Ausgabe 103, Porträts

Marketingstrategie Showman

TV-Star & Sternekoch Frank Rosin – sein Erfolgsgeheimnis: Wie er jede Woche bis zu 7 Millionen Menschen vor die TV-Geräte holt und warum sein Restaurant den Gewinn jedes Jahr um bis zu 50 Prozent steigert.

Fotos: Christian Nienhaus, Jo Kirchherr/Köln
TV-Star & Sternekoch Frank Rosin
Provokationen: Frank Rosin nützt die Inszenierung im TV als Marketingtool für sein Restaurant.

ROLLING PIN: In vier Monaten feiern Sie das 20-Jahre-Jubiläum Ihres Restaurants „Rosin“. Ein selten gewordenes Phänomen in der Branche. Warum haben Sie es geschafft, sich zu etablieren, während andere scheitern?
FRANK ROSIN: Jede Ware ist nur so gut, wie ich sie verkaufen kann. Dass es mit In-der-Küche-Stehen und darauf warten, dass ein Gast kommt, nicht funktioniert, war mir von Anfang an klar. Ich bin kein angestellter Koch eines großen Konzerns oder der Protegé eines Sponsors, sondern habe ein Profitcenter und will damit auch Geld verdienen. Somit war klar, dass gut eingesetztes Marketing der einzige Weg zum Erfolg ist. Denn am Ende des Monats muss man seine Zahlen schreiben und sich nicht nur über die Kunst des Kochens Gedanken machen.

RP: Wie sieht Ihr Marketingkonzept aus?
ROSIN: Ich habe aus meinem Namen eine Marke kreiert. Aus einer Garage mit Gardinen hat sich ein in der Branche führendes Vorzeigerestaurant entwickelt, das gänzlich ohne weiße Kieseinfahrt und goldenes Eingangstor funktioniert. Authentizität, Emotionalisierung und das richtige Team sind dabei die Eckpfeiler meines Erfolges.

RP: Große Worte, doch was steckt dahinter?
ROSIN: In Zahlen gesprochen: Seit 9 Jahren machen wir jedes Jahr zwischen 30 und 50 Prozent mehr Gewinn. Der erste Weg muss immer der zu sozialer Kompetenz hin sein. Wer es in der Gastronomie nicht schafft, sich um seine Mitarbeiter zu kümmern, wird langfristig nicht gegen die Konkurrenz ankommen. Die Gastro, in der die Menschen angeschrien werden, gibt es nicht mehr. Man hat es mit einer hochsensiblen und niveauvollen Berufssparte zu tun, in der letztendlich die gastronomische und fachliche Leistung im selben Maße wie die sozialen Kompetenzen eine große Rolle spielen. Ich habe vor zehn Jahren begonnen, mein Team aufzubauen, und versuche seitdem, den Unternehmer im Unternehmer herauszukitzeln und das zu fördern.



RP: Konkret bedeutet das?
ROSIN: Angestellte in einer leitenden Position sind an der Sache aufwandsbeteiligt und wir zahlen bis zu 22 Prozent übertarifliche Löhne. Dadurch hat jeder Mitarbeiter Interesse, dass die Firma läuft, da er selbst die Firma ist. Zudem versuche ich über private Probleme zu sprechen und diese so zu verändern, dass der Mitarbeiter gestärkt und in Ruhe seiner Arbeit nachgehen kann. Dieses System hat dazu geführt, dass in meinem Restaurant eine besondere Aura herrscht, die Stimmung und die Ausstrahlung sind etwas ganz Besonderes und somit ist gerade unser Service eine starke Komponente, die die Gäste anspricht. Und schließlich ist es das Geld dieser, das es mir erlaubt, meine Ideen und Konzepte umzusetzen.

RP: Teamführung ist also eine Säule Ihres Marketings, doch wie wichtig ist Außen-PR?
ROSIN: Kochbücher und TV-Shows sind ein wertvolles Tool, um sich in der gastronomischen Landschaft bemerkbar zu machen. Ob ich zu den besten TV-Köchen gehöre, kann ich nicht beurteilen. Ich habe jede Woche 6 bis 7 Millionen Zuschauer, etwas müssen wir also richtig machen. Und ich finde, es gibt keine bessere Werbung als TV-Präsenz. Die eigentliche Frage ist also: Welches Marketingkonstrukt, welche Alternative wird es zukünftig geben? Die Antwort ist: keine. Dazu sollte man aber verstehen, dass Kochen im Fernsehen einen starken Unterhaltungswert haben muss, ansonsten schaltet der Zuschauer weiter. Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler.

„Jede Woche 6 bis 7 Millionen Zuschauer!
Wir machen also irgendwas richtig.“



RP: Und schmeckt er?
ROSIN: Mein Restaurant ist jeden Tag voll, ich habe zig Rezeptanfragen diverser Magazine – ich denke also ja. Doch erlauben Sie mir noch einen Satz zu meiner Mitarbeiterführung.

RP: Ja?
ROSIN: Ich muss meinen Mitarbeitern beibringen, dass man, egal, welche Kunst man macht, damit Geld verdienen muss. Wenn ein junger Koch oder ein Auszubildender jemanden zum Vorbild hat, der zwar hinter dem Herd top ist, doch schlechte Zahlen schreibt, kann dieser kein gutes Vorbild sein. Denn was nutzt uns im Leben brotlose Kunst? Am Ende muss trotz aller Kunst und trotz aller Dinge, die mit Niveau und mit Topleistung zu tun haben, Geld verdient werden.

RP: Wen schlagen Sie als Vorbild vor?
ROSIN: Heinz Winkler, Steffen Henssler oder Frank Buchholz. Das sind richtige Unternehmer, das sind die Rollenvorbilder für die Gastronomen der Zukunft. Wer sich heute nicht als moderner Unternehmer aufstellt, wird es nicht schaffen. Und, für einen Gönner seine Privatkantine zu bekochen und das als Gewerbe darzustellen, kann nicht die Zukunft der Branche sein.



Rehrücken im Wirsingmantel



>> Rezept für 4 Personen:

 


500 g Rehrücken, ohne Knochen

2 EL Olivenöl

Salz

Pfeffer, frisch gemahlen

Gewürzmischung für Wildgerichte

200 g Hähnchenfleisch, gewürfelt

125 g Sahne

2 Wirsingblätter, blanchiert





Rehrücken im Wirsingmantel:

Zubereitung:

Rehrücken: Den Rehrücken von Sehnen befreien und in einer heißen Pfanne im Olivenöl von allen Seiten kurz anbraten. Das Fleisch mit Salz und Wildgewürzen abschmecken.

Das Hähnchenfleisch zusammen mit der Sahne, Salz und Pfeffer zu einer Farce verarbeiten.

Die Wirsingblätter auf Klarsichtfolie in der Länge sowie 3-fachen Breite des Rückens auslegen, gleichmäßig 5 Millimeter dick mit Farce bestreichen und den Rücken darin einrollen. Diese Rolle noch einmal in Alufolie wickeln und in einem Dampfgarer bei 80°C für etwa 15 Minuten dämpfen.

Nach dem Garen den Rehrücken im Wirsingmantel aus Alu- und Frischhaltefolie auspacken, beide Enden abschneiden und das Mittelstück in vier gleich große Scheiben teilen.



Das Gesamtkonzept Frank Rosin - Zwischen Bodenständigkeit, TV und Michelin-Sternen

>> Kontakt


Restaurant Rosin

Hervester Straße 18

D-46286 Dorsten-Wulfen


Tel.: +49 (0) 23 69/43 22

www.frankrosin.de




17. Juli 1966 in Dorsten in Nordrhein-Westfalen geboren, war für Frank Rosin schon mit 15 Jahren klar, dass er Koch wird und einen Porsche fahren werde. Beides hat sich bewahrheitet, allerdings mit kleinen Abweichungen: Rosin ist neben seinem Beruf als Gastronom Unternehmer, TV-Koch und baut gerade sein Cateringkonzept neu aus. Und statt Porsche fährt er nun einen Astin Martin.

Nach seiner Lehre bei Harald Schroer im Restaurant „Kaiserau“ und Wanderjahren in Kalifornien und Spanien eröffnete Rosin sein Restaurant „Rosin“ 1998 in Gelsenkirchen.

Heute steht das Restaurant in seiner Heimatstadt Dorsten, ist mit einem Michelin-Stern bedacht und Rosin beschäftigt in seinem Unternehmen ein Kernteam von 20 Mitarbeitern. Darunter auch Großkaliber der Branche wie seine Chef-Sommelière Susanne Spies.

15.11.2010