Das Fragezeichen in der Tourismus Ausbildung

Runder Tisch mit Österreichs führenden Tourismusschul-Direktoren: Wie zeitgemäß ist die Ausbildung? Wie gut das Lehrpersonal? Und wie stark ist die internationale Konkurrenz? Lesen Sie hier alle Antworten.
November 13, 2015

Fotos: Andreas Kolarik, Shutterstock

 

 

Mag. Dr. Franz Heffeter

„Vor allem in der Ausbildung müssen wir verstärkt Erziehung hin zu Werten betreiben.“

Mag. Dr. Franz Heffeter, Direktor Tourismusschulen Kleßheim, www.klessheim.sts.ac.at

 

 

 

 

Mag. Josef Schellnegger

„Wir brauchen Lehrer, die ihre Erfahrungen in der Wirtschaft bereits gemacht haben.“

Mag. Josef Schellnegger, Direktor Landesberufsschule für Tourismus Gleichenberg www.lbs-gleichenberg.ac.at

 

 

 

Mag. Jürgen Kürner

„Die punktgenaue Weiterbildung für Lehrer, die wir brauchen, die gibt es nicht.“

Mag. Jürgen Kürner, Direktor Tourismusschulen Semmering, www.tourismusschulen-semmering.at

 

 

 

Dipl. Paed. Wolfgang Haas

„Wir merken, dass manchmal die Einstellung zur absoluten Dienstleistung fehlt.“

Dipl. Päd. Wolfgang Haas, Schul- und Internatsleiter Tourismusschulen Bad Gleichenberg, www.tourismusschule.com

 

ROLLING PIN: Die Ausbildung in Österreich hat international einen ausgezeichneten Ruf. Lassen Sie uns heute bitte trotzdem den Schwerpunkt auf das legen, was vielleicht nicht zu hundert Prozent passt. Aus der Praxis wird uns oft ein Problem widergespiegelt: Den Absolventen fehlt es an Motivation, sich von unten nach oben zu arbeiten. Sie verlassen die Schule und erwarten sich einen Job als Manager. Ist das realistisch?
Jürgen Kürner:
Vielleicht werden in unseren Schulen manchmal Vorstellungen geweckt, die man nicht erfüllen kann. Aber es ist ganz klar: Wir können zu den 14-Jährigen nicht sagen, wir bilden Top-Manager aus. Wer mit 18 von unserer Schule geht, wird nicht an der Spitze einsteigen. Der geht von unserer Schule und ist vielleicht der Meinung, gleich an der Spitze einzusteigen. Der Anspruch, den wir vermitteln müssen, ist, realistisch zu bleiben. Gefordert ist aber auch die Branche selbst. Sie muss die Voraussetzung bieten – mit guter Bezahlung, mit der Einhaltung von 5-Tage-Wochen, mit Abgeltung von Überstunden und internen Fortbildungen.

Franz Heffeter: Vor allem in der Ausbildung müssen wir…

Fotos: Andreas Kolarik, Shutterstock

 

 

Mag. Dr. Franz Heffeter

„Vor allem in der Ausbildung müssen wir verstärkt Erziehung hin zu Werten betreiben.“

Mag. Dr. Franz Heffeter, Direktor Tourismusschulen Kleßheim, www.klessheim.sts.ac.at

 

 

 

 

Mag. Josef Schellnegger

„Wir brauchen Lehrer, die ihre Erfahrungen in der Wirtschaft bereits gemacht haben.“

Mag. Josef Schellnegger, Direktor Landesberufsschule für Tourismus Gleichenberg www.lbs-gleichenberg.ac.at

 

 

 

Mag. Jürgen Kürner

„Die punktgenaue Weiterbildung für Lehrer, die wir brauchen, die gibt es nicht.“

Mag. Jürgen Kürner, Direktor Tourismusschulen Semmering, www.tourismusschulen-semmering.at

 

 

 

Dipl. Paed. Wolfgang Haas

„Wir merken, dass manchmal die Einstellung zur absoluten Dienstleistung fehlt.“

Dipl. Päd. Wolfgang Haas, Schul- und Internatsleiter Tourismusschulen Bad Gleichenberg, www.tourismusschule.com

 

ROLLING PIN: Die Ausbildung in Österreich hat international einen ausgezeichneten Ruf. Lassen Sie uns heute bitte trotzdem den Schwerpunkt auf das legen, was vielleicht nicht zu hundert Prozent passt. Aus der Praxis wird uns oft ein Problem widergespiegelt: Den Absolventen fehlt es an Motivation, sich von unten nach oben zu arbeiten. Sie verlassen die Schule und erwarten sich einen Job als Manager. Ist das realistisch?
Jürgen Kürner:
Vielleicht werden in unseren Schulen manchmal Vorstellungen geweckt, die man nicht erfüllen kann. Aber es ist ganz klar: Wir können zu den 14-Jährigen nicht sagen, wir bilden Top-Manager aus. Wer mit 18 von unserer Schule geht, wird nicht an der Spitze einsteigen. Der geht von unserer Schule und ist vielleicht der Meinung, gleich an der Spitze einzusteigen. Der Anspruch, den wir vermitteln müssen, ist, realistisch zu bleiben. Gefordert ist aber auch die Branche selbst. Sie muss die Voraussetzung bieten – mit guter Bezahlung, mit der Einhaltung von 5-Tage-Wochen, mit Abgeltung von Überstunden und internen Fortbildungen.

Franz Heffeter: Vor allem in der Ausbildung müssen wir verstärkt Erziehung zu Werten betreiben und das Umgehen mit Werten lehren. Es geht um Grundwerte, die wir in den Betrieben dringend brauchen, wie Pflichtbewusstsein, Kundenorientierung, Pünktlichkeit und Konsequenz. Das alles wird den Jugendlichen von zu Hause kaum mehr mitgegeben. Ich sehe hier klar einen Erziehungsauftrag, dem wir uns verpflichtet fühlen. Wenn ich mir aber ansehe, mit welcher Freude unsere Schüler die Praktika bestreiten, dann mache ich mir um die Motivation keine Sorgen.

Josef Schellnegger: Die ewige Jammerei, dass die Jugend immer schlechter wird, halte ich schon fast nicht mehr aus. Wir müssen uns damit abfinden, dass die Jugendlichen, über die wir heute schimpfen, ein Produkt unser selbst sind. Wir wollten ja nicht, dass sie so autoritär erzogen werden wie wir. Gerade die ältere Generation der Lehrer kann heute mit den Jugendlichen nur noch schwer umgehen. Eine autoritäre Behandlung spielt es da nicht mehr.

Wolfgang Haas: Wir merken, dass manchmal die Einstellung der absoluten Dienstleistung fehlt. Erziehung zur Eigenverantwortung ist wichtig. Da müssen alle zusammenarbeiten. Das Elternhaus, die Schule, aber auch die Unternehmen selbst.­

Heffeter: Die Vorbereitung sowohl auf den Berufeinstieg als auch Praktika, das ist das Um und Auf, wenn man eine realistische Erwartungshaltung wecken will. Wer Manager in einem Top-Hotel werden will, dem können wir das Rüstzeug geben. Den Weg dorthin muss er selbst gehen. So viel Realitätssinn müssen wir von den Jugendlichen erwarten können.

RP: Auf der anderen Seite stehen die Schüler, die kritisieren, das manche Lehrer in ihrem Know-how nicht auf dem letzten Stand der Dinge sind.
Kürner:
Natürlich gibt es solche, wenn auch in verschwindend geringer Anzahl. Allein in meiner Schule habe ich 65 Lehrer. Und da spreche ich nicht nur von Fachlehrern, sondern auch von Theoretikern, die ebenso wichtig sind. Wenn einer Sales heute unterrichtet wie vor 20 Jahren, wird er kein Zimmer mehr verkaufen. Nur: Die punktgenaue Weiterbildung der Lehrer, die wir brauchen, gibt es auf dem Markt nicht. Was wir jetzt gemacht haben, ist, dass wir selbst österreichweit ein Fortbildungsprogramm initiiert haben. Dafür holte ich mir Top-Vortragende aus der Wirtschaft.

Heffeter: Mittlerweile hat man erkannt, dass Fortbildung nicht nur freiwillig sein kann, sondern eine Pflicht ist. Wir können heute den Leuten sagen, ihr geht auf dieses Seminar, das ist verpflichtend.

„Wir merken, dass manchmal die Einstellung der absoluten dienstleistung fehlt.“

 

RP: Können sich die österreichischen Schulen Top-Ausbildner überhaupt leisten?
Kürner:
Das ist natürlich ein Riesenproblem. Wir stehen derzeit in Verhandlung für eine Angleichung des Dienstrechts. Eine Top-Kraft, die in der Wirtschaft viel Geld verdient, können wir uns nicht leisten. Aus diesem Grund versichen wir, das neue Dienstrecht vehement einzufordern.

Schellnegger: Für uns gilt das nicht, wir haben ein anderes Dienstrecht. Nach einem Jahr bekommt ein Lehrer einen Sondervertrag, da schaut das Gehalt wesentlich anders aus. Außerdem müssen Lehrer bei uns mindestene 35 Jahre alt sein. Wir brauchen Menschen, die ihre Erfahrungen in der Wirtschaft bereits gemacht haben.

Heffeter: Außerdem muss man sagen, dass gerade Lehrer in dieser Branche die Möglichkeit haben, sich zusätzlich etwas dazuzuverdienen. Viele arbeiten in den Ferien ja nach wie vor in Küchen.

RP: Was raten Sie Ihren Schülern – welcher Karriereweg ist der beste?
Haas:
Ein wichtiges Thema sind Sprachen. Die Praktika sind für den Lebenslauf das Um und Auf. Ein guter Weg ist es immer, über eine Hotelkette zu gehen, da ist es egal, in welchem Bereich man startet. Wenn man sich einsetzt und dort mehr leistet als seine Kollegen, wird man auf einen aufmerksam. Mit den Rotationsmöglichkeiten, die es in so einem Konzern gibt, kommt man dann super weiter. Doch alles ist das Ergebnis harter Arbeit.

Heffeter: Wir raten bei den Praktika, auf die Qualität zu achten. Je hochwertiger das Unternehmen, desto besser für den Lebenslauf. Wichtig ist, dass die Leute konsequent im 5-Sterne-Bereich arbeiten, damit kommen sie sicher schneller nach oben als jene, die vielleicht in einem Landgasthaus arbeiten und mehr verdienen, aber dort nicht das an Kenntnissen mitbekommen, was man in einem internationalen Haus lernen kann.

Schellnegger: Man muss schauen, dass man die Leute zu den richtigen Praktika bringt, sonst verheizt man sie. Diese Verantwortung nehmen wir sehr ernst.

Haas: Was wir auch nicht vergessen dürfen, sind die Wettbewerbe. Für die jungen Menschen eine Spitzenmöglichkeit, um sich mit Gleichaltrigen zu messen.

„Praktika sind das Um und Auf. Erfolg ist aber vor allem das Ergebnis von harter Arbeit.“

 

RP: Wer sind international die Konkurrente in der Ausbildung?
Heffeter:
Wir sind von der Tradition her sicher die Tourismusschule mit der höchsten Qualität. Wir bilden jedes Jahr Menschen aus 25 Ländern aus. Unser Konkurrent auf dem internationalen Sektor ist sicher Lausanne, mit denen wir aber auch ein gutes Verhältnis pflegen. Unsere große Stärke ist die Verbindung zwischen Praxis und Theorie.

Kürner: Mir fällt beim Vergleich mit anderen Ländern auch nur die Schweiz ein. Der Unterschied: Wenn man in Italien eine Tourismus-Schule besucht, dann hat das keinen hohen Stellenwert in der Gesellschaft. Das ist in Österreich komplett anders. Der Stellenwert unserer Schulen und Ausbildungen ist auch im sozialen Gefüge ein sehr hoher. Das gibt es in dieser Form neben der Schweiz vielleicht noch am ehesten in Süddeutschland oder in Frankreich.

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