Mein groesster Fehler: Christian Rach

Auch die Großen der Branche machen nicht alles richtig. Hier erzählen sie von ihren Fehltritten und Rückschlägen, davon, was sie daraus gelernt haben und wie sie es heute besser machen. Diesmal: Christian Rach.
September 24, 2018 | Text: Andrea Böhm | Fotos: Thomas Haindl

Wie fühlt es sich an, wenn man seinem Bauchgefühl folgt und beginnt, seinen Traum zu leben? Christian Rach weiß davon ein Lied zu singen und tut es – nach gewohnter Manier – gerne und ausführlich. Immerhin hat er schon viel erlebt mit seinen 61 Jahren. Zuerst in der Gastronomie, wo er in Hamburg nach dem Restaurant Leopold das Restaurant Tafelhaus, untergebracht in einem alten Friedhofshäuschen, eröffnete.

Bereits eineinhalb Jahre danach bekam der Koch dafür einen Michelin-Stern verliehen. „Das war 1991 und das Tafelhaus hat den Stern bekommen, obwohl wir nur Sperrholzmöbel und Gläser von der Stange hatten“, sagt Rach amüsiert und auch ein wenig stolz, denn damals wurde beim großen Guide das Wort konservativ noch großgeschrieben. Doch die Küche bewies sich immer wieder und behielt den Stern bis zur Schließung des Restaurants 20 Jahre später.

Der breiten Öffentlichkeit wurde Christian Rach später durch diverse TV-Shows bekannt. Er ist ein kritischer sowie analytischer Betrachter der aktuellen Situation in der Gastronomie und nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Oft wird er als Gastro-Philosoph zitiert, was gar nicht so weit hergeholt ist, ist doch die Philosophie seine zweite Leidenschaft nach dem Kochen. Als Insider – oder wenn man ein aufmerksamer Leser von Wikipedia-Einträgen ist – weiß man auch, dass Herr Rach in seinen jungen Jahren Mathematik und Philosophie studiert hat, dieses Studium allerdings nie zu Ende brachte.

Christian Rach

Auch wenn das Magazin Vogue seinerzeit den Hamburger in der Headline zum zweifachen Doktor machte. Er habe wohl interveniert, wollte eine Gegendarstellung haben, aber es war erfolglos. „Seither bin ich der Presse und Headlines gegenüber skeptisch, obwohl ich selbst ein Mann der Presse geworden bin“, erzählt der TV-Erfahrene. Es ist jedoch möglich, dass sich gerade bei dieser Headline etwas in Christian Rachs Innerem getan hat.

Eine Erinnerung an junge Jahre, als er noch den Plan hatte, studierter Mathematiker und Philosoph zu werden, dies aber nie zu Ende brachte, was er heute in einem Atemzug seinen größten Fehler wie auch seine größte Chance nennt. Die Erklärung, warum das so ist, folgt gleich. Zuerst aber die Story im Schnelldurchlauf, wie es zu diesem Sinneswandel kam. Der gebürtige Saarländer stammt aus einer Familie mit vier Kindern, wo das Geld nicht zu üppig vorhanden war.

Wie fühlt es sich an, wenn man seinem Bauchgefühl folgt und beginnt, seinen Traum zu leben? Christian Rach weiß davon ein Lied zu singen und tut es – nach gewohnter Manier – gerne und ausführlich. Immerhin hat er schon viel erlebt mit seinen 61 Jahren. Zuerst in der Gastronomie, wo er in Hamburg nach dem Restaurant Leopold das Restaurant Tafelhaus, untergebracht in einem alten Friedhofshäuschen, eröffnete.

Bereits eineinhalb Jahre danach bekam der Koch dafür einen Michelin-Stern verliehen. „Das war 1991 und das Tafelhaus hat den Stern bekommen, obwohl wir nur Sperrholzmöbel und Gläser von der Stange hatten“, sagt Rach amüsiert und auch ein wenig stolz, denn damals wurde beim großen Guide das Wort konservativ noch großgeschrieben. Doch die Küche bewies sich immer wieder und behielt den Stern bis zur Schließung des Restaurants 20 Jahre später.

Der breiten Öffentlichkeit wurde Christian Rach später durch diverse TV-Shows bekannt. Er ist ein kritischer sowie analytischer Betrachter der aktuellen Situation in der Gastronomie und nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Oft wird er als Gastro-Philosoph zitiert, was gar nicht so weit hergeholt ist, ist doch die Philosophie seine zweite Leidenschaft nach dem Kochen. Als Insider – oder wenn man ein aufmerksamer Leser von Wikipedia-Einträgen ist – weiß man auch, dass Herr Rach in seinen jungen Jahren Mathematik und Philosophie studiert hat, dieses Studium allerdings nie zu Ende brachte.

Christian Rach

Auch wenn das Magazin Vogue seinerzeit den Hamburger in der Headline zum zweifachen Doktor machte. Er habe wohl interveniert, wollte eine Gegendarstellung haben, aber es war erfolglos. „Seither bin ich der Presse und Headlines gegenüber skeptisch, obwohl ich selbst ein Mann der Presse geworden bin“, erzählt der TV-Erfahrene. Es ist jedoch möglich, dass sich gerade bei dieser Headline etwas in Christian Rachs Innerem getan hat.

Eine Erinnerung an junge Jahre, als er noch den Plan hatte, studierter Mathematiker und Philosoph zu werden, dies aber nie zu Ende brachte, was er heute in einem Atemzug seinen größten Fehler wie auch seine größte Chance nennt. Die Erklärung, warum das so ist, folgt gleich. Zuerst aber die Story im Schnelldurchlauf, wie es zu diesem Sinneswandel kam. Der gebürtige Saarländer stammt aus einer Familie mit vier Kindern, wo das Geld nicht zu üppig vorhanden war.

Der Student musste sich also zu seiner kleinen monatlichen Unterstützung durchs Elternhaus etwas dazuverdienen. Essen und kochen wurde in der Familie immer großgeschrieben, weshalb sich Rach in die Küche stellte und nicht, wie seine Kommilitonen, ins Service. Und damit war auch schon das Feuer entfacht. Benzin wurde diesem durch ein privates Essen im Restaurant Petit Délice von Alex Henkel und Werner Henssler hinzugefügt.

„Dort habe ich die Unendlichkeit auf dem Teller entdeckt“, sagt der Mathematiker in ihm. Der in Flammen Stehende kochte weiterhin mit großer Passion, bis ein französischer Kellner sein Potenzial erkannte und ihn in ein Sternerestaurant nach Grenoble vermittelte. Das war genau der Augenblick, als Rach die Entscheidung seines Lebens traf. „Zu dem Zeitpunkt war ich im letzten Semester, hatte alle Scheine und war in Vorbereitung auf die Prüfungen“, erinnert er sich.

Die Entscheidung, auf der Zielgeraden mein Studium nicht zu beenden, war mein größter Fehler, gleichzeitig aber auch meine größte Chance.

Doch das Leben schlug ihm ein Schnippchen, das da lautete: wenn Frankreich, dann sofort. „Und so habe ich ein halbes Jahr bevor ich fertig gewesen wäre, mein Studium geschmissen.“ Um sich die Reaktion der engsten Verbündeten auszumalen, braucht man selbst kein Professor zu sein, Christian Rach stand also ordentlich unter Druck. Und dennoch meint er heute: „Diese Entscheidung, auf der Zielgeraden nicht fertig zu machen, war mein größter Fehler, aber auch meine größte Chance.

Weil der Druck, der daraus resultierte, mich so gepusht hat in dieser und in allen nachfolgenden Entscheidungen, die Arschbacken zusammenzukneifen und durchzustehen, auch wenn es wehtut.“ Die erste Prüfung wurde ihm gleich in Frankreich auferlegt, als er jeden Tag drei Kisten Artischocken schälen sowie zwei Kisten Spinat putzen musste, bei Arbeitszeiten, die man heute als unmenschlich bezeichnen würde. Der Jungkoch war am Ende seiner Kräfte, sowohl körperlich als auch mental.

Doch aufgeben war keine Option aufgrund dieses Drucks, den er sich wegen des Studienabbruchs selbst auferlegt hatte. Durch diese Erfahrung wurde Christian Rach stärker und hat seine Entscheidung nie bereut. „Den Studienabschluss hätte ich nur für Interviews gebraucht, um sagen zu können: Ich bin Mathematiker, ich bin Philosoph, oder fürs Ego“, reflektiert der Wissende und gibt noch einen guten Tipp mit auf den Weg: „Um ein erfolgreicher Koch zu werden, braucht man kein Studium. Was man aber braucht, sind Disziplin und Fleiß.“
www.christianrach.de

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