Ausgabe 127, Porträts

My name is Claude

London gilt als das härteste kulinarische Pflaster der Welt. Wie sich der Franzose Claude Bosi binnen der letzten vier Jahre zur absoluten Pflichtadresse gekocht hat.

Fotos: Hibiscus / Rob Whitrow
Franzose Claude Bosi

Sieht man von einigen wenigen Spitzenköchen und zugereisten Kochlegenden wie Alain Ducasse ab, ist England international ja nicht unbedingt für seine kulinarischen Genüsse bekannt. Würden nicht TV-Suppenkasper wie Jamie Oliver oder Gordon Ramsay alle naselang ihre Kochlöffel durch diverse Medien schwingen, wäre die Reputation, zumindest was englische Essgewohnheiten angeht, wahrlich katastrophal. Und dann gibt es Typen wie Claude Bosi. Kein Molekular-Hexer à la Heston Blumenthal, sondern ein Down-to-earth-Produktfanatiker, der als gebürtiger Franzose den Londoner Gourmet-Groupies das serviert, was die Natur gerade abwirft. Und das kommt an. Genau wie seine markigen Sprüche: „Glaubt nicht an Molekularküche. Es ist doch nur kochen.

Geile Produkte, versiertes Handwerk, Talent und viel Kreativität. That’s it!“ Und diese Eigenschaften besitzt der in Lyon geborene Spitzenkoch ohne Zweifel. Dramatisch, mutig und doch elegant, so bezeichnet der 39-Jährige seinen Küchenstil und erntet dafür seit fast zehn Jahren jährlich zwei Michelin-Sterne. Seine kulinarische Ausnahmekarriere hat Bosi in einer kleinen Brasserie in Lyon gestartet. Danach wechselte er in die französische Hauptstadt in das 2-Sterne-Restaurant Monsieur Michel Rostang und danach weiter zu seiner wohl wichtigsten Station bei Alain Passard. Auch bei Alain Ducasse durfte er eine Zeit lang in die Kochtöpfe blicken und weil der abenteuerlustige Chef sich nach dieser prägenden Zeit mehr als bereit fühlte und sich der beinharten Challenge Londons stellen wollte, wechselte er bald darauf in die englische Metropole. Sein hochdekoriertes Restaurant Hibiscus eröffnete Bosi im Jahr 2000 allerdings an der Grenze zu Wales in Ludlow. Erst sieben Jahre später zog er mit Sack und Pack nach London, wo er bis dato eine der besten Lokalitäten Englands betreibt.

28 Leute, 14 davon in der Küche, unterstützen Claude Bosi bei seiner tagtäglichen Ambition, Gästen einen unvergesslichen Abend zu bereiten. Knapp 50 Personen finden im Hibiscus Platz, sofern man einen Sitz ergattert, denn...

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14.11.2015