Ausgabe 124, Kolumne

Die Chefredakteurin - Political Verwirrtheit

Katharina Wolschner, die ROLLING PIN-Chefredakteurin, schreibt über jene Themen, die die Branche bewegen.


Katharina WolschnerHilfe, ich bin ein Rassist! Ganz offiziell anscheinend. Glücklicherweise ein wahlloser, denn ich bin gegen Roma, Afrikaner und wahrscheinlich auch Schweizer. Gut, dass mich nun der Fachverband der Österreichischen Gastronomie und SOS Mitmensch darauf hingewiesen haben. Denn ich gehöre zu denjenigen, die bis dato munter Süßspeisen wie „Mohr im Hemd“ mit einem „kleinen Braunen“ bestellt haben.

Und das ist böse. Ganz böse. Weil diskriminierend. Nun gibt es eine Initiative, die genau diese Wörter auf einen Pfui-Codex setzt und „die Gastronomen in Zukunft ersucht, auf verletzende Speise- und Getränkebezeichnungen wie ‚Zigeunerschnitzel‘ zu verzichten“. Also darf ich von heute an keinen „kleinen Braunen“ – geschweige denn einen „großen Braunen“! – oder in Deutschland auch keinen „Negerkuss“ mehr bestellen.

Aber das mit dieser Liste ist ja viel vertrackter als gedacht, denn ist dann nicht auch ein Berner Würschtl verletzend? Denn ein Würschtl ist im Österreichischen ja auch nicht die netteste Bezeichnung für einen etwas einfältigen (Eid-)Genossen. Und fühlen sich die Berner jetzt wegen mir schlecht?

Und wenn ich einen Fiaker bestelle, also einen großen Mokka im Glas mit viel Zucker und Rum, unterstelle ich damit allen Kutschern dieser Welt, dass sie Spiegeltrinker und potenziell Diabetes-Typ-II-gefährdet sind?
Wer darauf eine Antwort hat, der möge mir bitte schnell schreiben!

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katharina.wolschner(at)rollingpin.eu

14.11.2015