Dr. Badass: Gib Bildung eine Chance

Dr. Badass und Tantris-Top-Sommelier Justin Leone: Die ROLLING PIN-Sprechstunde über Wein und die Nachwuchsproblematik.
Juni 9, 2016 | Fotos: Mike Krueger

Dr. Badass spricht Klartext

Status Quo

Auch wenn ich mich so anhöre wie meine Großeltern: Die Millennium-Generation nervt. Um genauer zu sein, sind es dieser völlige Mangel an Motivation und die innere Natur, angetrieben von Faulheit, Gier, Ahnungslosigkeit und dem stetigen Gefühl, zwar hohe Ansprüche zu haben, aber weder Plan noch Talent, Weltlichkeit oder Arbeitsmoral vorweisen zu können. 
Und das, obwohl unsere Großeltern dachten, dass ihre Babyboomer schon schlimm sind. Aber sie waren es, die hinaus in die Welt gingen, um etwas daraus zu machen. Die Generation zuvor kämpfte und starb für ihre Freiheit, die sie selbst in die Hand nahm, um Geschäfte zu machen, Kunst, Veränderungen, Ideologien – all das ebnete uns den Weg und ist heute das, was uns lieb und teuer ist. 
Unsere Großeltern waren hart wie Stein, wenn auch ein bisschen ruppig. Sie waren klug und wussten, wann es Zeit war, Geld und Energie auszugeben oder seine Schäfchen ins Trockene zu bringen. Unsere Eltern waren Hippies, aber nicht weicher als die Generation zuvor. Nur offener, mit weiteren Blickwinkel, kreativer und scharf auf die Erweiterung der eigenen technischen, sozialen und historischen Horizonte.
Ich bin einer der Letzten aus dieser Generation. Einer Generation, die so viele Möglichkeiten hatte, die die Vorgänger mit Blut, Schweiß und Tränen erkämpft hatten. Sie nahmen all ihren Mut und rannten – gegen Grenzen, für all das, was man angeblich nicht erreichen kann. 

Dr. Badass spricht Klartext

Status Quo

Auch wenn ich mich so anhöre wie meine Großeltern: Die Millennium-Generation nervt. Um genauer zu sein, sind es dieser völlige Mangel an Motivation und die innere Natur, angetrieben von Faulheit, Gier, Ahnungslosigkeit und dem stetigen Gefühl, zwar hohe Ansprüche zu haben, aber weder Plan noch Talent, Weltlichkeit oder Arbeitsmoral vorweisen zu können. 
Und das, obwohl unsere Großeltern dachten, dass ihre Babyboomer schon schlimm sind. Aber sie waren es, die hinaus in die Welt gingen, um etwas daraus zu machen. Die Generation zuvor kämpfte und starb für ihre Freiheit, die sie selbst in die Hand nahm, um Geschäfte zu machen, Kunst, Veränderungen, Ideologien – all das ebnete uns den Weg und ist heute das, was uns lieb und teuer ist.
Unsere Großeltern waren hart wie Stein, wenn auch ein bisschen ruppig. Sie waren klug und wussten, wann es Zeit war, Geld und Energie auszugeben oder seine Schäfchen ins Trockene zu bringen. Unsere Eltern waren Hippies, aber nicht weicher als die Generation zuvor. Nur offener, mit weiteren Blickwinkel, kreativer und scharf auf die Erweiterung der eigenen technischen, sozialen und historischen Horizonte.
Ich bin einer der Letzten aus dieser Generation. Einer Generation, die so viele Möglichkeiten hatte, die die Vorgänger mit Blut, Schweiß und Tränen erkämpft hatten. Sie nahmen all ihren Mut und rannten – gegen Grenzen, für all das, was man angeblich nicht erreichen kann. 
Ich habe in der Schule noch mit Kreide auf Schiefertafeln geschrieben, bedacht und vorsichtig bei jedem Strich. Ich habe einen Maschinenschreibkurs besucht, weil die meisten Familien in Kalifornien keinen Computer zu Hause hatten. Al Gore hatte das Internet noch nicht erfunden, sodass ich auf die alte Art lernen musste: Tage planen, mit dem Rad zur Bibliothek fahren, sich durch die endlosen Karteien wühlen, um die kleine Nadel im Heuhaufen zu finden.
Wenn das Buch gefunden war, las ich es, fasste es – möglichst auf intelligente Weise – zusammen. Da gab es keine Cloud, in der ich die Infomationen für immer speichern konnte. Keine Apple-Watch, um Wikipedia zu befragen, damit ich in zwei Sätzen ein komplexes Thema vorgekaut bekomme, während meine Gehirnzellen ihre letzten Atemzüge nehmen. 

Wer ist schuld?

Ich gebe die Schuld nicht der Gesellschaft. Ich gebe sie Apple. Ja, genau. Das iPhone und andere Technologien, die diese Generation weich gemacht haben. Ihr eine Komfortzone eingerichtet haben. Nie von den Stahlkappenschuhen der Realität getreten. Nein, stattdessen federweiche Kissen des Erfolgs, keine Erinnerung an schwierige Zeiten. Mit 22 sind sie alle natürlich für Höheres bestimmt und sehen sich selbst in einer Führungsposition. Vielleicht als Restaurantmanager? Warum auch nicht? 
Natürlich kannst du es mit jemandem aufnehmen, der Fine-Dine-Restaurants auf der ganzen Welt besucht hat, und zwar schon doppelt so lang, wie du lebst. Na klar findest du einen plausiblen Grund. Die Tatsache, dass du noch nie ein Flugticket gekauft hast, um einige der besten Küche Spaniens, Frankreichs, Amerikas, Skandinaviens oder Japans kennenzulernen, gibt dir allerhöchstens die Kompetenz, bei dem Co-Piloten zu punkten.
Du willst also nicht als Tellerwäscher oder Abräumer arbeiten, weil sich das gehobene Management selbstverständlich nicht mit solch Trivialem auseinandersetzt. Hocharbeiten von ganz unten war gestern. Erfahrungen, Wissen und Fähigkeiten verschwinden leider mit so einer Einstellung auch im Abfluss. Wird eh überbewertet! Im Endeffekt gibt’s da sowieso nichts, was ein Chef-de-Rang-Veteran besser kann als du.
Fingerspitzengefühl ist unnötig. Bloß irgendwas, worüber Leute reden, die keinen Bock haben, dass ihr Job von jungen, agilen Nachwuchskräften, wie du eine bist, weggenommen wird. Du weißt einfach, wie der Hase läuft, denn du hast dir schon Videos dazu angeschaut. Und „Im Rausch der Sterne“ sogar schon dreimal.
Wenn ich aber ehrlich bin und der Realität ins Auge blicke, dann stecken wir alle in dieser Leidenschaftslosigkeit. Es gibt nur noch wenige Einzelpersonen, die gewillt sind, Zeit und Mühe in die Weiterentwicklung ihrer Fähigkeiten zu stecken. Zu viel Arbeit und hohe Erwartungen sind die Konsequenz. Zu viel Intensität für zu wenig Bezahlung. Sabbatical, Gap-Year oder Teilzeitarbeit sollen helfen. Aber schon mit 20? Sicher nicht!

So wird das nichts!

Ich sage dir, irgendwann wird diese Alles-Häuptlinge-keine-Indianer-Mentalität zusammenbrechen. Besessen von Macht und der Federpracht auf dem eigenen Kopf, versucht jeder, lauter den Mond anzuheulen als der Nächste und niemand wird realisieren, dass die Nacht hereinbricht, keine Tipis mehr gebaut, alles in Brand gesetzt und alles abgeerntet wurde. So wird das Aussterben des Michelin-Restaurant-Stammes beginnen.
Das Aussterben liegt in den Händen einer Generation, die dachte, sie könnte Dynastien bauen auf einem Fundament ohne Substanz, die dachte, sie könnte ein Vermögen machen ohne endlose Obsession an der Sache und durstig nach Entdeckungen, und die dachte, sie könnte Legenden schmieden ohne nächtelang brennendes Feuer. Stattdessen zählt sie die Stunden bis Feierabend.
Wenn du ein Millennium-Kind bist, dann flehe ich dich an: Krieg deinen Arsch hoch und tu etwas für die Welt! Du magst vielleicht klug sein, aber du bist ganz sicher nicht der nächste Bobby Fischer. Du bist keine einzigartige und schöne Schneeflocke. Du bist eine Fachkraft wie wir alle und nun fang endlich auch an, dich so zu benehmen.
Und dein Facebook-Fanclub kann auf deinen fabelhaften Post warten, weil du da draußen bist und für die Veränderung kämpfst – oder wenigstens für dein eigenes Ego. Ja, ich weiß, Dr. Badass postet auch Fotos von verrückten Restaurantbesuchen, genialen Weinen, manchmal auch mit berühmten Persönlichkeiten aus der ganzen Welt. Und warum? Weil Dr. Badass es verdient, im Gegensatz zu dir. Er sagte nichts, bis er 29 Jahre alt war, er schaute, lernte, hörte und beobachtete jede kleinste Bewegung der großen Sommeliers und Chefs. Als Commis, Assistent oder welche Positionen auch immer, nur um in der Nähe der Großen zu sein.

Es ist das Wissen, das zählt

Mach Notizen von jedem Pairing, jeder Kombination und jeder Technik. Ich habe meine erste Führungsposition mit 29 angenommen und hatte das Gefühl, dass es zu früh ist. Aber ich war bereit, es zu probieren. 
In den unsterblichen Worten meines Lieblingspräsidenten heißt es: Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst. Gerade jetzt ist Deutschland kein gutes Land für Michelin-Sterne. Und wenn du die Zukunft des Fine Dine, so wie wir es kennen, retten willst, musst du dich beteiligen und aufstehen.
Eine Armee nur aus Generalen wird nicht gewinnen können. Ihr seid alle wichtiger, als ihr selbst glaubt. Und jeder vordenkende Chefkoch, charmante Maître, brillante Sommelier oder schlaue Chef de Rang ist nichts ohne ein paar gute Commis. Es bleibt die Frage: Willst du an der Front ohne Plan stehen oder willst du leise deinen Durchbruch erarbeiten, um die Gastro-Szene dann im Sturm zu erobern? Mach es!

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