Ausgabe 151, Porträts

Ein Apostel ohne Heiligenschein

Essen ist Bart de Pooters Religion, die perfekte Menüabfolge seine zehn Gebote, die einzige Todsünde der Verzicht auf frische Produkte. Der Pilgerort für seine Anhänger: das Restaurant Pastorale.

Bart de Pooter
Fotos: Jarno Schurgers / Red Bull Hangar-7, Helge Kirchberger / Red Bull Hangar-7

Dass ein Pfarrhaus zu einem durchaus frivolen Ort der sündigen Verführungen wird, hatten die ehemaligen gottesfürchtigen Bewohner wohl nicht in ihren Gebetsbüchern stehen. Dass hier allerdings allabendlich ein leise gemurmeltes Halleluja durch das puristisch weiß gehaltene Ambiente und den modernen Kunst-installationen hallt, mag ihnen wiederum gefallen. Nun gut, dass es sich hierbei um die Beweihräucherung durchaus weltlicher Genüsse wie „Gegrillter Seezunge mit Topinambur, Maronen und weißem Trüffel“ handelt, sei an dieser Stelle mal unter die Kutten gekehrt.

Verantwortlich für das ehrfürchtige Geflüster ist Bart de Pooter, dem zwar so einiges heilig ist, der aber im Gegensatz zu dem Namen seines Restaurants Pastorale nur auf Convenience verzichtet. Zudem ist er weder eiserner Asket noch vehementer Heilsbringer einer unabrückbar-starren Küchenlinie. Was nicht heißt, dass de Pooter keinen ausgefeilten Plan hätte. Der lautet nämlich: „Absolute Perfektion ist Utopie. Aber im Rahmen meiner Möglichkeiten möchte ich meinen Gästen ein Erlebnis bieten. Was sie sehen und schmecken, soll eine Sensation sein, etwas Unerwartetes und Unkonventionelles. Denn nur so löst man Emotionen aus – und das ist es ja, worauf es bei gutem Essen ankommt.“

Eine Flutwelle von überschwänglichem Enthusiasmus schießt dabei aus de Pooter heraus. Denn über Essen an sich und Genuss im Speziellen zu sprechen, ist die absolute Lieblingsbeschäftigung des 2-Sterne-Kochs. Ob es sich dabei um sein Steckenpferd, das Dry Aged Beef, oder auch nur um die gemeine Gartenerdbeere handelt, ist in dem Fall wurst. Jedem Produkt wohnt ein Heiliger Geist inne, den es herauszukitzeln und in die bestmögliche Kombination zu bringen gilt. Und hier sprechen wir nicht nur vom Geschmack. Denn de Pooter ist Ästhet und ein klein wenig ein verkappter Architekt.

Diesen Gelüsten geht er...

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14.11.2015