Mein groesster Fehler: Tommy R. Möbius

Auch die Großen der Branche machen nicht alles richtig. Hier erzählen sie von ihren Fehltritten und Rückschlägen, davon, was sie daraus gelernt haben und wie sie es heute besser machen. Diesmal: Tommy R. Möbius.
Oktober 12, 2018 | Text: Andrea Böhm | Fotos: FAKTENHAUS

Was wäre, wenn? Was werden die anderen denken? Hand aufs Herz: Haben wir uns nicht schon alle einmal mit diesen Fragen konfrontiert? Mit dieser Unsicherheit und diesem Selbstzweifel, der an uns nagt und uns abhält, einen Schritt weiter zu machen? Einer, der ganz offen darüber spricht, ist der Spitzenkoch Tommy R. Möbius, der sich ganz dem guten Geschmack verschrieben hat und nach dem Motto „Liebe, Lust und Leidenschaft“ seinen Weg geht.
Ein Weg, der ihn schon zu Joachim Wissler ins Restaurant Vendôme geführt hat, nach Wien ins Restaurant Fabios, das unter seiner Führung einen Michelin-Stern bekommen hat, wie auch das Wiener Restaurant Bauer danach. Darauf ging’s zurück nach Deutschland und Möbius wurde Küchenchef in einem Restaurant in Ketsch, blieb dort als besternter Koch die nächsten fünf Jahre und machte sich im April 2017 mit dem lebensmittel.punkt, einem Treffpunkt für Feinschmecker, selbständig.
Klingt nach einem langen Weg, war es auch, denn Tommy R. Möbius’ Lernprozess war es, in diesen Jahren den „Mut zur Lücke“, wie er es selbst bezeichnet, zu lernen. „Manchmal muss man im Leben sagen: Scheiß drauf, ich mach das jetzt! Obwohl ich eigentlich sehr laut bin und sehr breitbeinig durchs Leben gehe, ein Macher bin, gab es dennoch Momente, wo ich mich nicht drübergetraut habe“, erzählt der 43-Jährige.
Tommy R. Möbius
Wie zum Beispiel damals in Ketsch, als seine Sous Chefs, die perfekte Mannschaft, die er aus Österreich mitgenommen hatte, weggingen und es nicht um die Burg möglich war, gleich gute Nachfolger zu finden. „Damals hätte ich eher sagen sollen, ich lass es auch bleiben. Ich hätte nach Wien zurückgehen oder mich schon früher mit meiner Frau selbständig machen sollen“, weiß er heute. Immer wurde die Sicherheit vorgeschoben und der Mut hinten angestellt.
Dabei sieht es Möbius theoretisch doch ganz locker, wie er erheiternd erzählt: „Ich kenne ein paar Top-Ärzte, die arbeiten am offenen Herz und ich an einer Möhre. Dabei reite ich mich da rein, als wäre es umgekehrt.“ Jetzt könnte man leichtfüßig sagen: „Ja es gibt halt solche Menschen, die immer auf der sicheren Seite leben wollen, Risiken scheuen“, aber kennt man Möbius, weiß man, dass dabei irgendwas nicht ganz stimmig sein kann, da muss es doch noch etwas geben.

Was wäre, wenn? Was werden die anderen denken? Hand aufs Herz: Haben wir uns nicht schon alle einmal mit diesen Fragen konfrontiert? Mit dieser Unsicherheit und diesem Selbstzweifel, der an uns nagt und uns abhält, einen Schritt weiter zu machen? Einer, der ganz offen darüber spricht, ist der Spitzenkoch Tommy R. Möbius, der sich ganz dem guten Geschmack verschrieben hat und nach dem Motto „Liebe, Lust und Leidenschaft“ seinen Weg geht.
Ein Weg, der ihn schon zu Joachim Wissler ins Restaurant Vendôme geführt hat, nach Wien ins Restaurant Fabios, das unter seiner Führung einen Michelin-Stern bekommen hat, wie auch das Wiener Restaurant Bauer danach. Darauf ging’s zurück nach Deutschland und Möbius wurde Küchenchef in einem Restaurant in Ketsch, blieb dort als besternter Koch die nächsten fünf Jahre und machte sich im April 2017 mit dem lebensmittel.punkt, einem Treffpunkt für Feinschmecker, selbständig.
Klingt nach einem langen Weg, war es auch, denn Tommy R. Möbius’ Lernprozess war es, in diesen Jahren den „Mut zur Lücke“, wie er es selbst bezeichnet, zu lernen. „Manchmal muss man im Leben sagen: Scheiß drauf, ich mach das jetzt! Obwohl ich eigentlich sehr laut bin und sehr breitbeinig durchs Leben gehe, ein Macher bin, gab es dennoch Momente, wo ich mich nicht drübergetraut habe“, erzählt der 43-Jährige.
Tommy R. Möbius
Wie zum Beispiel damals in Ketsch, als seine Sous Chefs, die perfekte Mannschaft, die er aus Österreich mitgenommen hatte, weggingen und es nicht um die Burg möglich war, gleich gute Nachfolger zu finden. „Damals hätte ich eher sagen sollen, ich lass es auch bleiben. Ich hätte nach Wien zurückgehen oder mich schon früher mit meiner Frau selbständig machen sollen“, weiß er heute. Immer wurde die Sicherheit vorgeschoben und der Mut hinten angestellt.

Dabei sieht es Möbius theoretisch doch ganz locker, wie er erheiternd erzählt: „Ich kenne ein paar Top-Ärzte, die arbeiten am offenen Herz und ich an einer Möhre. Dabei reite ich mich da rein, als wäre es umgekehrt.“ Jetzt könnte man leichtfüßig sagen: „Ja es gibt halt solche Menschen, die immer auf der sicheren Seite leben wollen, Risiken scheuen“, aber kennt man Möbius, weiß man, dass dabei irgendwas nicht ganz stimmig sein kann, da muss es doch noch etwas geben.

Und richtig! „Bei mir kommt es aus der Geschichte, weil ich 1989 aus der DDR geflüchtet bin“, folgt die Erklärung und man beginnt zu verstehen. „Mein Vater hat damals alles auf eine Karte gesetzt und wir sind mit nur dem, was wir in die Klamotten einnähen konnten, über die Grenze gegangen.“ Der Vater war in der DDR ein gestandener Mann, hatte eine Gaststätte und ein Ferienheim und nach seiner Flucht musste er bei null anfangen.
Ich kenne ein paar top-ärzte, die arbeiten am offenen herz und ich an einer möhre. dabei reite ich mich da rein, als wäre es umgekehrt.
Tommy R. Möbius nimmt seine Ängste selbst auf die Schaufel
Tommy R. Möbius war damals 13 Jahre alt und man kann sich gut vorstellen, dass bei einem Teenager so ein Ereignis seine Spuren hinterlässt. Und so erkennt man noch heute diese Narben, die sich in extremem Sicherheitsdenken und Existenzängsten zeigen. „Von meiner Kindheit ist nicht viel übrig“, erzählt der Sternekoch und geht ins Detail: „Das Haus in Leipzig, das wir hatten, gibt es nicht mehr, das Hotel, das wir in Greiz bei Thüringen hatten, wurde abgerissen wegen Asbest.

Mein Vater ist in Köln gestorben, das Restaurant plattgemacht, da ist jetzt ein Büro drin.“ Zusammenfassend kann Möbius nur sagen: „Da ist so eine Existenzangst, die in mir drinnen ist und wodurch ich sage: Das möchte ich nicht noch mal erleben.“ Doch auch wenn diese Gedanken und Gefühle Tommy R. Möbius immer noch begleiten, mit dem Alter, der Erfahrung und dem Erfolg kommt auch ein anderer Blick auf die Dinge und heute kann der Spitzenkoch mit geschwellter Brust sagen: „Es gibt Situationen, die sollte man nicht hinauszögern.

Habt ruhig Mut zur Lücke.“ Für den 43-Jährigen bedeutet das, dass er endlich den Weg in die Selbständigkeit gefunden hat. „Für andere Geld reinzuschaufeln, hat mich nicht mehr bewegt und nicht mehr tangiert“, erzählt er. Seit eineinhalb Jahren führt Möbius mit seiner Frau seinen eigenen feinen Feinschmeckertreffpunkt, eine Feinkost mit Bistro und Bar. „Es fühlt sich geil an. Weil jetzt bin ich bald 44, noch immer verbissen, hinterher und gebe Gas, aber ich kann es jetzt auch mit einer gewissen Lockerheit sehen, weil ich weiß, dass ich es richtig mache.“

Tommy R. Möbius hört natürlich auch weiterhin auf seinen Bauch und seinen gesunden Hausverstand, doch eines hat er zu 100 Prozent gelernt: „Lass dich nicht verrückt machen. Die Angst wird viel von außen beeinflusst. Wenn du weißt, dass du etwas auf dem Kasten hast, und wenn du weißt, du hast ein gutes Konzept, dann solltest du es probieren.“ Wie schon der Volksmund sagt: Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben.
www.dermoebius.com

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