Ausgabe 150, F&B Know-how

Rettet Mieze Schindler

Die geplante EU-Saatgutverordnung stoppt die Sortenvielfalt. Und lässt damit die Bauern und Köche an der langen Hand der industrie verkümmern. Und die kleine Erdbeere mieze wird es nicht mehr geben …

SortenvielfaltQuelle: Arche Noah, Global 2000 / adaptiert von „EU-Saatgutrecht: Die Perspektive der Zukunft“
Fotos: Werner Krug, shutterstock


Worüber definieren sich Köche seit Eckart Witzigmann? Über ihr Produkt. Und nun stellen Sie sich bitte Folgendes vor: In fünf Jahren werden Sie nur mehr die Wahl haben zwischen zehn Hybridtomatensorten, die alle nach nichts schmecken. Na, bleibt bei dieser Vorstellung ein bitterer Nachgeschmack? Gut. Denn der wird auch nicht verschwinden. Dieses Arten-Armageddon – gilt für Tomate, Marille, Gerste und alles andere, was aus einem Saatgut keimt – tritt ein, wenn die geplante EU-Saatgutverordnung in ihrer jetzigen Form beschlossen und umgesetzt wird.

Seit 2008 wird in Brüssel an dieser Neuregelung gebastelt, die dazu dienen soll, die zwölf EU-Richtlinien und deren Umsetzung in den nationalen Saatgutgesetzen zu ersetzen. Der erste Entwurf wurde im Mai 2013 präsentiert. Der Name: „Intelligentere Vorschriften für sicherere Lebensmittel“. Das Herzstück: eine verpflichtende Zulassung von Sorten und Untersuchung des Vermehrungsmaterials. Die Stoßrichtung: Industrielle, auf Produktivitätssteigerung ausgerichtete Landwirtschaft ist toll und wird gefördert – Hybridsorten sind ganz klasse. Das Problem: Alte Sorten und Raritäten, wie Mieze Schindler, die Rote Emma und Goldetta, werden...

HIER registrieren

14.11.2015