Pro & Contra – Geld für Leitungswasser verlangen – geht das?

Ab und zu hast du keine Wahl. Da gibt es nur ein klares Ja oder ein radikales Nein. Wer an seiner Meinung noch feilt, bekommt hier die Entscheidungshilfe in Schwarz-Weiß.
November 13, 2015

Pro & Contra

PRO

Katharina Wolschner

Klar, deswegen!
Sie sitzen in einem Restaurant. Warum sollten Sie dort etwas für lau bekommen?

Da plätschert diese Diskussion nun bestimmt einige Jahre durch den Medienwald und es scheint, dass es trotzdem noch niemand verstanden hat: Restaurants bedienen ihre Gäste, weil sie damit Geld verdienen wollen. Schließlich ist man hier ja nicht bei der Wohlfahrt. Trotzdem scheinen einige zu glauben, dass Wasser gratis sein müsste. Weil wir eh genug davon haben und zu Hause kommt es ja auch ohne Preiszettel aus der Leitung. Dass der monatlich mit der Strom-Wasser-Gas-Rechnung eintrudelt, bleibt dem Bewusstsein der schimpfenden Kunden weitgehend unbemerkt. Gastronomisch gesehen unterscheidet sich Wasser zudem nur bedingt von Cola, Fanta & Co.: Es ist gesünder – zumindest solange man sich in Österreich und Deutschland befindet – und im Einkauf billiger.

Doch der Gast bestellt’s, der Ober geht zum Hahn und macht das Glas voll, bringt es an den Tisch und stellt es anschließend in den Spüler. Das macht pro 0,3-Liter-Glas um die 0,2 Cent für Personalkosten, Strom und Wareneinsatz. Klingt wenig? Macht aber bei zehn Gratis-Wasser am Tag jährlich mehr als 730 Euro Zusatzkosten. Dass der Platz für kauffreudigere Kunden besetzt ist, rundet die Kosten-Nutzen-Frage ab. Als Zusatzgetränk zu einer normalen Konsumation bin ich gerne für Gratis-Wasser. Diejenigen, die jetzt auf Kundenherzlichkeit pochen, können entweder nicht rechnen oder haben es nicht nötig. Also, die Argumente ins Trockene bringen und jetzt ja nicht nass machen …

phpwTRVGf
CONTRA

Stephanie Fuchs

Sicher nicht!
Wer den Gast für wirklich jeden Service bezahlen lässt, hat keine große Zukunft vor sich.

Arme Gastronomen. Niemals um ein paar Scheinargumente verlegen. Horden von professionellen Leitungswassertrinkerbanden stürmen die Gastgärten? Herzlich willkommen zurück auf dem Boden der Tatsachen, meine Damen und Herren: Wer für 0,5 Liter Leitungswasser 1,20 Euro verlangt und diesen Preis mit Personal- und Betriebskosten rechtfertigt, hat entweder schon einen Hitzeschlag erlitten oder ist einfach von Natur aus ein wenig balla-balla. Warum sollte man als Gast neuerdings dem Kellner Kilometergeld dafür bezahlen, dass er einen für dieses Berufsbild ziemlich charakteristischen Weg auf sich nimmt und ein Glas Wasser an den Tisch serviert? Wenn ich das Servicepersonal um eine neue Serviette bitte, ist das dann ab sofort auch mautpflichtig?

Es gibt viele Leistungen in einem Restaurant, die über den normalen Konsum mitbezahlt werden, dieser kundenfeindliche Sturm im Wasserglas ist also eine reine Farce. Der Leitungswasserkonsum des durchschnittlichen Restaurantbesuchers ist wahrlich überschaubar und die paar Euro mehr, die dem Gastronomen an Betriebskosten entstehen, stehen in keiner Relation zu dem, was dem durstigen Gast an Geld aus der Tasche gezogen wird. Mal lieber drüber nachdenken, dass bei jeder normalen Toilettenspülung im Restaurant mindestens 8 Liter Wasser in die Kanalisation rauschen. Da sollte man anfangen, Wasser und Geld zu sparen, nicht beim Gast.

Was meinst du zu diesem Thema und worüber kannst du dich aufregen?
Mail uns an chefredaktion@mvmedien.eu

KOSTENLOS MEMBER WERDEN
UND UNZÄHLIGE VORTEILE genießen

  • Insights aus der Gastro-Szene, ganz ohne Bullshit.
  • Personalisierte Jobvorschläge & die besten Jobs aus der ganzen Welt
  • Alle Online-Artikel lesen & Zugriff auf das Rolling Pin-Archiv
  • 33% Rabatt auf Chefdays-Ticketsund vieles mehr…