär wie Achatz oder Cantu, aber er ist ein „Evolutionär“. Er zerstört das kulinarische Wertesystem nicht, um es durch ein neues zu ersetzen – er verbessert es so lange, bis es zu einem neuen wird! Seinen Stil könnte man am besten als kreative französische Küche mit spürbarem asiatischen Einfluss beschreiben.
Trotter, der besonderen Wert auf die Qualität und Unverfälschtheit der Zutaten legt, zieht es vor, mit leichten Fonds, Vi-naigretten und Emulsionen statt mit Butter oder Sahne zu arbeiten: „Essen muss nicht üppig sein, um gut zu schmecken!“ Vor allem aber denkt er auch nach 20 Jahren nicht daran, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, sondern arbeitet permanent an der Verfeinerung seiner Küchenlinie.
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