Lebenswerk: Balthasar Hauser

Sein Leben – ein Abenteuer: Eigentlich wollte er Landwirt werden, doch das Schicksal hatte anderes mit ihm vor. Heute ist Balthasar Hauser einer der Top-Hoteliers in Österreich und der lebende Beweis dafür, wie erfolgreich man sein kann, wenn man sich selbst, seiner Herkunft und der Musik treu bleibt.
April 27, 2018 | Text: Andrea Böhm | Fotos: Thomas Haindl, Biohotel Stanglwirt, Florian Bachmeier, Alexander Heil

Herzlich ist das erste Wort, das einem in den Sinn kommt, trifft man Balthasar Hauser. Der 71-Jährige hat immer ein nettes Wort übrig und wenn er von seinem Leben erzählt, kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Seit über fünf Jahrzehnten ist er der Gastgeber im berühmten Stanglwirt im tirolerischen Going, wo Prominente und Einheimische gemeinsam am Stammtisch sitzen und Du zueinander sagen.
Der gemeinsame Nenner ist immer die Musik, und für den Hauser, wie man ihn liebevoll in seiner Heimat nennt, wohl so was wie sein Lebenselixier. Vom Musizieren erzählt er besonders gerne, aber auch von seinen Gästen, Tieren am Hof, Bauprojekten, seiner Familie und seinem Leben im Allgemeinen.
Einzig bei der Frage, was ihm denn von den letzten 50 Jahren besonders im Gedächtnis geblieben sei, wird er kurz ruhig, überlegt und gibt dann zur Antwort: „Die ganzen 50 Jahre waren ein einziges Abenteuer. Daher kann ich nichts Besonderes hervorheben.“
Balthasar Hauser, ausgezeichnet mit dem ROLLING PIN-Award Lebenswerk

Vom Bauer zum Wirt

Die ersten Erinnerungen Balthasar Hausers beginnen aus der Kuh-Perspektive. Denn der Stall war der Ort, wo sich der Bub immer herumgetrieben hat. „Als Kind kannte ich den Stanglwirt nur mit Blick vom Stall aus“, erzählt er heute und meint damit jenes legendäre Fenster, von dem man direkt von der Gaststube in den Kuhstall sehen kann und umgekehrt.

Herzlich ist das erste Wort, das einem in den Sinn kommt, trifft man Balthasar Hauser. Der 71-Jährige hat immer ein nettes Wort übrig und wenn er von seinem Leben erzählt, kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Seit über fünf Jahrzehnten ist er der Gastgeber im berühmten Stanglwirt im tirolerischen Going, wo Prominente und Einheimische gemeinsam am Stammtisch sitzen und Du zueinander sagen.
Der gemeinsame Nenner ist immer die Musik, und für den Hauser, wie man ihn liebevoll in seiner Heimat nennt, wohl so was wie sein Lebenselixier. Vom Musizieren erzählt er besonders gerne, aber auch von seinen Gästen, Tieren am Hof, Bauprojekten, seiner Familie und seinem Leben im Allgemeinen.
Einzig bei der Frage, was ihm denn von den letzten 50 Jahren besonders im Gedächtnis geblieben sei, wird er kurz ruhig, überlegt und gibt dann zur Antwort: „Die ganzen 50 Jahre waren ein einziges Abenteuer. Daher kann ich nichts Besonderes hervorheben.“
Balthasar Hauser, ausgezeichnet mit dem ROLLING PIN-Award Lebenswerk

Vom Bauer zum Wirt

Die ersten Erinnerungen Balthasar Hausers beginnen aus der Kuh-Perspektive. Denn der Stall war der Ort, wo sich der Bub immer herumgetrieben hat. „Als Kind kannte ich den Stanglwirt nur mit Blick vom Stall aus“, erzählt er heute und meint damit jenes legendäre Fenster, von dem man direkt von der Gaststube in den Kuhstall sehen kann und umgekehrt.
Das gab es nämlich schon, als noch Balthasars Mutter das Wirtshaus schupfte. Damals, in den 50er-Jahren, war es als Einkehrwirtshaus bekannt und die Stanglwirtin eine beeindruckende Persönlichkeit, die Berühmtheiten mit ihrem Gesang anlockte. So gaben sich damals Clark Gable, der Schah von Persien, Aristoteles Onassis und viele mehr die Klinke in die Hand.
Bing Crosby wollte sie das Jodeln beibringen und Herbert von Karajan lobte ihre Naturstimme. Ja, die Anna Hauser-Seibl war eine lebensfrohe und sangesfreudige Frau. Kommt Ihnen das auch bekannt vor?
Irgendwie kommt man nicht drumherum anzunehmen, dass sich manche Geschichten wiederholen und Talente auf direktem Wege weitergegeben werden. Man könnte auch sagen: eine günstige Konstellation der Gene. Was der kleine Balthasar zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen konnte, war es doch sein einziger Wunsch, Bauer zu werden.

Doch das Schicksal sollte ihm – was für ein Glück für seine späteren Gäste – ein Schnippchen schlagen. Mit nur 17 Jahren, nach dem viel zu frühen Ableben seiner Mutter, wurde er als Erbe benannt, nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für das Wirtshaus. Was folgte, waren nicht nur rosige Zeiten, denn der Stanglwirt mit dieser jungen Führung genoss kein Vertrauen bei den Zulieferern.
„Früher sind alle wegen meiner Mutter gekommen, wegen der Stanglwirtin. Als sie starb, war plötzlich alles weg. Mich hat ja keiner gekannt, weil ich immer im Stall war“, erzählt der Hotelier von der Vergangenheit. Der bäuerliche Ehrgeiz wiederum verbot dem jungen Balthasar Hauser, Grund und Boden zu verkaufen.
Früher sind alle wegen meiner Mutter gekommen, wegen der Stanglwirtin. Als sie starb, war plötzlich alles weg. Mich hat ja keiner gekannt, weil ich immer im Stall war.
Balthasar Hauser über die schwierige Zeit nach dem Tod seiner Mutter

Eine verzwickte Lage, die ihn aber erst recht zu Höchstleistungen anspornte. Man könnte fast sagen, sie hätte seine Kreativität erst beflügelt. „Ideen sind billiger als Kredite“, sagt er mit einem verschmitzten Lächeln. Mithilfe von ein paar Kollegen bei der Goinger Musikkapelle hat er die ersten Zimmer für Handelsreisende errichtet.
„Wir haben die Zimmer nach hinten raus gebaut, mit Blick zum Kaiser, damit sie ruhig schlafen können.“ Diese Zimmer sind allerdings so gut angekommen, dass bald ausgebaut werden musste.
„Unser Haus ist ein inverses, ökonomisches Modell“, sagt Balthasar Hauser und erklärt: „Wir haben eine Nachfrage geschaffen, die vorher nicht da war. Das hat mir einmal ein gescheiter Mensch gesagt, ein Wissenschaftler.“

Unabhängig In den Jahren darauf passierte beim Stanglwirt so einiges: 1976 wurde die erste begrünte Tennishalle Österreichs errichtet, vier Jahre darauf folgte das erste baubiologische Hotel der Republik, die erste Hotel-Baumrindenheizung Europas und auch die Lipizzaner kamen im selben Jahr.
„Es wäre alles nicht so gewachsen, wenn wir nicht das Hotel hätten“, ist sich Balthasar Hauser sicher, betont aber auch: „Wenn das Hotel ausgebaut wurde, wurde auch immer die Landwirtschaft ausgebaut. So habe ich immer mehr Knautschzone geschaffen.“
Dass der Bauernhof einen fixen Platz in seinem Herzen hat, beweist auch, dass der Misthaufen eine Attraktion im Zentrum des Geschehens darstellt: „Wir haben ein biologisches Haus gebaut mit Blick auf den Misthaufen.“
Ein weiterer Beweis dafür ist auch, dass jeder Gast trockenen Fußes von der Luxussuite in den Kuhstall gehen und dort mit dem Melker sprechen kann. „Das macht auch der Arnold Schwarzenegger“, erzählt der Hauser, der zuletzt Heidi Klum das Melken beibringen sollte: „Und das hat sie gut gemacht“, bestätigt er.

Der Betrieb ist um die Landwirtschaft herum gewachsen. Wenn die Gäste – egal ob prominent oder nicht – aus ihren Fahrzeugen aussteigen, tun sie das unmittelbar neben dem Traktor und den Heuballen. „Wir sind ein Biobauernhof, ein Heumilchbauernhof mit integriertem Luxushotel und nicht umgekehrt“, betont der Vorzeigetouristiker.

Mit seiner Frau Magdalena hat der Hauser seinen perfekten Gegenpart gefunden. Sie selbst stammt von einem bayrischen Hof ab und trägt dieses Bauerngen genauso im Herzen wie ihr Mann. „Sie gießt unsere Blumen, obwohl sie das nicht machen müsste, weil wir so viele Mitarbeiter haben. Aber für sie ist das selbstverständlich.“
Balthasar Hausers Bewunderung für die Bauernschaft ist kein Geheimnis. „Die haben alles gehabt, weil sie auch alles gekonnt haben“, bringt er seine Wertschätzung auf den Punkt. „Damit waren sie unabhängig. Sie hatten zwar nicht viel, aber sie waren unabhängig.“ Was das betrifft, sieht der 71-Jährige auch eine weitere Verbindung zwischen dem Stanglwirt und seinem Alterego: „Wir sind auch unabhängig. Wir stehen schuldenfrei im Grundbuch. Wer hat das heute noch?“

Nestwärme

Balthasar Hauser ist immer auf Trab. Wenn er sich einmal Zeit für sich nimmt und vom Haus entfernt, dann meist mit dem Fahrrad oder – im Winter – mit den Tourenski. „Das Schöne ist, wenn man Ausdauer betreibt, dann erkennt der Körper selbst, dass man gar nicht so viel braucht“, erklärt er und meint damit zu viel Essen oder gar Trinken.
Somit ist Sport zu betreiben sein Erfolgsrezept und er kann damit seinem Motto treu bleiben: „Viel haben und wenig brauchen.“ Aber meistens findet man die Mitglieder der Familie Hauser am Hof, denn seit sage und schreibe 250 Jahren war das Haus keinen einzigen Tag geschlossen, aus dem einfachen Grund: „Wenn der Vogel nie da ist, entsteht keine Nestwärme. Unser Nest ist immer offen und es ist immer warm.“

Und zu tun gibt es ja genug. Bauen und Gestalten hat beim Stanglwirt immer eine große Rolle gespielt und so gibt es auch aktuell gleich mehrere Baustellen: „Wir bauen eine neue Käserei, eine neues, großes Personalhaus, die Biozimmer bekommen neue Bäder und das Buffet wird auch umgebaut“, zählt der Hausherr auf.
Zur selben Zeit sind aber auch 250 Hausgäste da. Wahrscheinlich sind sie das Treiben beim Stanglwirt schon gewohnt und können ein Lied davon singen. Was dem Hausherrn sowieso am liebsten wäre, denn die Musik ist für ihn die liebste Ausdrucksweise.
„Singen kann man nur, wenn man sich gut versteht. Echte Volksmusik funktioniert nur auf emotionale und liebevolle Weise. Die kann man nicht aufdrehen wie eine Musikbox.“

Dass er mit seiner Familie bei den ROLLING PIN-Awards aufgespielt und gesungen hat, war aus Wertschätzung für all die Nominierten und Gewinner des Abends. Sein eigener Preis, die Auszeichnung für das Lebenswerk, hat ihn sehr geehrt, und um es mit den Worten seines Freundes und Laudators Georg Anker zu sagen: „Eine Auszeichnung ist ein Grund weiterzumachen.“
Zum Glück sieht es Balthasar Hauser genauso und kontert: „Ich bin noch nicht ganz fertig.“
www.stanglwirt.com

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