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Karl und Rudi Obauer - Bodenständige Überflieger

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Kulinarisch überflügeln sie die Konkurrenz seit Jahren und ­trotzdem sind Karl und Rudi Obauer auf dem Boden ge­blieben. Jetzt rechnen sie ab: mit dem ­„Guide Michelin“, mit der Großkotzigkeit mancher Kollegen und mit sich selbst. Die Obauer-­Brüder ungeschminkt.


Fotos: Werner Krug



Der Abend ist längst gelaufen. Wieder war die Bude voll. Mittlerweile seit Jahrzehnten gilt der Salzburger 3000-Seelen-Ort Werfen als Hotspot der internationalen Kulinarik-Landkarte. Hier betreiben die Obauer-Brüder ihr 4-Hauben-Restaurant. Karl, der Ältere der beiden, steht noch in der Küche. Rudi, der bullige Hüne, hat sich zu uns an den Tisch gesetzt. Die Ärmel seiner Kochschürze bis unter die Ellbogen gekrempelt, ein Spitzbubengrinsen im Gesicht. Bereit zum Angriff.

„Ja, es läuft gut. Ich sehe das aber als Ergebnis von tagtäglicher harter Arbeit. Auf dieses ganze Starkoch-Getue pfeif’ ich doch. Das ist Großkotzigkeit pur. Wenn mich jemand als Künstler bezeichnet, den lach’ ich aus. Handwerker sind wir. Und das ist gut so.“

Die Obauers, wie das Brüderpaar genannt wird, sind bekannt für ihre Geradlinigkeit. Selten zuvor zeigten sie sich aber auch so offen. „Zu viele österreichische Köche haben leider ihr Selbstbewusstsein verloren. Die kochen für die Kritiker, aber nicht für den Gast.“

Dabei ging es den Obauers einst gar nicht viel anders. Sie waren die ersten in Österreich, denen der „Guide Michelin“ zwei Sterne verliehen hatte. Ein Aufreger in der internationalen Gastronomie, als sie vor wenigen Jahren auf einen Stern herabgestuft wurden. Die Konkurrenz dachte, die Obauers zerschmettern daran. Das Gegenteil war der Fall. „Zuerst war das wie ein Schlag ins Gesicht. Im Nachhinein aber das Beste, was uns in unserer ganzen Karriere passiert ist. Ab diesem Zeitpunkt war uns nämlich egal, was wo geschieht und wer grad etwas Neues macht. Wir haben auf uns geschaut und unser eigenes Ding durchgezogen.“ Doch noch heute ist man in Werfen nicht der Meinung, dass der Sterneverlust gerechtfertigt war.

„Die brauchten eine Pointe, eine Schlagzeile“, sagt Rudi Obauer. Selbst heute – da der „Guide Michelin“ in Österreich bis auf die Städte Salzburg und Wien längst Geschichte ist – lässt man kaum ein gutes Haar am international angesehenen Führer. „Michelin macht sich mittlerweile ja selbst lächerlich. Wenn ein Führer im Land Salzburg eine Johanna Maier, einen Andi Döllerer oder uns links liegen lässt, dann fehlt die Glaubwürdigkeit. Und dann hat zum Beispiel das Ikarus im Hangar-7 nur einen Stern. Versteht keiner. Der Hangar ist ein todsicherer 2-Sterner.“


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