Ausgabe 014, Bewerbungstipps

Die perfekte Bewerbung

Teil 2: Das Bewerbungsgespräch


eine Frau sitzt in einem Konferenzraum voller Unterlagen auf dem Tisch mit einem Kugelschreiber in der Hand Diesmal keine Absage bekommen? Sogar zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen worden? Und was nun? Nach dem Bewerbungsschreiben stellt das Bewerbungsgespräch die zweite Hürde auf dem Weg zum ersehnten Job dar. Vielmehr noch als zum Austausch von Informationen dient es zum Kennenlernen der Persönlichkeitsstruktur und zur Beurteilung der persönlichen Stärken und Schwächen des Bewerbers. Deshalb sollte man gut auf das Bewerbungsgespräch vorbereitet sein!

DER GROßE AUFTRITT

Nun ist es also so weit: Man sitzt im Warteraum und harrt der Dinge, die da kommen. Eine gewisse Nervosität ist verständlich, man kann diese aber umso geringer halten, je besser man für das Gespräch gewappnet ist. Oft treten bei Vorstellungsgesprächen Mängel wie unpünktliches Erscheinen, unpassende Kleidung, fehlende Unterlagen oder mangelhaftes Wissen über das Unternehmen zu Tage. Solche und ähnliche Fehler werden von Personalchefs generell nicht toleriert.

 

  • Das pünktliche Erscheinen: Pünktlichkeit ist eine unabdingbare Voraussetzung für den erfolgreichen Verlauf des Bewerbungsgespräches. Wenn Sie gehetzt, verschwitzt oder gar zu spät kommen, machen Sie von Anfang an einen schlech-ten Eindruck.
  • Die passende Kleidung: Das Outfit hängt stark von der Branche und der an-gestrebten Position ab. Angehende Animateure können salopper gekleidet sein als künftige Hotelmanager. Generell ist es ratsam, eher formelle und elegante Kleidung zu wählen. Probieren Sie die gewählte Kleidung be-reits am Vortag an, um Überraschungen zu vermeiden. Ein gepflegtes Äußeres sollte selbstverständlich sein. Damen sollten sich nicht zu stark schminken, ein Parfum mit sehr dominanter Duftnote sollte ebenso vermieden werden wie eine zu aufdringliche Farbe des Nagellackes.
  • Die Bewerbungsunterlagen: Zum Vorstellungsgespräch sind sämtli-che Bewerbungsunterlagen mitzubringen, auch wenn das Unternehmen diese Do-kumente bereits hat. Dies gilt vor allem für Unterlagen, die Sie zuvor in Kopie verschickt haben. Die Unterlagen nur auf Verlangen – dann aber als Original – vorlegen.
  • Die Informationen über die Firma: Vor jedem Vorstellungsgespräch sollten Sie sich ausführlich über das Unterneh-men informieren. Als Informationsquellen können Broschüren, Zeitungstexte und die firmeneigene Website dienen.

 

Hier noch ein paar zusätzliche Tipps:

 

  • Kalkulieren Sie die Wegzeit großzügig. Bedenken Sie auch die Gefahr von Staus, Fahrplanverzögerungen oder langer Parkplatzsuche.
  • Überprüfen Sie Ihre Kleidung während des Wartens auf etwaige frische Verunreinigungen, checken Sie nochmals Frisur und Make-up!
  • Prägen Sie sich nochmals den Namen Ihres Ansprechpartners ein und sprechen Sie ihn mit diesem korrekt an!
  • Begegnen Sie potentiellen Kollegen schon jetzt mit Höflichkeit und Freundlichkeit. Manchmal werden auch diese von den Personalchefs nach ihrer Meinung gefragt!

 

DER IDEALE ABLAUF

Das Vorstellungsgespräch dient in erster Linie dazu, den Bewerber näher kennen zu lernen, einen Eindruck von seinem Äußeren, seinem Verhalten und seinen Ansichten zu gewinnen. In den ersten paar Minuten bildet man sich ein Bild vom Gegenüber. Über 90 Prozent dieses Eindruckes wird vom körperlichen Verhalten, also von Körperhaltung, Gestik, Mimik und Blickkontakt, bestimmt. Damit man gleich von Beginn an seine Chancen bestmöglich nutzt, sollte man „eine gute Figur“ machen.

Der Personalchef stellt sich im Interview die Frage, ob der Bewerber von seiner Persönlichkeit her in das Unternehmen bzw. in das Team passen könnte. Um das herauszufinden, wird dieser mit bestimmten Fragen konfrontiert – die häufigsten sind im Kasten angeführt. Hierzu sollte man gute Antworten parat haben!
Das leidige Thema der „Gehaltsvorstellungen“ wird meistens dem Bewerber zugespielt. Hier sollte man sein bisheriges Einkommen angeben und sich nach dem entsprechenden Gehaltsschema im Betrieb erkundigen. Ist dieses niedriger, kann man ohne weiteres seine Vorstellungen bekannt geben. Grundsätzlich gilt: Je länger ein Bewerbungsgespräch dauert, desto besser darf seine Qualität eingestuft werden.

Hier ein paar Tipps zum Verhalten:

 

  • Begrüßen Sie den Gesprächspartner mit einem deutlichen Händedruck und einer klar formulierten Grußformel. Es ist absolut notwendig, bei der Begrüßung Blickkontakt herzustellen.
  • Schauen Sie Ihrem Ge-genüber auch während des ganzen Gesprächs in die Augen. Blickkontakt signalisiert Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Lächeln Sie freundlich – das deutet auf eine positive Grundstimmung hin und weckt Sympathien.
  • Lassen Sie den Unternehmensvertreter mit der Konversation beginnen. Seien Sie nicht voreilig und übereifrig!
  • Nehmen Sie eine aufrechte Sitzposition ein, in der Sie sich wohl fühlen. Wer ver-krampft beim Vorstellungsgespräch sitzt, wirkt wenig kommunikativ. Wer sich ein wenig nach vorne lehnt, signalisiert besonderes Interesse. Lehnt man sich dagegen besonders lässig zurück, so impliziert das oft Arroganz.
  • Wer Hände zeigt, ist bereit zu han-deln. Unbewegte oder verschränkte Hän-de werden als Barrieren verstanden und deuten auf Unsicherheit hin. Verwirren Sie Ihr Gegenüber nicht, indem Sie zwei Hände zur Darstellung verwenden. Man kann nur einer Bewegung folgen. Halten Sie die zweite Hand ruhig. Zeigen Sie, dass Sie nichts zu verbergen haben und sorgen Sie dafür, dass Ihre Hände (wenn möglich mit offenen Handflächen, was ehrlich und aufrichtig wirkt) im Blickfeld bleiben.
  • Vermeiden Sie überschwängliche Gesten – diese wirken unseriös. Spielen Sie nicht mit Kugelschreiber, Brille oder Schmuck herum: Auch wenn Sie nervös sind, muss man das nicht gleich sehen! Rauchen während des Gesprächs ist absolut tabu!
  • Setzen die Antworten punktiert ein. Schweifen Sie nicht zu sehr ab, geben Sie möglichst präzise Antworten! Keine Antwort sollte länger als 2 Minuten dauern!

 

eine Frau und ein Mann unterhalten sich in einem Büro STÄRKEN, SCHWÄCHEN UND TABUS

Man sollte niemals vergessen, dass man nicht als Bittsteller zum Bewerbungsgespräch kommt, sondern als jemand, der seine Leistung anbietet und „bewirbt“. Man sollte daher nach Gleichberechtigung im Gespräch trachten und einen Mittelweg zwischen Unterwürfigkeit und Überheblichkeit finden.

Die Beurteilung Ihrer Stärken und Schwächen obliegt einzig und allein dem Zuhörer. Was für Sie als Stärke erscheint, kann sich für die angestrebte Position als Schwäche erweisen und umgekehrt. Versuchen Sie, Ihre Stärken in Hinblick auf diese konkrete Position hervorzuheben!

Es gibt Fragen, die der Personalchef nicht zu stellen berechtigt ist: Dazu gehören die Themen Familienplanung, einstige Krankheiten, Vermögensverhältnisse, aber auch politische Orientierung oder gewerkschaftliche Betätigung. Wird dennoch eine Frage in diese Richtung gestellt, so ist es im Sinne eines guten Gesprächsklimas besser, mit einer höflichen und fantasievollen Antwort zu kontern als mit einer Verweigerung der Aussage oder gar mit einer Zurechtweisung.

Sehr wohl sollten Sie das Angebot, selbst Fragen zu stellen, in Anspruch neh-men, da Sie dadurch als Bewerber Ihr Interesse am Unternehmen und an der Tätigkeit unterstreichen. Geeignete, im Gesprächsverlauf noch nicht geklärte Fragen, können sich etwa auf offene Punkte der Stellen- und Aufgabenbeschreibung, eine genauere Beschreibung der Arbeitsrahmenbedingungen, Entwicklungsmöglichkeiten (Weiterbildung) oder die Stellung innerhalb der Firmenhierarchie beziehen.

Ein Punkt, den man auf jeden Fall vor Ende des Gesprächs klären sollte, ist das weitere Vorgehen. Sie sollten konkret fragen, bis wann Sie Bescheid bekommen werden. Erst wenn dieser Zeitraum abgelaufen ist, ohne dass Sie verständigt wurden, können Sie sich telefonisch nach dem weiteren Verlauf der Bewerbung erkundigen.
Zerstören sie den positiven Eindruck nicht im letzten Augenblick – verabschieden sie sich mit einem freundlichen Lächeln und verleihen Sie Ihrer Erleichterung darüber, dass alles vorbei ist, erst außer Haus Ausdruck!

DIE NACHBEARBEITUNG

Sollten Sie zwei Wochen nach dem Bewerbungsgespräch noch keine Antwort bekommen haben, so sollten Sie selbst nachfragen. Überlegen Sie sich allerdings vor dem Anruf, wie das Telefonat ablaufen soll: Zeigen Sie Interesse und Selbstbewusstsein, verbauen Sie sich aber nicht noch vorhandene Chancen, indem Sie unfreundlich oder beleidigt klingen!

Falls Sie eine Absage bekommen, ersuchen Sie den Personalchef um ein kurzes Feed-back um die Gründe für diese Entscheidung zu eruieren. Diese Informationen sollten Sie für sich auswerten, um künftige Fehler zu vermeiden und die gewonnenen Erkenntnisse Gewinn bringend in die nächste Bewerbung und ins nächste Gespräch einzubringen.

Für das Bewerbungsgespräch gilt dasselbe wie für das Bewerbungsschreiben: Machen Sie sich klar, dass Sie auch Absagen bekommen werden. Seien Sie nicht gleich entmutigt – vielleicht wartet eine bessere Stelle auf Sie!

Die Fragen des Profis

FRAGEN ZUM UNTERNEHMEN:

 

  • Warum haben Sie sich gerade bei unserer Firma beworben?
  • Was hat Sie an der Stellenausschreibung besonders angesprochen?
  • Welche Tätigkeiten haben Sie sich bei uns vorgestellt?
  • Was wissen Sie über unser Unternehmen?
  • Woher kennen Sie unser Unternehmen?
  • Kennen Sie unsere Mitbewerber?

 

FRAGEN ZUM BEWERBER:
 

  • Stellen Sie sich bitte kurz vor!
  • Was waren Ihre Motive bei der Wahl von Ausbildung und Beruf?
  • Welcher Beruf käme für Sie noch infrage?
  • Was waren Ihre Lieblingsfächer in der Schule? Was fiel Ihnen am schwersten?
  • Warum haben Sie die Schulausbildung abgebrochen?
  • Warum wurde das Arbeitsverhältnis bei der Firma X beendet?
  • Was hat Ihnen an der Tätigkeit bei der Firma X ge- oder missfallen?
  • Welche persönlichen Zukunftspläne haben Sie?
  • Was wollen Sie in 3, 5 und 10 Jahren erreicht haben?
  • Was hätten Sie in Ihrem bisherigen Leben gerne anders gemacht?
  • Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
  • Welche Hobbys und Interessen haben Sie?
  • Welche Sportarten betreiben Sie?

 


FRAGEN ZU FUNKTION UND QUALIFIKATION:

 

  • Können wir uns in Englisch weiter unterhalten?
  • Zeigen Sie mir, wie man am Computer einen Serienbrief erstellt!
  • Führen Sie mit mir ein Reklamationsgespräch!
  • Was ist Ihnen im Verkaufsgespräch besonders wichtig?
  • Welche Kompetenzen zeichnen einen guten (Tätigkeitsbereich) aus?
  • Welche konkreten Erfahrungen haben Sie als (Tätigkeitsbereich)?
  • Wie würden Sie sich selbst charakterisieren?
  • Welche persönlichen Stärken und Schwächen besitzen Sie?
  • Welche Stärken oder Schwächen würden Freunde von Ihnen anführen?
  • Mit welchen Eigenschaften sind Sie an sich selbst unzufrieden?
  • Welche Charakterzüge muss man bei Ihnen in Kauf nehmen?
  • Wie gehen Sie mit Konflikten um?
  • Wie reagieren Sie auf Stress?

 

DIVERSES:

 

  • Wann könnten Sie bei uns anfangen?
  • Wie sehen Ihre Gehaltsvorstellungen aus?

 

 

 

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