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Die Wasser Falle

Das heikle Geschäft mit den Mineralwässern: Vom Umsatzplus zum Gästeminus ist es oft nur ein kleiner Schritt. ROLLING PIN zeigt, aus welchen Flaschen das Geld direkt in Ihre Taschen fließt.
November 13, 2015

Fotos: Werner Krug

phpgM1paeDie Gewinnspanne beim Verkauf von Mineralwässern ist längst noch nicht ausgereizt. Das zeigte jüngst eine Untersuchung des österreichischen Mineralwasser-Marktführers Vöslauer. 77 Millionen Euro lassen sich die österreichischen Gastronomen im Jahr entgehen, weil sie kostenlos Leitungswasser ausschenken, anstatt dem Gast aktiv Mineralwasser anzubieten.

Das gute Geschäft mit dem kühlen Nass hat man zum Beispiel im Wiener Designhotel Le Méridien gewittert: Dort erleichtert eine eigene Wasserkarte, gefüllt mit 28 Edeltropfen aus aller Welt, die Entscheidung. Bis zu 95 Euro hoch sind die Preise, wie zum Beispiel für „bling“, ein Wasser aus den Bergen von Tennessee. Zum Vergleich: 45 Euro kostet diese mit Swarovski-Steinen besetzte 0,75-Liter-Flasche im Einkauf. „Für exotische Wässer gibt der Gast gerne Geld aus. Er kauft das Erlebnis mit“, sagt Le-Méridien-Sommelier Andreas Neuwirth.

Allerdings darf man nicht der Versuchung erliegen, die Preise leichtfertig in die Höhe zu treiben. Fühlt sich der Gast geneppt, ist die Gefahr hoch, dass er nie wieder kommt. So wird aus dem Umsatzplus schnell ein Minus.
Das Verkaufsgeheimnis liegt im ausgeklügelten Marketing: „bling“ fiel bei einer Verkostung des Magazins „GourmetReise“ zwar glatt durch (Ranking siehe nächste Seite), der Reiz, dieses Wasser trotzdem zu bestellen, liegt in der edlen Aufmachung der Flasche. Oder „Cape Grim“, das als Regenwasser aus Tasmanien alles andere als ein Ladenhüter, im Geschmackstest trotzdem nur an vorletzter Stelle zu finden ist.

„Führen Sie die Werbeargumente der teuren Mineralwässer…

Fotos: Werner Krug

phpgM1paeDie Gewinnspanne beim Verkauf von Mineralwässern ist längst noch nicht ausgereizt. Das zeigte jüngst eine Untersuchung des österreichischen Mineralwasser-Marktführers Vöslauer. 77 Millionen Euro lassen sich die österreichischen Gastronomen im Jahr entgehen, weil sie kostenlos Leitungswasser ausschenken, anstatt dem Gast aktiv Mineralwasser anzubieten.

Das gute Geschäft mit dem kühlen Nass hat man zum Beispiel im Wiener Designhotel Le Méridien gewittert: Dort erleichtert eine eigene Wasserkarte, gefüllt mit 28 Edeltropfen aus aller Welt, die Entscheidung. Bis zu 95 Euro hoch sind die Preise, wie zum Beispiel für „bling“, ein Wasser aus den Bergen von Tennessee. Zum Vergleich: 45 Euro kostet diese mit Swarovski-Steinen besetzte 0,75-Liter-Flasche im Einkauf. „Für exotische Wässer gibt der Gast gerne Geld aus. Er kauft das Erlebnis mit“, sagt Le-Méridien-Sommelier Andreas Neuwirth.

Allerdings darf man nicht der Versuchung erliegen, die Preise leichtfertig in die Höhe zu treiben. Fühlt sich der Gast geneppt, ist die Gefahr hoch, dass er nie wieder kommt. So wird aus dem Umsatzplus schnell ein Minus.
Das Verkaufsgeheimnis liegt im ausgeklügelten Marketing: „bling“ fiel bei einer Verkostung des Magazins „GourmetReise“ zwar glatt durch (Ranking siehe nächste Seite), der Reiz, dieses Wasser trotzdem zu bestellen, liegt in der edlen Aufmachung der Flasche. Oder „Cape Grim“, das als Regenwasser aus Tasmanien alles andere als ein Ladenhüter, im Geschmackstest trotzdem nur an vorletzter Stelle zu finden ist.

„Führen Sie die Werbeargumente der teuren Mineralwässer auch in Ihrer Karte an oder erklären Sie dem Gast genau, was er hier Besonderes zu trinken bekommt. Wasser ohne schlagkräftige Argumente für gutes Geld an den Mann zu bringen, funktioniert nicht“, gibt der deutsche Verkaufsexperte und Buchautor Bernhard Platzer zu bedenken.

Wie wichtig der Marketinggag gerade beim …

phpNTrTZq…Thema Wasser ist, weiß der langjährige Leiter des Instituts für Lebensmittelhygiene, der Österreicher Karl Hellemann. „Das beste Wasser kommt noch immer aus der Leitung“, sagt er. Zugänglich für jedermann und somit für den hochpreisigen Verkauf trotz hoher Qualität ungeeignet. Der Mediziner unterzog 18 Mineralwässer sogar einer peniblen Laboruntersuchung, die seine Einschätzung bestätigt. Mit griffigen Schlagwörtern wie „belebend“, „kristallklar“ oder „mit der Kraft des Vollmondes“ werden die Preise der Wässer hoch gehalten, die meisten der Edelwässer halten jedoch nicht, was sie auf dem Etikett versprechen. Das Magazin „GourmetReise“ veröffentlichte die Ergebnisse der Untersuchung: Angegebene Mengen von Spurenelementen und Mineralien werden großteils um ein Vielfaches unterschritten.

„Dem Kunden ist das egal“, sagt der Verkaufsexperte. „Wir leben in einer Markengesellschaft. Man muss den schlechten Geschmack nur gut verkaufen.“

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"Edle Häuser und edle Wässer passen zusammen. Man darf die Preise dafür aber nicht zu hoch hinauftreiben."
Ondrej Kovar Chefsommelier im Schloss Velden

>> Watergate

Der Etikettenschwindel

Labortest: Das Magazin „GourmetReise“ ließ von der akkreditierten Prüf- und Überwachungsstelle b.a.r.b.a.r.a mit Sitz in Leoben 18 Mineralwässer* untersuchen und kam zu einem eindeutigen Ergebnis: Die gemessenen Werte von Mineralien und Spurenelementen schwanken im Vergleich zu den Angaben auf den Etiketten im Schnitt um mehr als 50 Prozent.

Die Extremausreißer: Das „Natürliche Mineralwasser aus der Schönborn-Quelle“ sollte laut Warenkennzeichnung 21,7 Milligramm Magnesium pro Liter beinhalten. Tatsächlich waren es laut „GourmetReise“ nur 8,04 Milligramm; also weit unter der Hälfte (37,05 Prozent) der angegebenen Menge. Auch das „Astoria prickelnd“, das als reichhaltig an Kalzium gilt, erreichte die ausgewiesenen 209 Milligramm Kalzium pro Liter ebenfalls bei Weitem nicht. 133 Milligramm wurden gemessen. Nicht einmal zwei Drittel der „versprochenen“ Menge. Nur 2 der 18 Mineralwässer übertreffen die angegebenen Werte von Magnesium und Kalzium.

Merkwürdige Ähnlichkeiten: Einige Wässer sind von der Zusammensetzung so ident, dass man meinen könnte, es seien dieselben. Unterschiede zeigen sich jedoch nur im Namen und im Preis. „Ob ein Mineralwasser günstig oder teuer ist, lässt laut unseren Proben keine Rückschlüsse auf die Qualität zu“, sagt der Mediziner Karl Hellemann.

*Astoria prickelnd, Altmühltaler Classic, Mineralwasser Classic aus der Schönborn-Quelle, Saskia Classic Quelle Leißling, Saskia Natur Quelle, Astoria prickelnd, Styrianquelle Classic, Vitaquelle prickelnd, Goccia di Carnia, Elitess Astoria Classic, Baruther Johannesbrunnen Classic, Clausbachbrunnen spritzig, Cape Grim, bling, Sei Drink Water, Lunaqua, Fiji Artesian Water, One Litre.

Durchgeführt wurde die Verkostung von: Verkostungsleiter Andreas Rosenberger (Dipl.-Sommelier, c+c pfeiffer), Ondrej Kovar (Maître d’Hotel, Chefsommelier, Schloss Velden), Andreas Neuwirth (Wasserexperte, Supervisor, Le Méridien, Wien), Anna Schachner (Dipl.-Sommelière), Klaus Dolleschall (Dipl.-Sommelier), Anton Assegger (Sommelier), Michael Egger (Dipl.-Sommelier), Rudolf Fink (Dipl.-Sommelier), Werner Ringhofer (Chefredakteur, ROLLING PIN).
Wertungsmodus: Bewertung von 0 bis 10, optimale Wertung wäre 10, die Gesamtpunkteanzahl ergibt sich aus der Addition der Wertungen aller Juroren.
Preisangaben der Wässer beziehen sich auf Circapreise im Handel.

>> Prickelnd

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1 Voss Sparkling 68,5 Punkte
Norwegen, 0,375 l, 2,20 Euro
Neutrales Aroma, gute Perlage, angenehm und klar, ausgewogen und neutral am Gaumen. Sehr trinkfreudig.

2 Apollinaris Classic 58 Punkte
Deutschland, 1 l, 0,55 Euro
Neutrales Bouquet, mineralisch, salzig, gute Kohlensäurestruktur, klar und angenehm zu trinken.

2 Waiwera Infinity 58 Punkte
Neuseeland, 1 l, 8,50 Euro
Leichter Parfümduft, gute Perlage, erinnert etwas an Schnee. Leichter Eisenton, mineralisch und neutraler Abgang.

4 Perrier 52,5 Punkte
Frankreich, 0,2 l, 0,48 Euro
Leichter Chlortouch mit einem süßlichen Anklang. Intensive, feine Kohlensäure, leicht trinkbar.

5 Gasteiner 47 Punkte
Österreich, 1,5 l, 0,43 Euro
Neutrales Aroma, erfrischend und leicht prickelnd, sehr weich und harmonisch am Gaumen.

6 Adelholzner 45 Punkte
Deutschland, 1 l, 0,58 Euro
Neutrales Aroma, kräftiger Gaumen, mineralisch, Eisenton.

6 Frankenbrunnen 45 Punkte
Deutschland, 1 l, 0,54 Euro
Schöne CO2-Bildung, erfrischend lebendig mit dominanter Säure.

8 Vöslauer 44 Punkte
Österreich, 1,5 l, 0,26 Euro
Neutrales Aroma, angenehme Kohlensäure, positiver, ausgewogener Geschmack.

9 Krumbach 40 Punkte
Deutschland, 1 l, 0,64 Euro
Kräftige Perlage, Kohlensäure fast aggressiv, im Geschmack neutral.

10 Radenska 36,5 Punkte
Slowenien, 1,5, 0,40 Euro
Stahliges Aroma, sehr mineralische, salzige Noten.

11 Basinus 35,5 Punkte
Deutschland, 0,7 l, 0,14 Euro
Stark perlend, jodhältig, mineralisch, gut trinkbar.

12 Peterquelle 35 Punkte
Österreich, 1 l, 0,24 Euro
Wenig Aroma, flache Kohlensäure, säurehältig.

13 Markusquelle 34 Punkte
Österreich, 1,5 l, 0,39 Euro
Etwas wenig CO2, neutrale Perlage, erfrischend.

14 Frankenmarkter 33,5 Punkte
Deutschland, 1,5 l, 0,31 Euro
Hoher CO2-Gehalt, fruchtiger Beigeschmack.

15 Frische Brise 27,5 Punkte
Deutschland, 0,7 l, 0,12 Euro
Lebendige CO2-Struktur, ölig am Gaumen.

16 Ogo Sparkling 27 Punkte
Niederlande, 1 l, 12,50 Euro
Grobe Perlage, aggressive Kohlensäure, säuerlich.

17 Alpquell 23,5 Punkte
Österreich, 1,5 l, 0,39 Euro
Markant am Gaumen, etwas seifig.

18 San Pelegrino 22,5 Punkte
Italien, 0,75 l, 0,89 Euro
Mittlere Perlage, neutraler Geschmack, eher langweilig.

19 Veen 17 Punkte
Finnland, 690 ml, 7,90 Euro
Für ein prickelndes Wasser zu wenig Kohlensäure, daher ausdruckslos.

>> Still

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1 One Litre 78,5 Punkte
USA, 1 l, 4,90 Euro
Sehr rund mit einer erfrischenden Note, lebendig und süffig, mineralische Anklänge und dennoch klar und neutral im Geschmack.

2 Römerquelle still 69,5 Punkte
Österreich, 0,5 l, 0,34 Euro
Neutrales Aroma, weich und angenehm, mit guter Frische, vollmundig.

3 Gerolsteiner 62,5 Punkte
Deutschland, 1 l, 0,65 Euro
Mineralisch mit einem leichten, angenehmen Eisenton. Am Gaumen intensiv und frisch, guter Trinkfluss.

4 Vöslauer ohne 55 Punkte
Österreich, 1,5 l, 0,26 Euro
Dezenter Schwefel, am Gaumen vitalisierend, etwas salzig, erfrischend und anregend, dennoch mild.

5 Evian Lacroix 54,5 Punkte
Frankreich, 0,75 l, 9,90 Euro
Floraler Geruch, mineralisch-holziges Aroma, vollmundig, lang am Gaumen.

6 Püro 44,5 Punkte
Frankreich, 0,5 l, 29,50 Euro
Jod-Eisen-Duft, am Gaumen eher neutral, etwas langweilig.

7 Volvic 44 Punkte
Frankreich, 1,5 l, 0,88 Euro
Mineralisch salzig, etwas Eisen mit einem leichten Bitterton.

8 Weta Water still 43,5 Punkte
Neuseeland, 0,75 l, 8 Euro
Moos-Erdenton setzt sich im Geschmack fort.

8 10thousand BC 43,5 Punkte
Kanada, 0,75 l, 9,90 Euro
Eisen-Chlor-Aroma, weich, eher neutral am Gaumen.

10 Aqua Solan 40,5 Punkte
Spanien, 1 l, 5,90 Euro
Modrig, schal, wenig Ausdruck, Eisenton im Nachgeschmack.

11 Aqua Panna 40 Punkte
Italien, 0,75 l, 0,89 Euro
Leicht moosig, etwas aggressiv in der Nase, am Gaumen wenig Geschmack.

12 Seiwater 37,5 Punkte
USA, 0,5 l, 4,90 Euro
Chlorbouquet, langweilig und ausdruckslos am Gaumen.

13 Fiji 33,5 Punkte
Fidschi-Inseln, 0,5 l, 4,90 Euro
Säuerlich, schwefeliges Aroma, mineralisch und hart am Gaumen.

14 Fine 33 Punkte
Japan, 1 l, 4,90 Euro
Würzig, säuerliches Aroma, sämig im Geschmack, unangenehmer Bitterton.

15 Ogo still 29,5 Punkte
Niederlande, 1 l, 12,50 Euro
Störender Nebengeruch, schmeckt synthetisch.

16 Cape Grim 28,5 Punkte
Tasmanien, 0,75 l, 12,50 Euro
Synthetischer Ton, wie Plastik in der Nase, bitter und keine Frische.

17 bling h2O 27,5 Punkte
USA, 0,75 l, 49,50 Euro
Rauchiger Ton in der Nase, Lavagestein und leichtes Fischaroma, mineralisch.

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