Die Chefredakteurin – Kennen wir uns?

Katharina Wolschner, die ROLLING PIN-Chefredakteurin, schreibt über jene Themen, die die Branche bewegen.
November 13, 2015

Kleine Eitelkeiten gehören gepflegt. Meine ist, dass ich gerne für jünger gehalten werde. Entzückt war ich, als neulich der Passkontrolleur in Tel Aviv mich der Dokumentenfälschung bezichtigte, weil das Geburtsdatum doch nicht stimmen kann. Shabbat Shalom fürs Ego.

Nur für jünger gehalten zu werden oder als jünger behandelt zu werden, darin liegt ein feiner Unterschied. So fein, dass ihn anscheinend so mancher nicht mehr wahrnehmen kann. Wie Herr Holger. Der ist nicht angestellt im Ikea-Restaurant, wo man das Duzen ja praktisch zur Lebensphilosophie erhoben hat, sondern in einem Restaurant, das man durchaus als gehoben bezeichnen darf. Weder diese Tatsache noch meine Autoschlüssel auf dem Tisch – die mich als offensichtlich älter als 18 Jahre outeten –, ließen bei Herrn Holger die Schlussfolgerung zu, dass man eventuell auf das im deutschsprachigen Raum gebräuchliche Sie zurückgreifen könnte.

Sein legeres „Und, was willst du trinken?“ beantwortete ich möglichst höflich mit einem „Kennen wir uns?“. Der ironische Unterton blieb dem jovialen Mitvierziger allerdings verborgen und so duzte er frisch von der Leber weg weiter. Den Bogen überspannte Herr Holger allerdings, als er mir angesichts meiner angeblichen Jugend absolute Geschmacksinkompetenz unterstellte: „Aber geh, das Fleisch so rot, das schmeckt dir doch nicht.“ Und da ließ ich Herrn Holger herausfinden, dass es keinen feinen Unterschied zwischen seinem und keinem Trinkgeld gibt.

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