ROLLING PIN AWARDS 2019: HANS-PETER WODARZ

Für sein Lebenswerk geehrt: Wodarz vollzog die erfolgreiche Wandlung vom Sternekoch zum gastronomischen Showmaster.
September 26, 2019 | Text: Laura Jung | Fotos: Raphael Gabauer, Hans-Peter Wodarz
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Hans-Peter Wodarz wurde bei den Rolling Pin Awards für sein Lebenswerk geehrt.

GEFEIERTER GASTGEBER

Hans-Peter Wodarz ist der Mann, der Lebenslust in die feine deutsche Küche brachte. Prominente, Künstler und Politiker gingen bei ihm ein und aus. Mit 71 Jahren ist er immer noch voller Tatendrang und lebt heute in Berlin.

Herr Wodarz, nächstes Jahr feiern Sie 30 Jahre Restaurant-Theater im Spiegelzelt. Herzlichen Glückwunsch!

Hans-Peter Wodarz: Eigentlich habe ich sogar zwei Jubiläen zu feiern. Am 22. April 1979 habe ich Die Ente vom Lehel in Wiesbaden eröffnet. Sie feiert dieses Jahr 40. Geburtstag im Nassauer Hof. Und 2020 wird das Restaurant-Theater im Spiegelzelt 30 Jahre alt – wobei ich vorher in der Ente schon Show-Formate organisiert habe. Ich wusste damals schon: Das ist meine Zukunft!

Ziemlich mutig von Ihnen, weil es das ja vorher noch nicht gab! Wussten Sie, dass es funktionieren würde?

Wodarz: Sie glauben ja gar nicht, wer mir alles davon abgeraten hat! Ich werde es nie vergessen, einer der größten Hoteliers hat gesagt: „Wodarz, vergiss das, das geht höchstens ein halbes Jahr gut, und dann fängst du wieder von vorne an mit deinem Restaurant.“ Und heute gibt es weltweit fast 100 Spiegelzelte mit ähnlichem Konzept.

Wie sind Sie eigentlich aufgewachsen?

Wodarz: Ich bin am 28. März 1948 in Wiesbaden geboren. Meine Mutter war Hausfrau und hatte drei Kinder, mein Vater war Zollbeamter. Mit 14 Jahren wurde ich Hotelpage und habe meine Ausbildung im Hotel Rose begonnen, heute Sitz der Hessischen Staatskanzlei. Exakt an diesem Ort habe ich 2012 vom hessischen Ministerpräsidentenen Volker Bouffier den Hessischen Verdienstorden verliehen bekommen – für mein soziales Engagement und zahlreiche Charityprojekte. Es war fast auf den Monat genau 50 Jahre her, dass ich dort als Page angefangen hatte.

Ich bin ein überaus kreativer Mensch.

Hans-Peter Wodarz über seine Schöpferkraft

Warum sind Sie Koch geworden?

Wodarz: Es war eigentlich die Idee meiner Mutter. Sie sagte, in der Küche hat man es immer warm und genug zu essen. Ich habe dann drei Jahre lang Koch gelernt und wurde sogar zum besten Kochlehrling Hessens ausgezeichnet. Später erkochte ich jeweils einen Michelin-Stern in München und Wiesbaden und wurde 1982 vom Gault Millau zum Koch des Jahres gekürt.

Warum sind Sie 1965 nach England gegangen?

HPW: Ich wollte unbedingt nach Liverpool, weil ich der Obermega-Beatles-Fan war. Ich hatte natürlich alle Schallplatten und habe die Musik geliebt. Nach der Ausbildung war ich 17 Jahre alt und habe zu meinem Vater gesagt, dass ich nach England gehen will. Da hat er geantwortet: „Zum Feind gehst du nicht!“ Später habe ich nachts meinen Koffer gepackt und bin abgehauen!

Wie war das als Deutscher in England in den 60er-Jahren?

HPW: Zuerst bin ich nach London und dann nach Liverpool. Als ich dann beim „Feind“ 20 bis 30 Mal „You fucking German“ gehört hatte, habe ich schon gespürt, dass es nicht so einfach ist, als Deutscher dort Arbeit zu finden. Ich bin dann nach Südengland gegangen, nach Cornwall, South Devon, ans Meer, wo es wunderschön ist. Da war ich dann ein Jahr angestellt und sehr zufrieden.

Die Legende

Hans-Peter Wodarz wurde am 28. März 1948 in Wiesbaden geboren. Er stammt aus einer schlesischen Flüchtlingsfamilie und begann mit 14 Jahren als Page im Wiesbadener Hotel Rose, wo er auch eine Lehre als Koch absolvierte. Nach verschiedenen Anstellungen in Großbritannien und Deutschland reüssierte er zwei Jahre in der von Eckart Witzigmann geleiteten Küche des Tantris. 1975 eröffnete Wodarz in München sein eigenes Restaurant Die Ente im Lehel, das er ab 1979 im Wiesbadener Hotel Nassauer Hof als Die Ente vom Lehel weiterführte. In beiden Restaurants erkochte er einen Michelin-Stern. Ab 1990 begann der Überkreative, sich der Erlebnisgastronomie zuzuwenden – mit riesigem Erfolg. Sein Restaurant-Theater im Spiegelzelt gastierte in Köln, Hamburg, Barcelona, Venedig, Mailand oder Paris. Nach einer Pleite in New York und Atlanta kehrte Wodarz 1996 nach Deutschland zurück, wo er an alte Erfolge anknüpfte. Er erhielt unzählige Preise und Auszeichnungen.

Und was wurde aus den Beatles?

HPW: Eines Tages, das war 1975, saß George Harrison in meinem Restaurant, der Ente im Lehel in München. Da bin ich natürlich ausgeflippt! Ich habe die Beatles vorher nie gesehen, ich kannte sie nur von Schallplatten und Fotos. Und jetzt saß der da bei mir, in meinem Restaurant! Ich war so was von aufgeregt! Ich bin natürlich an den Tisch gegangen und habe ihm meine Ente in Orangen-Pfeffer-Sauce empfohlen. Da schaute er mich nur an und sagte: „I am a vegetarian.“

Oje. Und was passierte dann?

HPW: Ich wusste ja damals gar nicht, was das ist! In dieser Zeit war das kein Thema bei den Köchen, das haben wir überhaupt nicht in der Berufsschule gelernt. Ich habe dann nur verstört genickt und bin in die Küche gegangen. Und da war ein österreichischer Koch, der bei uns volontierte, Josef Viehhauser – ein sehr guter Koch. Ich fragte ihn also, was ein „Vegetarian“ sei, und er rief: „Gemüse, Gemüse, Gemüse.“ Also legten wir los! George Harrison war am Ende zum Glück sehr zufrieden. Das war meine erste Begegnung mit einem Vegetarier!

Woher haben Sie den Mut für Ihre zahlreichen Projekte genommen?

HPW: Es war schon eine Portion Naivität dabei. Ich habe nicht lange überlegt und es einfach gemacht, weil ich es wollte. Ich bin ein sehr überkreativer Mensch. Das heißt, es gibt dann auch immer mal wieder Dinge, die schiefgehen. Aber mir hat mal einer gesagt: Nur die, die gar nichts machen, machen keine Fehler. Und in meiner Achterbahn des Lebens ging zwar manches schief, aber es ging auch vieles sehr, sehr gut. Wenn es mal an der Finanzierung hakte, habe ich immer einen Weg und Sponsoren gefunden, die mich gerne unterstützt haben – und das ist bis heute so.

Ich habe nicht lange überlegt und es einfach gemacht, weil ich es wollte.

Hans-Peter Wodarz über seine Art, an neue Projekte heranzugehen

Was hat Sie eigentlich dazu bewogen, Ihren gut bezahlten Job als Leiter des Party-Service bei Hertie am Stachus in München aufzugeben und im Tantris bei Eckart Witzigmann anzufangen?

HPW: 1972 war die Olympiade und wir hatten den Auftrag, das Olympische Komitee mit Buffets zu versorgen. Wir hatten über 250 Aufträge in unseren Büchern, doch der Terroranschlag am 5. September bereitete allem ein jähes Ende. Keinem war mehr nach Feiern zumute und das Geschäft lag am Boden. Kurz zuvor hatte ich in der Zeitung von einem außergewöhnlichen Restaurant namens Tantris in Schwabing gelesen. Ich bin also hin und erkannte: Alles, was ich vorher gelernt hatte, war etwas völlig anderes. Diese Küche ist die Zukunft!

Wie war es damals, beim berühmten Eckart Witzigmann zu arbeiten?

HPW: Gott sei Dank hat er mich genommen, denn zu dieser Zeit konnte er sich seine Mitarbeiter schon aussuchen. Ich musste natürlich gewaltig mit dem Gehalt runter, aber das hat sich gelohnt. Er ist ein großartiger Koch und Mensch, aber damals war er auch hart zu uns jungen Köchen. Wenn du einen Fehler gemacht hast, gab es schon Druck. Aber wir waren alle begeistert von der Entwicklung und dem zweiten Michelin-Stern. Es gab eine kulinarische Zeit vor Witzigmann und eine danach, er ist einer der großartigsten Köche der Welt. Mit ihm hat alles angefangen und ich war zum Glück in dieser Zeit bei ihm. Deswegen habe ich mich dann sehr schnell selbstständig gemacht.

Wie lief das damals ab?

HPW: Im Februar 1975 habe ich Die Ente im Lehel im Münchner Osten eröffnet und Ende des Jahres meinen ersten Michelin-Stern bekommen. Wir sind zusammen nach Frankreich gefahren und haben dort eingekauft, weil es in Deutschland noch keine Mittelmeerfische oder Crème fraîche gab. Das haben wir alles rübergeholt vom Pariser Markt. Das war eine unglaublich spannende Zeit, als die deutsche Zunge laufen lernte, wie Wolfgang Siebeck es einmal formuliert hat. Sie haben weltweit zahlreiche Charity-Projekte unterstüzt.

Wie kam es dazu?

HPW: Ja, es sind bestimmt 40 bis 50 Projekte, die ich unterstützt habe, vom Weißen Ring über die Gorbatschow-Stiftung, die Wiesbadener Aktion „Ihnen leuchtet ein Licht“ oder die Waisenkinder „Laugh-ing Hearts“ in Berlin. Es macht natürlich schon etwas Arbeit, aber wenn man ein großes Herz hat, ist es das einfach wert!

 

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