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Essen ist ein Orgasmus

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Der Exzentriker Bernie Rieder läuft im „Graf Hunyady“ auf der Wiener Trabrennbahn zur kulinarischen Höchstform auf.


Die Revolution der jungen Wilden war angesagt, in Österreich tragen und leben sie einige weiter. Wie Bernhard Rieder, der Witz und Wildheit am Köcheln hält – was ihn früher auch an den Rand der Existenz brachte. Von Konventionen hält er nicht übertrieben viel. Am liebsten läuft er im Ruderleibchen herum, egal ob in der eigenen Küche oder im Salzburger Hangar-7, das unter der Patronanz von Eckart Witzigmann zur Nobeladresse mutierte. In der Freizeit lebt er seine sprudelnde Energie bei Speerwerfen, Malen –
und Trinken aus. „In dieser Disziplin ist er am besten“, grinst Maître Karl Zeisler hinter der Theke hervor. Zum Speerwerfen kam Rieder durch Zufall: Eigentlich wollte er bei Olympia 2008 in Peking gratis aufkochen, doch daraus wurde nichts. Im Scherz empfahl man ihm, es doch als Sportler zu versuchen – und da er nur im Speerwurf Chancen für sich sah, schleudert er seither wie verrückt „die Geräte“ durch die Gegend. Speer hat er keinen im Fundus, also nimmt er irgendwelche Holzlatten, die gerade greifbar sind. Mit 21 Jahren erkochte er in der „Eselmühl“ in St. Margarethen (Burgenland) bereits eine Haube. „Besonders gelobt wurden meine Bohnenstrudel-Tascherln. Dabei hatte die aus Zeitmangel meine Oma zubereitet. Eigentlich gebührt die erste Haube ihr!“ Dass er ein echter junger Wilder war, bestätigte ihm sogar die Republik Österreich in Form einer Verurteilung. „Das war ein Lausbubenstreich. Meine Kollegen zogen einen Praktikanten aus und rieben ihn mit Zahncreme ein. Wir fanden das damals lustig, er auch.“ Andere weniger – die bedingte Vorstrafe und das Überwürfnis mit seinem damaligen Partner verschlugen ihn nach London, wo er im „Oak Room“ von Kultkoch Marco Pierre White anheuerte. Ein Intermezzo, jetzt ist Rieder wieder back! „Entschuldige, ich habe mich ein paar Minuten verspätet.“ Der lange, sportliche Typ mit den zerzausten Haaren streckt mir freundlich die Hand entgegen, wirft einen mächtigen Schlüsselbund und eine bekritzelte Zigarettenpackung auf den Tisch und lässt sich lässig in den Sessel fallen. „Ich musste mir noch rasch neue Turnschuhe kaufen. Meine alten Converse kommen hier nicht an.“ Statt der Leinentreter, die bekanntlich richtig abgelatscht sein müssen, hat er sich ein Paar Joggingschuhe zugelegt, die auch nicht unbedingt den konventionellen Vorstellungen von Galaschuhen entsprechen.
Bernhard Rieder regiert nun als Küchenchef im Restaurant „Graf Hunyady“ auf der Trabrennbahn Krieau in Wien. Die Location mit Blick auf die Trabrennbahn ist ein Hammer. „Lustig, gell? Es hat halt Vor- und Nachteile. Echt geil, dass wir hier im Grünen sind und man sich ein bisschen wie auf dem Land fühlt. Das Lokal ist allerdings recht weit vom Schuss und man hat es mittags schwerer, Gäste anzulocken.“ Der Standort ist zweifellos außergewöhnlich: Als sich früher Einspänner-, Zweispänner- und Fiakerrennen in der Prater-Hauptallee immer größerer Popularität erfreuten, gründete ein gewisser Graf Kálmán Hunyady 1874 den „Wiener Trabrenn-Verein“ und initiierte als erster Präsident den Bau einer Trabrennbahn. Als Standort wählte er die Krieau, damals eine Flusslandschaft, heute ein Stadtwäldchen zwischen Prater, Wiener Messezentrum und Ernst-Happel-Stadion.


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