Three on the Bund Ein Haus mit viel Geschmack

Shanghai symbolisiert wie keine andere Stadt den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufbruch Chinas. Im „Three-on-the-Bund“, dem ultimativen Genusstempel Shanghais, erfährt der ausländische Besucher, wie sich die Öffnung Chinas am Gaumen präsentiert.
November 13, 2015

Drei Spitzenrestaurants verstecken sich in diesem Gebäude, dass kaum erkennbar bei Nacht fotografiert wurdeBis zur Machtergreifung der Kommunisten im Jahr 1948 war Shanghai nicht nur eine lebenslustige Geschäftsstadt, als „Tor nach China“ war Shanghai damals auch eine internationale Metropole, in der zigtausende Europaer ihr Geld verdienten und – mit beiden Händen – auch wieder ausgaben. So entstand Anfang des 20. Jahrhunderts am westlichen Ufer des Huangpu-Rivers die Prachtstrasse „The Bund“. Repräsentationsbauten für Banken und Versicherungen wechselten sich hier mit eleganten Kaufhäusern ab.
An der prominenten Adresse „Three on the Bund“ entstand 1916 ein neoklassizistisches Shopping-Paradies, das wie die meisten benachbarten Prachtbauten nach Maos Kulturrevolution – die übrigens am Bund in Shanghai ihren Ausgangspunkt hatte – jahrzehntelang nur noch als Denkmal einer dekadenten Epoche missbraucht wurde.
Auch wenn anderorts in Shanghai ganze Stadtteile dem Erdboden gleich gemacht werden, vielfach gesichtslosen Neubauten weichen, hat die Stadtverwaltung Shanghais bei den Investitionen am Bund – zumindest bei der Fassade – auf Denkmalschutz bestanden. So erstrahlt das Gebäude, das nach seiner Adresse “Three-on-the-bund” heißt, von außen genau so, wie es 1916 erbaut wurde. Im Inneren blieb jedoch kein Stein auf dem anderen. Der amerikanischen Star-Architekten Michael Graves wurde mit der Gestaltung des Gebäudeinneren beauftragt. Der hatte freie Hand und ein großzügiges Budget, um das erste Haus am Platz zu entwerfen. Giorgio Armani konnte gewonnen werden, seinen ersten Flagship-Store Asiens im Three-on-the-Bund zu eröffnen.
Den zweiten Stock hat Graves den Damen der feinen Gesellschaft Shanghais gewidmet. „Three for Women“ ist eine Luxusboutique für Kleidung und Accessoires. Doch das neue China darf nicht nur für Kommerz mit westlichen Labels stehen. Deshalb wurde im dritten Stock die Shanghai Gallery of Art angesiedelt. Für Feinschmecker wird es in den nächst höheren Stockwerken interessant: In den Stockwerken vier, fünf und sechs befinden sich drei der besten Restaurants der Stadt, die sich – fein aufeinander abgestimmt – eher ergänzen denn konkurrieren und allesamt Haute Cuisine vom Feinsten bieten.

Drei Spitzenrestaurants unter einem Dach

Der bekannteste Gastronom, der im Three-on-the-Bund tätig ist, ist wohl Jean Georges Vongerichten, der im vierten Stock das „Jean Georges“ betreibt. Ein auch optisch hervorragendes Restaurant von internationalem Format. Der gebürtige Elsässer hat sich in New York ein Restaurant-Imperium mit zahlreichen Michelin-Sternen aufgebaut. Bei seinem China-Engagement handelt es sich nicht um eine rasche Abzocke, sondern um ein ernstzunehmendes und auf Dauer ausgelegtes Unterfangen, was duch die Namensgebung noch unterstrichen wird. Für Peter Gago, der als Chiefwinemaker des australischen Weinriesen Penfolds regelmäßig die besten Restaurants der Welt besucht, ist das Jean Georges in Shanghai sogar noch besser als das hoch gelobte Mutterhaus in New York. Wer auf importierte Luxusprodukte wie Kaviar, Trüffeln oder bretonischen Hummer verzichtet und sich auch bei der Weinauswahl mit Produkten aus der neuen Welt begnügt, kann im Jean Georges erstaunlich günstig essen. Zu Mittag kostet ein viergängiger Business Lunch unter 40 Euro, abends kommt man mit rund 120 Euro fürs große Menü aus. Das ist für chinesische Verhältnisse zwar sehr viel Geld, verglichen mit den New Yorker Restaurants von Herrn Vongerichten jedoch geradezu ein Schäppchen.
Genauso delikat aber noch wesentlich spannender wird im Whampoa Club im fünften Stock gekocht. Jereme Leung zelebriert hier eine unglaublich rafffinierte Shanghai-Küche, die auch zahlreiche Einheimische in sein Restaurant lockt. Dabei stammt Leung gar nicht aus Shanghai, sondern ist gebürtiger Hongkong-Chinese. „Wir hatten gute zwei Jahre Zeit, um unser Konzept einer modernen, zukunftsweisenden Shanghai-Küche zu entwickeln. Weil ich selbst diese Küche ja kaum kannte, habe ich die alten Chefs der bekanntesten Restaurants der Stadt regelmäßig eingeladen, um gemeinsam verschiedenen Variationen der klassischen Gerichte auf den Grund zu gehen. Ich habe diese traditionellen Gerichte dann nur noch entschlackt, etwas akzentuierter gewürzt und vor allem moderner am Teller präsentiert, denn das war und ist der größte Schwachpunkt der chinesischen Küche“, erklärt Jereme Leung. Was den Whampoa Club noch von anderen Shanghai-Restaurants mit regionaler Küche unterscheidet, ist die hohe Glaskultur und die hervorragende Weinkarte, die weitgehend mit der des Jean Georges deckungsgleich ist. Das ist kein Wunder, denn der Einkauf und vor allem der Import für alle Restaurants im Three-on-the-Bund wird gebündelt.

Salzburger Chef de Cuisine im sechsten Stock

Chinesische Atmosphäre im Entree des Restaurants, diverse Tierfiguren und eine Geisha an der Wand
Ein Stockwerk darüber zelebriert der weit gereiste Australier David Laris eine originelle World-Cuisine mit Schwerpunkt Seafood. Er war bei Gordon Ramsey in London als Küchenchef tätig, wo er den jungen Salzburger Gerhard Passrugger kennen und schätzen gelernt hat. Passrugger ist Laris zuerst als Souschef zu dessen ersten eigenen Restaurant nach Sydney gefolgt, bevor er als Chef de Cuisine mit nach Shanghai kam. Dem jungen Österreicher taugt nicht nur sein „Gastarbeiter-Job“ sondern auch sein neuer Dienstort Shanghai, wenngleich ihm die eine oder andere Besonderheit in China nach wie vor „spanisch“ vorkommt. „In Europa ist gerade beim Wein oft vom Preis-/Leistungsverhältnis die Rede. Hier in Shanghai ist es genau umgekehrt. Je teurer eine Flasche Wein ist, umso leichter verkaufen wir sie. Viele Chinesen wollen mit ihrem Restaurantbesuch bei uns zeigen, dass sie Geschmack haben und sich dies auch leisten können“, berichtet Passrugger von verkehrten Welten im neureichen China.
Doch auch als europaischer Nomalverdiener macht ein Besuch im Laris durchaus Spaß. Es muss ja nicht immer Jahrgangs-champagner und Kaviar sein. Offene
Weissweine aus Chile und Neuseeland machen gerade zu chinesischem Kaviar genauso viel Spaß, vor allem wenn man die Rechnung selber zahlen soll. Der schmeckt fast so gut wie sein berühmter Bruder aus dem Kaspischen Meer, kostet aber nur ein Viertel.
Doch gerade in Shanghai gibt es immer noch eine Steigerung. So auch im Three-on-the-Bund! Über dem eher belanglosen und ganztägig geöffneten Touristenrestaurant „New Heights“ im siebten Stock thront in einem Türmchen gelegen das Cupola. Es besteht aus lediglich zwei Räumen: Einem größeren für acht Personen und einem noch exklusiveren für lediglich zwei Personen. Geordert kann von jedem der drei Luxusrestaurants im Three-on-the-Bund werden. Während das 2er-Separee bevorzugt von Pärchen aufgesucht wird, wird der 8er-Tisch auch gerne für geschäftliche Essen gebucht. Schließlich gibt es auch in Shanghai immer mehr reiche Leute, die nicht ins Luxusrestaurant gehen, um dabei gesehen zu werden, sondern luxuriös essen wollen, ohne dabei erkannt zu werden. www.threeonthebund.com

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