F&B

Und heute spielen wir mal wieder Gott

Eine genetisch veränderte Kuh liefert Omega-3-Fettsäuren und Muttermilch.
November 13, 2015

Fotos: Shutterstock
Omega-3-Fettsäuren von einer genetisch veränderten Kuh

Er brauchte sieben Tage, formte und klatschte Urschlamm zusammen, sah, dass es gut war und überließ dann alles Weitere der Evolution. Die war so klug und machte, dass Schweine lecker schmecken, Hühner Eier legen, sich Schafswolle prima zu Pullovern verstricken lässt und Kühe Milch geben. Doch dann kam Xia Wu – und erfand die Fisch-Kuh. Die mongolische Wissenschaftlerin ist der Kopf des Wissenschaftsteams der Inner Mongolia University, die sich im Auftrag der Regierung durch reproduktive Biotechnologie an der Optimierung von Säugetieren versucht. Das letzte Projekt ist optisch glücklicherweise kein schuppiges Huftier, sondern hat den Frankenstein-Anteil in den Genen für die Milchproduktion versteckt und soll nun künftig Milch mit „gesunden“ Omega-3-Fettsäuren produzieren, die sonst vor allem im Fischöl vorkommen…

Fotos: Shutterstock
Omega-3-Fettsäuren von einer genetisch veränderten Kuh

Er brauchte sieben Tage, formte und klatschte Urschlamm zusammen, sah, dass es gut war und überließ dann alles Weitere der Evolution. Die war so klug und machte, dass Schweine lecker schmecken, Hühner Eier legen, sich Schafswolle prima zu Pullovern verstricken lässt und Kühe Milch geben. Doch dann kam Xia Wu – und erfand die Fisch-Kuh. Die mongolische Wissenschaftlerin ist der Kopf des Wissenschaftsteams der Inner Mongolia University, die sich im Auftrag der Regierung durch reproduktive Biotechnologie an der Optimierung von Säugetieren versucht. Das letzte Projekt ist optisch glücklicherweise kein schuppiges Huftier, sondern hat den Frankenstein-Anteil in den Genen für die Milchproduktion versteckt und soll nun künftig Milch mit „gesunden“ Omega-3-Fettsäuren produzieren, die sonst vor allem im Fischöl vorkommen.

Dazu wurden in den ersten Wochen des Entwicklungsstadiums der Versuchs-Kuh Gene eines Bakteriums eingespritzt, deren Aktivität es ermöglicht, den Anteil der Omega-3-Fettsäuren in der Milch maßgeblich zu erhöhen. In der Zeitrechnung vor den Mongolen war dies nur durch eine spezielle Zufütterung möglich und das mit bei Weitem geringeren Auswirkungen. Kollegen am selben Institut schufen ein Kalb, das künftig laktosearme Milch liefern soll. Geht es nach dem Forschungsautor Zhou Huanmin, könnte diese Milch in fünf Jahren in den Handel kommen. Noch ein bisschen skurriler: Eine chinesische und eine argentinische Forschergruppe haben durch Einpflanzung menschlicher Gene in Kühen eine Kuhmilch elaboriert, die zwei Proteine der menschlichen Muttermilch enthält.

Technisch sind wir also so weit, Gott zu spielen. Fein. Und auf den ersten (verklärten) Blick auch vernünftig. Omega-3-Fettsäuren sind essenziell und es könnten erstens die Menschen gesünder werden und zweitens müsste man die Meere nicht mehr so radikal leer fischen. Frauen, die ihre Kinder nicht stillen können, bekommen eine Alternative geboten. Laktoseintolerante Menschen freuen sich einfach, dass sie keine Sojamilch mehr trinken müssen.

Das Prinzip der Gentechnik ist so alt wie das Leben selbst und nicht per se böse, sondern ein von der Natur entwickeltes Prinzip zur Anpassung, das in den meisten Fällen zur Verbesserung führt. Sonst starb man früher einfach aus. Darwin nannte das sehr schön und noch nicht nazibeschmiert „Das Überleben des Stärkeren“. Ohne Genveränderung könnten sich Regionalverfechter auch nicht an den spezifischen Eigenschaften ihrer hiesigen Schafe, Tomaten und Co. erfreuen. Wobei die meisten davon auch nur durch die willentliche Kreuzung durch den Menschen entstanden sind. Damals eben nicht in der Petrischale, sondern mit Pinzette und Taschentuch oder geschickt eingefädeltem Samenraub.

Doch was die Wissenschaft in Auftrag der Verbesserung der (ökonomischen) Welt nun macht, ist die Umkehrung der Evolution. Während wir immer fetter statt fitter werden, spitzen wir unsere Umwelt auf unsere Bedürfnisse zu, ohne die Folgen absehen zu können, da mit der Veränderung eines Proteins auch andere umgepolt werden. Diese aber in einer nicht nachvollziehbaren und planbaren Weise.

Abgesehen von der hohen Fehlgeburtenrate der Versuchstiere, den vermehrten und unbeabsichtigten Antibiotika-Resistenzen, ist das Hauptproblem, dass wir nämlich eigentlich keine Ahnung haben, wo das hinführen soll. Und technisch gesehen ist da noch eine Menge Luft nach oben und Platz genug für Kollateralschäden. Die eierlegende Wollmilchsau ist beispielsweise noch nicht erfunden – und dann ist da immer noch die Frage: Würden Sie gerne Milch von einer Fisch-Kuh in Ihrem Restaurant verwenden?

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