Ausgabe 134, Porträts

Reines Herzblut

Der Hahn ist tot, das Täubchen auch, und hoch lebe die Dekonstruktion. Im Bandol sur Mer Tickt die Uhr anders. Oder, wenn man es genau nimmt, eigentlich gar nicht mehr.

Andreas SaulFotos: Wolfgang Hummer

Das SED Zentralkomitee hätte der Weiterverwendung seines Inventars nicht zugestimmt. Hat aber nichts mehr zu sagen und deswegen hängen dessen Oberschränke nun in der ersten Dönerbude von Berlin-Mitte. Die ist allerdings nun ein französisches Gourmetrestaurant mit einem ausgestopften Hahn über dem ehemaligen Tresen und einem schrägen Vogel dahinter. Sein Name: Andreas Saul. Der Hahn hat keinen. Ziegenbart, Tattoos, Piercings in Personalunion mit einem Faible für Gänseleber, Nouvelle Cuisine und filigrane Anrichtetechnik. Ein respektabler Vertreter der gehobenen Küche in Military-Baggy-Hosen und schwarzem T-Shirt. Das kneift sich? Stimmt. Ist aber egal, weil es Andreas und seine Jungs Robert und Dominik sowieso nicht interessiert, was die anderen über sie denken. Das Küchenteam aus der Berliner Torstraße 167 probt nicht die Anarchie, sondern lebt sie. Und erntet dafür Applaus...

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14.11.2015