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Home / Archiv / Ausgabe 126 / Das Kochbuch

Das Kochbuch

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Für aufstrebende Literaten: Was nützt es, wer verlegt es und bringt es Kohle? (Stephanie Fuchs)

* laut Amazon.de-Bestsellerliste in der Kategorie „TV-Köche“ Fotos: Shutterstock, Werner Krug, Jamie Oliver/JP Masclet

Rezeptur für eine gelungene Buchstabensuppe

3–5 Promi-Koch-Auftritte pro Woche
1 eigene Kochsendung
1–2 fleißige PR-Wauwaus
3–6 sich gut verkaufende Eigenmarken
mind. 1 renommierter Verlag
1 Kochbuch-Trendscout
1 Ghostwriter
ausreichend Eigenkapital oder keine allzu großen Ansprüche an Layout und Fotografie

Garnitur
1–3 Michelin-Sterne


Eine Feststellung vorab: Von renommierten Kochbuchverlagen Informationen in Form von Zahlen darüber zu erhalten, wie gut das Geschäft mit den literarischen Ergüssen von Johann Lafer, Jamie Oliver & Co. nun wirklich läuft, ist ungefähr so erfolgversprechend, als würde man versuchen, im Faustkampf gegen einen Grizzly zu bestehen. Klar ist lediglich – und von großen Kochbuchverlagen wie Matthaes, Gräfe und Unzer oder Zabert Sandmann ebenso bestätigt wie von Vertretern des Buchhandels –, dass gerade im Kochbuchsegment gilt: Totgesagte leben länger. Das Geschäft mit dem Kochbuch läuft prächtig. Und das, obwohl es kaum ein Thema gibt, das noch nicht im kulinarischen Literaturkessel verwurstet wurde. Kein Bergdorf, kein Flussdelta der Welt, in dessen Küche man heute nicht eintauchen kann, kein Lifestyle, dem nicht ein eigener Band gewidmet wird, und wer Wert darauf legt, dem geliebten Vierbeiner ein Sternemenü vorzusetzen, hat ebenfalls die Qual der Wahl.

Am gefragtesten sind aktuell übrigens Diät-Kochbücher und Ernährungsratgeber. Die steigerten ihren Umsatz im laufenden Jahr um ganze 53 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Diesen Boom konnte Johann Lafer 2009 wohl kaum voraussehen – andererseits werden wohl weder er noch seine Geldbörse traurig darüber sein, dass er mit „Lafer nimmt ab“ so bereits seit drei Jahren ein Schlemm-dich-schlank-Werk am Markt hat. Da wären wir auch schon beim nächsten Punkt, der ausnahmsweise wenig Spielraum für Spekulationen bietet: Bücher von TV- und Promi-Köchen wie Lafer verkaufen sich wie warme Semmeln, und zwar unabhängig davon, ob es sich dabei um einen reich bebilderten Hochglanz-Band oder Cheap-Chic handelt. Und sie werden nicht nur gekauft, sie werden auch von den Verlagen umworben. Friederike Koch-Büttner, Pressereferentin des ZS-Verlages, der unter anderen Cornelia Poletto, Alfons Schuhbeck oder Nelson Müller im Programm hat, bestätigt, „dass für uns die TV-Präsenz und Bekanntheit unserer Kochbuchautoren natürlich ein zentraler Aspekt bei der Konzeption und Produktion unserer Bücher sind“.

Und auch Bruni Thiemeyer, Leiterin des Buchverlages bei Matthaes, macht keinen Hehl daraus, dass Fernsehköche von den Verlagen umschwärmt werden, „denn schließlich sind sie ja auch Umsatzbringer“. Johann Lafers literarisches Aushängeschild „Der Große Lafer“ ging etwa bis dato fast 100.000 Mal über die Ladentheke. Wie viel die medial omnipräsenten Herren und Damen am Ende mit ihren Büchern verdienen und wie genau die Beteiligungsverträge mit den Verlagen aussehen, ist natürlich ein gut gehütetes Geheimnis. Dass sie allerdings in weit höherem Ausmaß an den Verkäufen beteiligt sind als weniger prominente Köche und auch nichts dafür hinblättern müssen – kolportiert werden hier Kosten bis zu 30.000 Euro –, um überhaupt veröffentlichen zu dürfen, ist bekannt. „Natürlich kann man mit einem Kochbuch Geld verdienen, aber ein gewisser Promi-Status hilft sicherlich dabei. Klar ist auch, dass etwa ein Herr Lafer ein anderes Honorar erhält als andere Kochbuchautoren“, erzählt Claudia Uhr von der Leitung Presse und PR beim Verlag Gräfe und Unzer.



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