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Home / Archiv / Ausgabe 092 / Jean-Luc Naret - „Österreich mangelt es an zahlenden Gourmets“

Jean-Luc Naret - „Österreich mangelt es an zahlenden Gourmets“

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Gourmetwüste Österreich - Jean-Luc Naret braucht umsatzstarke Märkte. Daher ist das Thema Guide Michelin Österreich vom Tisch. Und so lange die Österreicher sich nicht öfter an diesen in einem Restaurant setzen, wird sich die Meinung von Naret nicht ändern. (Katharina Wolschner)

Foto: Michelin



Jean-Luc Naret
Direktor von Guide Michelin

Jean-Luc Naret ist der sechste Direktor des Guide Michelin und der erste, der von außerhalb rekrutiert wurde. Unter seiner Führung wurde„Sandy Lane“ in Barbados zum „World’s best Resort“ und bevor er vom französischen Unternehmen im Jahr 2003 abgeworben wurde, war er Head of Operations einer Hotelgruppe von Aga Khan. 2004 übernahm er von Derek Brown die offizielle Leitung des Guide Michein. Heute arbeiten unter seinen Direktiven etwa 500 Personen, davon weltweit 90 Inspektoren – 70 in Europa und je 10 in Amerika und Asien. 2010 decken 25 Guides 23 Länder ab, wobei Frankreich mit 380.000 verkauften Exemplaren klar der stärkste Markt ist. Insgesamt wurden im letzten Jahr 1,2 Millionen Guides in der ganzen Welt verkauft.

ROLLING PIN: In den Regalen hinter Ihnen stapeln sich die Guides 2010 aller Länder – nur der von Österreich fehlt. Können wir auf eine Neuauflage 2011 hoffen?
Jean-Luc Naret: Um ehrlich zu sein: Nein. Ich war zwar von der Resonanz der Petition* überwältigt und es war ein starkes Statement für uns. Aber unter meiner Führung wird es keinen Guide für Österreich mehr geben. Meine Entscheidung darüber, in welchen Ländern wir erscheinen, basiert auf vier Kriterien und diese werden von Österreich leider nicht erfüllt.

RP: Welche Kriterien meinen Sie?
Naret: Für uns stellt sich als Erstes die Frage, wie viele Restaurants es in der Stadt oder im Land gibt. Zweitens überprüfen wir die Anzahl der potenziellen Sternerestaurants und drittens erstellen wir eine Statistik, wie oft die Restaurants im Schnitt besucht werden. Vor allem auf diesem Punkt liegt unser Fokus: Denn je mehr und je öfter die Restaurants besucht werden, desto größer ist unsere potenzielle Käufergruppe.

RP: Und dieser Punkt wurde von Österreich nicht erfüllt?
Naret: Ja, genau hier lag das Problem. Und in den Zeiten einer wirtschaftlichen Rezension muss man sich nach ökonomisch rentablen Märkten orientieren. Als Entgegenkommen haben wir zusätzlich zu Wien nun Salzburg zu den „Main Cities of Europe 2010“ hinzugefügt.

RP: Dieser Guide erscheint Mitte März, können Sie vorab sagen, ob wir nun mit einem 3-Sterne-Restaurant rechnen können? (Anm. d. Red.: 16. März 2010)
Naret: Die österreichische Gastronomielandschaft hat sich im letzten Jahr entwickelt – ich werde aber nicht verraten wohin. Nur so viel: Die Selektion im Guide France 2010 bezieht sich stark auf Küchen, die Wert auf Regionalität legen. Ein Trend, der auch in Österreich spürbar ist.

* ROLLING PIN startete nach Bekanntgabe des Rücktritts eine Unterschriftenaktion für die Wiedereinführung des Guides.


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