Karriere in Warschau – Die neue Perle des Ostens

Warschau ist ein funkelndes Kleinod. Durch Perestroika, Glasnost und EU-Beitritt ist die Stadt vom alten Oststaub befreit und wartet nun mit hochkarätigen Jobs darauf, neu entdeckt zu werden.
November 13, 2015 | Fotos: Starwood Hotels & Resorts, InterContinental, Vienna International Hotels, Hilton, Leonardo/ MaMaison Le Regina, beigestellt

Warschau bei Nacht im Leuchten der Stadt
Ja, ja … Von Polen und Warschau hat wohl jeder sein eigenes Bild. Das ist, auch wenn dies unverschämt klingen mag, nicht unbedingt das schmeichelhafteste. Aber gewissen Tatsachen ist einfach ins Auge zu blicken und vor allem dieser einen: Werfen Sie Ihre Klischees über Bord. Diese sind veraltert und rückständig! So, da nun die gedankliche Leinwand leergewischt wurde, soll ein neues Portrait von der polnischen Hauptstadt gezeichnet werden. Begonnen wird mit feinen Bleistiftstrichen, mit der Hotelinfrastruktur. Diese ist nämlich noch ausbaufähig und darin liegt auch das ungeheure Potenzial für deutschsprache Expats. Denn hier entstehen zur Zeit Hotels vieler internationaler Ketten, die gerne auf die Kompetenzen derselben zurückgreifen. „Die Bereiche, in denen Expats rekrutiert werden, sind vorrangig das General Management, das Food&Beverage-Management und auch Küchenchefs werden immer wieder gesucht“, weiß der Generalmanager des InterContinental Warszawa, Christian Henkemeier. Und die Zahlen geben ihm recht, denn von den acht 5-Sternehotels der 1,7 Millionen-Stadt werden fünf von deutschsprachigen Expats geführt. Thomas Schön etwa zeichnet in Warschau für alle sechs Starwood Hotels & Resorts in Polen verantwortlich. „Für Gruppen wie die W-Hotels ist es noch ein bisschen zu früh, aber in etwa 5 Jahren wird sich in der Hotelszene Polens viel getan haben. Wir befinden uns gerade in einer Zeit des Umbruchs – hier erlebt man die Möglichkeit, etwas Großes aufzubauen“. Bessere Chancen hat man außerdem, wenn man sich schon in einem Unternehmen hinaufgearbeitet hat, da solche Stellen naturgemäß gerne intern vergeben werden. Aber nun zurück zur Leinwand, die nun etwas Farbe bekommen muss. Begonnen wird mit Rot und Weiß, den Landesfarben: Diese muss man mit einem dicken Pinsel schwungvoll auftragen, denn die Polen haben Nationalstolz und leben wesentlich familienorientierter als unsereiner. „In Polen ist das Work-Life-Verhältnis ausgeglichener als in Deutschland. Die Familie hat einen hohen Stellenwert, aber…

Warschau bei Nacht im Leuchten der Stadt
Ja, ja … Von Polen und Warschau hat wohl jeder sein eigenes Bild. Das ist, auch wenn dies unverschämt klingen mag, nicht unbedingt das schmeichelhafteste. Aber gewissen Tatsachen ist einfach ins Auge zu blicken und vor allem dieser einen: Werfen Sie Ihre Klischees über Bord. Diese sind veraltert und rückständig!

So, da nun die gedankliche Leinwand leergewischt wurde, soll ein neues Portrait von der polnischen Hauptstadt gezeichnet werden. Begonnen wird mit feinen Bleistiftstrichen, mit der Hotelinfrastruktur. Diese ist nämlich noch ausbaufähig und darin liegt auch das ungeheure Potenzial für deutschsprache Expats. Denn hier entstehen zur Zeit Hotels vieler internationaler Ketten, die gerne auf die Kompetenzen derselben zurückgreifen. „Die Bereiche, in denen Expats rekrutiert werden, sind vorrangig das General Management, das Food&Beverage-Management und auch Küchenchefs werden immer wieder gesucht“, weiß der Generalmanager des InterContinental Warszawa, Christian Henkemeier. Und die Zahlen geben ihm recht, denn von den acht 5-Sternehotels der 1,7 Millionen-Stadt werden fünf von deutschsprachigen Expats geführt. Thomas Schön etwa zeichnet in Warschau für alle sechs Starwood Hotels & Resorts in Polen verantwortlich. „Für Gruppen wie die W-Hotels ist es noch ein bisschen zu früh, aber in etwa 5 Jahren wird sich in der Hotelszene Polens viel getan haben. Wir befinden uns gerade in einer Zeit des Umbruchs – hier erlebt man die Möglichkeit, etwas Großes aufzubauen“. Bessere Chancen hat man außerdem, wenn man sich schon in einem Unternehmen hinaufgearbeitet hat, da solche Stellen naturgemäß gerne intern vergeben werden.

Aber nun zurück zur Leinwand, die nun etwas Farbe bekommen muss. Begonnen wird mit Rot und Weiß, den Landesfarben: Diese muss man mit einem dicken Pinsel schwungvoll auftragen, denn die Polen haben Nationalstolz und leben wesentlich familienorientierter als unsereiner. „In Polen ist das Work-Life-Verhältnis ausgeglichener als in Deutschland. Die Familie hat einen hohen Stellenwert, aber auch für das berufliche Weiterkommen wird hart gearbeitet“, berichtet Janet Fitzner, General Manager des Radisson SAS Centrum Hotel Warszawa & District Director Poland, von ihren Erfahrungen. Vor allem die junge Generation bildet sich neben dem Job weiter. Eine Tatsache, die Henkemeier als sehr positiv im Arbeitsumgang mit den Polen empfindet: „Ein großes Plus ist das Engagement der jungen Leute, zu arbeiten und zu lernen.“ Aber auch wenn man sagt, dass man nur aus Fehlern lernen, sollten diese dann sehr indirekt und am besten unter 4 Augen besprochen werden. Die direkte deutsche Art kann sonst zu Unstimmigkeiten führen.

„Warschau wird von vielen unterschätzt. Dabei ist es eine der faszinierendsten Städte in Europa.“

Christian Henkemeier
GM InterContinental Warszawa

Was nun von der Farbpalette auf das Bild gebracht wird, ist ein bisschen Glitzer. Das Herz Polens, wie Warschau im Volksmund genannt wird, ist zu neuem Leben erwacht und orientiert sich nun sehr westlich. Gängige Einkaufsketten wie Real, Saturn oder C&A haben sich hier schon lange etabliert. „Wer in Warschau auf deutschem Niveau leben möchte, muss auch von ähnlichen Lebenserhaltungskosten ausgehen“, erklärt Henkemeier. „Wer Bierliebhaber ist, lebt günstig“, argumentiert Fitzner, „denn das ist sehr günstig im Gegensatz zu Wein oder Sushi. Annehmlichkeiten wie Taxi, Kino oder Friseur sind im Vergleich billiger, Wohnen kostet ähnlich viel wie in Hamburg oder Berlin.“ Nun muss man sich natürlich fragen, wie viel Glitter denn auf die Leinwand gestreut wird. Für Polen gibt es derzeit bei vielen Hotelgruppen noch Expat-Verdienste. Die sind aber seit dem EU-Beitritt 2004 grundsätzlich denen in Deutschland ähnlich. Und da Expats vor allem im höheren Management eingesetzt werden, zahlen Hotelgruppen meist nach dem viel zitierten Europastandard.

Der Karrierecheck

Arbeitsumfeld

In Warschau ist das Betriebsklima sehr angenehm. Vorsicht ist nur bei Kritik geboten: Am besten unter 4 Augen und indirekt ansprechen.

Jobangebot

Steigend. Denn vor allem durch die Expansionen der größeren Hotelketten ist Auslands-Expertise im Management, auf dem Salessektor und im F&B-Bereich gefragt.

Karrierechancen

Jobs gibt es für deutschsprachige Expats vor allem ab dem mittleren Management. Beginnt man in solch einer Position, wird man meist bei einer Hotelneugründung als GM herangezogen. Die Karriereleiter erklimmt man in einem ähnlichen Tempo wie in anderen europäischen Städten.

Benefits

Steuerlich gibt es keine. Benefits werden aber von den Unternehmen gewährt, wie Zahlung der Schulgebühren, Rückflüge in die Heimat oder Hauspersonal.

Freizeitfaktor

Die Arbeitszeiten pro Woche sind denen in Deutschland ähnlich. Der Urlaubsanspruch ist aber variabel: Arbeitnehmer mit weniger als 10 Beschäftigungsjahren haben Anspruch auf mindestens 20 Urlaubstage, alle anderen auf mindestens 26 Tage.

Die besten Jobadressen

Internationale Hotelketten
www.ichotelsgroup.com
www.radissonsas.com
www.marriott.com
www.accorhotels.com
www.hilton.com
www.hyatt.com
www.starwoodhotels.com/lemeridien
www.vi-hotels.com
www.leregina.com

Eindrücke aus Warschaus Hotels

Tritt man nun einen Schritt von der Staffelei zurück, erkennt man in Warschau eine pulsierende Großstadt in einem Land, das sich aufgrund seiner geographischen Lage dauerhaft als Dreh- und Angelpunkt zwischen Europa und der Russischen Föderation etablieren und davon profitieren wird. „Stück für Stück werden die alten Barrieren abgebaut“, erklärt Henkemeier und verdeutlicht auch, was man hier im Gegensatz zu Deutschland noch lernen kann: „Aktiv teilzunehmen an der Entwicklung ökonomischer und gesellschaftlicher Strukturen in einem Land mit einer einzigartigen Geschichte, das sich nach dem Fall der Mauer an ein Euro-Land heranarbeitet.“ Darin liegen auch für die meisten deutschsprachigen Expats, die im Übrigen auch die größte Expatsgruppe des Landes ausmachen, der Reiz und die Herausforderung. Wobei letztere schon bei der Landessprache beginnt. „Polnisch ist unglaublich schwer zu erlernen und für meine Position auch keine Grundvoraussetzung, aber dennoch wichtig, um richtig in das Leben hier einzutauchen“, resümiert Schön.
Betrachtet man nun das Kunstwerk, brodelt es über vor Lebendigkeit und Abenteuer. Und nun bleibt nur noch zu fragen: Gefällt Ihnen das neue Bild und würden Sie nicht gerne Ihren Namen darunter setzen?

Thomas Schön„Warschau wird künftig Ostmetropole Nr.1 werden“

Thomas Schön, Area Manager Poland Starwood
Hotels & Resorts for Poland und General Manager Sheraton Warsaw Hotel
Der gebürtige Deutsche ist bereits seit 1990 für die Starwoodbrands in verschiedenen Positionen tätig. Bevor er 2007 nach Polen kam, war Thomas Schön GM zweier Wiener Institutionen: des Imperial und des Bristol. Von Warschau aus koordiniert er nun alle Starwood Hotels & Resorts in Polen. Das sind 4 Sheraton-Hotels, das Westin und das Le Meridien.

ROLLING PIN: Warschau ist gedanklich bei vielen noch immer eine stillstehende Ost-Stadt. Wie gerechtfertigt ist dieses Bild?

Thomas Schön: Gar nicht! Dieses Bild ist schon lange nicht mehr auf Warschau und auch nicht auf ganz Polen umlegbar. Das hier ist ein junges aufstrebendes Land, und seit dem EU-Beitritt im Jahre 2004 ist viel geschehen. Es liegt auch an Unternehmen wie uns, ein Umdenken zu generieren. Es weht ein frischer Wind und moderne Ideen sind an der Tagesordnung. Eigentlich ist es hier ähnlich wie in anderen Metropolen: pulsierend, farbenfroh und sehr aufgeschlossen.

RP: Würde man plakativ sprechen, könnte man sagen: Hier ist Westen?

Schön: Ja. Und das bezieht sich auf die Mentalität der Polen und auf das Arbeitsumfeld. Vor allem in der Hotelbranche tut sich viel. Die Hotelinfrastruktur ist zwar noch unterentwickelt, aber Projekte wie die EURO 2012 und die künftige EU-Präsidentschaft treiben die Sache voran.

RP: Bedeutet das, nun ist ein guter Zeitpunkt für Expats um hier in Warschau zu arbeiten?

Schön: Genau. In den kommenden 5 bis 10 Jahren wird hier sehr viel passieren. Und wenn sich die wirtschaftliche Situation ähnlich weiterentwickelt, dann hat Warschau das Potenzial anderen Ostmetropolen wie Budapest oder St. Petersburg den Rang abzulaufen. Im Moment befinden wir uns in einer Phase des Aufbaus. Sehr viele große Kompanien fassen nun Fuß in Polen und falls man bereits für eine von ihnen arbeitet, ist es relativ einfach, hier in Polen auf dem Arbeitsmarkt voranzukommen. In den höheren Managementpositionen, im F&B-Bereich und im Sales- und Marketingsektor wird die Expertise von Expats benötigt. Hier ist auch der größte Anteil von deutschsprachigen Expats zu finden.

RP: Welche Qualifikationen sollte man dafür mitbringen und wie sieht es mit dem Gehalt aus?

Schön: Ab einer gewissen Position wird nach Europastandard bezahlt, also nach den hoteleigenen Verträgen, die landesunabhängig sind. Die Qualifikationen sind im Prinzip dieselben wie für eine ähnliche Position in Mitteleuropa, also Berufserfahrung in der High-Class-Hotellerie und professionelle Auslandsaufenthalte. Englisch fließend in Wort und Schrift versteht sich von selbst.

RP: Die Landessprache ist ja immer eine der größten Herausforderungen – trifft das auch hier zu?

Schön: Ja, leider. Polnisch zu sprechen wäre toll, aber das ist keine Voraussetzung für Jobs in den höheren Managementpositionen. Wenn man sich aber integrieren möchte, dann sollte man sich bemühen, doch die basics zu erlernen. Denn so ist der Arbeitsumgang mit den Polen natürlich einfacher, wobei dieser im Generellen sehr unkompliziert ist.
Polen sind sehr herzlich und man merkt, dass die junge Generation – durch Auslandsaufenthalte geprägt – sehr begierig ist, das Land nach vorne zu treiben.

RP: Spiegelt sich dieser Auftrieb auch in den Lebenserhaltungskosten wider?

Schön: Dazu muss man sagen, dass es in Warschau natürlich teurer ist als in den ländlichen Gebieten. Aber grob geschätzt kann man hier mit 10 bis 15 Prozent geringeren Lebenserhaltungskosten rechnen. Aber für internationale Schulen muss man beispielsweise gleich viel bezahlen wie in Deutschland oder Österreich.

Der Karrierecheck

Starwood Hotels & Resorts
Sheraton Warsaw Hotel,
ul. B. Prusa 2
00-493 Warszawa
Tel.: +48/ (0)22 45 06 100
Thomas Preidelt

seit 2 Jahren Executive Chef
Hilton Warsaw Hotel & Convention Centre
thomas.preidelt@hilton.com

Ihr Lieblingsort in Warschau?

Definitiv der Łazienki Park. Einer von vielen tollen Parks hier.

Was vermissen Sie am meisten?

Es gibt hier keine guten Frankfurter und auch keine Blutwurst. Das vermisse ich schon ein wenig.

Was war das erste Wort außer Danke und Bitte, das Sie auf Polnisch konnten?

Den Geburtstagssong, also Happy Birthday. Übersetzt singt man da: „Hundert Jahre wünschen wir dir Glück.“

Was haben Sie am meisten zu schätzen gelernt?

Dass die Wohnqualität hier extrem hoch ist und dass man auch sonntags von 11 bis 23 Uhr shoppen gehen kann.

Würden Sie noch einmal hierher auswandern?

Ja, eigentlich möchte ich gar nicht mehr weg. Aber sollte das notwendig sein, dann würde ich später gerne wieder hier arbeiten.

Ihre polnische Lieblingsspeise?

Žurecksuppe. Die gibt‘s auch nur hier!

Ihre Lieblingslokal?

Das Restaurant im Hotel Le Régina. Zwar nicht billig, aber richtig toll!

Die größte Überraschung?

Ich habe nicht erwartet, dass die Stadt so kinderfreundlich und gleichzeitig kosmopolitisch ist.

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