Der Bastard unter den Barstars

Unangepasst erfolgreich: Vom Enfant terrible zum ewigen Barklassiker. Charles Schumann ist ein Meister, wenn es darum geht, die richtige Mischung zu finden.
November 12, 2015

Charles Schumann

Seit 33 Jahren betreibt Charles Schumann eine der bekanntesten Bars Deutschlands. Er ist längst über den Status des erfolgreichen Gastronomen hinausgewachsen und als Model für Boss und Baldessarini zum Stilvorbild für Männer geworden. Karl Georg Schuhmann über Auszeichnungen, Charakter und darüber, warum er für richtige Freunde kaum Zeit hat.

Jetzt haben Sie den LEADERS OF THE YEAR-Award für Ihr Lebenswerk überreicht bekommen. Was halten Sie eigentlich von solchen Auszeichnungen?
Charles Schumann: Die gehen mir ehrlich gesagt am A…. vorbei!

Wirklich? Etwas freut man sich ja doch, oder?
Schumann: Ja, schon. Aber viele sagen bei sochen Ehrungen ja, es sei ein Ansporn, weiterzumachen oder vielleicht auch aufzuhören. Das ist es für mich nicht. Ich schätze es vielmehr, mit netten Leuten zusammen zu sein, und das war an diesem Abend auf jeden Fall so.

Charles Schumann

Seit 33 Jahren betreibt Charles Schumann eine der bekanntesten Bars Deutschlands. Er ist längst über den Status des erfolgreichen Gastronomen hinausgewachsen und als Model für Boss und Baldessarini zum Stilvorbild für Männer geworden. Karl Georg Schuhmann über Auszeichnungen, Charakter und darüber, warum er für richtige Freunde kaum Zeit hat.

Jetzt haben Sie den LEADERS OF THE YEAR-Award für Ihr Lebenswerk überreicht bekommen. Was halten Sie eigentlich von solchen Auszeichnungen?
Charles Schumann: Die gehen mir ehrlich gesagt am A…. vorbei!

Wirklich? Etwas freut man sich ja doch, oder?
Schumann: Ja, schon. Aber viele sagen bei sochen Ehrungen ja, es sei ein Ansporn, weiterzumachen oder vielleicht auch aufzuhören. Das ist es für mich nicht. Ich schätze es vielmehr, mit netten Leuten zusammen zu sein, und das war an diesem Abend auf jeden Fall so.

Werden Sie eigentlich des Öfteren geehrt oder ausgezeichnet?
Schumann: Ja, das kommt schon immer wieder vor, aber wir schmeißen Einladungen meistens weg. Ich war nie in der Schickeria. Ich gehe zu keiner Vernissage, in keine Premiere. Da sitzen nur die Gleichen rum. Das ist in anderen Städten genauso. Wobei ich sagen muss: Wenn man 40 Jahre lang erfolgreich arbeitet, zeigt das ja auch, dass die Leute das schätzen, was man macht. Es ist also schon o. k., von euch ausgezeichnet zu werden.

Verfolgen Sie die heimische Gastro-Szene?
Schumann: Na klar. Warum wir ja eigentlich Tag für Tag hier arbeiten, hat den Grund, dass wir uns jeden Tag verbessern wollen. Und das ist die Herausforderung für mein Team und mich. Dass wir dabei auch nach links und nach rechts schauen, ist doch völlig klar. Wenn jemand von der Konkurrenz gut arbeitet, gefällt mir das natürlich auch. Das ist dann so etwas wie eine Herausforderung.

Haben Sie gute Freunde im Business. Leute, die Sie auch respektieren?
Schumann: Freunde hat man ja sowieso kaum. Es gibt aber natürlich genug Leute, die sagen: „An uns kann man nicht vorbei!“ Das freut mich natürlich. In den Anfängen waren wir sehr umstritten und da wurde das, was wir gemacht haben, sehr stark angegriffen. Oft auch aus berechtigten Gründen.

Was ich eigentlich gemeint habe: Haben Sie auch richtige Freunde?
Schumann: Um richtige Freunde zu haben, muss man auch mehr Zeit haben. Freundschaften sollte man bekannterweise pflegen. Ich habe Gäste, die ich mag, die mir auch den Halt geben. Ich versuche aber eher nicht, zu nahe am Gast zu sein, denn unter einer reinen Kumpelwirtschaft leidet der gesamte Betrieb.

Was hat sich in der Barszene in den letzten Jahren getan? Verfolgen Sie das oder machen Sie ganz einfach Ihr Ding?
Schumann: Im Barbereich hat sich wirklich einiges getan. Als wir hier mit dem Schumann’s vor 33 Jahren angefangen haben, da gab es außerhalb von Hotels so gut wie gar keine Bars. Bars, die nicht in Hotels eingebunden waren, hatten einen eher anrüchigen Touch. Damals hat man sich auch noch nicht getraut zu sagen, dass man in einer Bar arbeitet. Der Stellenwert ist in der Zwischenzeit wirklich gestiegen.

Zudem hat sich auch das kulinarische Angebot in Bars verstärkt, oder?
Schumann: Ja, bei uns ist es sehr wichtig! Wir haben da auch ein ordentliches Konzept und versuchen wirklich, ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis anzubieten. Zu meinem Leidwesen ist es allerdings mittlerweile oft so, dass wir mehr Restaurant als Bar sind.

Irgendwo habe ich gelesen, Sie interessieren sich nicht für die Bilanz Ihres Ladens. Stimmt das?
Schumann: Ja, weil ich das Zeugs nicht lesen kann. Ich habe einen österreichischen Mitarbeiter, der das alles macht. Unser Bürochef, der Mann für alles. Er muss das machen. Nachdem wir einen Familienbetrieb haben und Leute teilweise weit über 30 Jahre bei uns arbeiten, ist das schon o. k.

Also vertrauen Sie in wirtschaftlichen Belangen Ihrem Bauchgefühl und streben nicht zu sehr nach immer mehr Kapital?
Schumann: Ja. Vor allem das Bauchgefühl muss stimmen, sonst gäb’s das Schumann’s ja nicht mehr! Es könnten die Ergebnisse aber schon besser sein. Da muss man sich dann selbst auch noch anders einsetzen und dazu habe ich nicht die Zeit und auch keine Lust.

Sie setzen sich aber sehr für ein faires Preisniveau ein. Warum?
Schumann: Wir haben da ein Phänomen, das es kaum in der Gastronomie gibt: Gäste machen uns darauf aufmerksam, dass wir zu billig sind. Erst gestern hat mir wieder jemand gesagt: Das ist zu preiswert. Ob das wirtschaftlich richtig ist, weiß ich nicht, aber dadurch ermöglichen wir es Leuten, zu uns in die Bar zu kommen, die normalerweise nicht zu uns kommen würden. Mir ist wichtig, dass hier jeder etwas trinken kann. Ich finde es unverschämt, wenn Bars für einen Cocktail 15 Euro verlangen und jede Kneipe um die Ecke um einiges teurer ist als wir.

Wie oft ändern Sie eigentlich Ihre Cocktailkarte? 
Schumann: In der Cocktailbar im ersten Stock mit dem Namen Les Fleurs du Mal wechseln meine beiden Jungs die Karte jede Woche. Die machen sich da wirklich viele Gedanken, wie man das Woche für Woche spannend halten kann.

Macht Ihr eigentlich auch bei Trends wie den Fat-Washed-Cocktails mit?
Schumann: Das ist doch schon wieder vorbei. Das machen nur noch ein paar Angeber. Es gibt zwei oder drei Bars, die das ganz ordentlich machen, alle anderen sind wie so oft Trittbrettfahrer. Cocktails sind schon wichtig, aber wichtiger ist der Mensch. Also ich lege da mehr Wert darauf als auf Drinks.

Dennoch haben Sie einige Bücher zum Thema Cocktails herausgebracht. Haben sich die gut verkauft?
Schumann: Ja. Vor allem das „Schumann’s Bar“ hat sich sehr gut verkauft. Weltweit.

Woher, denken Sie, rührt dieses internationale Interesse an Ihrer Person?
Schumann: Na ja, ich bin ja nun doch schon etwas länger als die meisten in diesem Business. Heute natürlich noch mehr als früher kennt man dann doch ein paar Figuren aus der internationalen Szene und dazu gehört natürlich auch der Schumann.

Und zum Schumann gehören auch lange Weggefährten. Wie schaffen Sie es, Ihre Mitarbeiter beinahe jahrzehntelang zu halten?
Schumann: Wir haben Mitarbeiter hier, die weit über 20 Jahre dabei sind, das ist aber ehrlich gesagt nicht das Beste. Neuer, frischer Wind ist schon immer wieder gut! Warum sie gerne bleiben: Nun, meine Mitarbeiter verdienen nun mal sehr gut. Bei den älteren Mitarbeitern ist es wahrscheinlich der Fall, dass viele versäumt haben, sich selbständig zu machen. Das muss man! Aber bei vielen steckt da schon Bequemlichkeit dahinter. Selbständigkeit heißt nun mal selbst und ständig. Man hat nicht mehr viel Freizeit und keine Fünftagewoche. Das ist in der Gastronomie genauso wie in anderen Branchen.

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Die wichtigste Eigenschaft eines Barkeepers?
Schumann: Das Wichtigste ist, dass er weiß, dass der Gast das Wichtigste in seiner Bar ist. Sonst verdient er kein Geld. Heutzutage ist es auch von Vorteil, dass man da ist und doch nicht da ist. Viele Barkeeper glauben nämlich, sie seien wichtiger als der Gast. Ganz schlecht, diese Ego-Heinis, die glauben sie seien das Zentrum aller Dinge. Ein guter Barkeeper zeichnet sich also einfach dadurch aus, dass er eine Persönlichkeit ist, die nicht ständig im Blickpunkt stehen muss.

Gibt es diese Typen noch?
Schumann: Es gibt auch viele junge Typen, die sich nicht nur auskennen, sondern die auch die richtige Leidenschaft dafür haben. Passion ist ganz wichtig. Ohne die kann man nichts machen. Dann kann man in keiner Bar arbeiten, schon gar nicht in einem Restaurant. Die Arbeit ist so hart, dass man Probleme hat, wenn man es nicht gerne macht.

Welche Tipps kann man den Youngsters der Szene mit auf den Weg geben?
Schumann: Rausgehen in andere Länder, auch in Kauf nehmen, dass man mal ein bisschen weniger verdient. Dass man nicht von heute auf morgen der Superstar ist. Heute hat man die fantastische Möglichkeit, herauszufinden, welche Art von Bar man will. Man kann schnell herausfinden, wo ein guter Barmann arbeitet, der einen guten Ruf hat.

Sie haben sich durch viele grandiose Drinks einen Ruf erarbeitet. Was ist eigentlich Ihr persönlicher Lieblingsdrink?
Schumann: Tagsüber Kaffee und am Abend Whisky. Wenn’s sehr heiß ist, auch gerne etwas gegen den Durst.

Und am Morgen danach das perfekte Frühstück?
Schumann: Ein bekannter österreichischer Schauspieler hat vor langer Zeit einmal gesagt: Am liebsten sind mir am frühen Morgen eine Semmel, eine Butter und Marmelade. So sehe ich das auch.

Sie sind bekannt dafür, stets gut gekleidet zu sein. Wie definieren Sie selbst Stil?
Schumann: Den hat man und kann man nicht lernen, hat mein Vater immer gesagt. Viele Männer gehen mit ihren Frauen einkaufen. Das finde ich ganz schlecht! Ich muss sagen, dass ich vor allem durch die Zusammenarbeit mit Baldessarini und Boss meinen eigenen Stil entwickelt habe. Da habe ich doch sehr profitiert.

Und kommen dadurch rum. Hilft reisen, Charakter zu entwicklen?
Schumann: Ja. Das ist ganz wichtig. Schon in jungen Jahren sollte man viel erleben und mehrere Sprachen lernen. Dadurch ist es einfach viel leichter, an Menschen heranzukommen und Vertrauen zu gewinnen. Auch international anerkannt zu werden.

Was war Ihr prägendstes internationales Erlebnis?
Schumann: Für uns ist es ganz wichtig gewesen, als wir noch sehr jung waren, im Sommer nach Italien zu fahren und festzustellen, dass es noch anderes gibt als Leberkäsesemmel. Nämlich eine Lebens- und Esskultur.

Wie lange möchten Sie noch weitermachen?
Schumann: Das weiß kein Mensch.

Aber Sie sollten das doch wissen?
Schumann: Auch ich nicht. Wenn’s sein muss, gehe ich. Vielleicht werde ich auch gegangen. Doch wenn ich wüsste, wo es hingeht, wär’s echt leichter.

Noch irgendwelche Ziele?
Schumann: Gesund bleiben.

www.schumanns.de

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