Ausgabe 151, Management-Tipps

EU-Allergene-Ärger

Kleiner Auslöser, große Wirkung: Wie tolerant ist die neue Kennzeichnungspflicht für Allergene?

ToleranzschwelleFotos: Shutterstock, Wolfgang Hummer

Sie kommt, so wie alle ihre Verwandten aus dem fernen Belgien, recht unscheinbar daher. Sie nennt sich Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 des Europäischen Parlaments und des Rates über die Information der Verbraucher über Lebensmittel und tritt zu einem sehr großen Teil am 13. Dezember 2014 und zu einem etwas kleineren Teil am 13. Dezember 2016 in Kraft. Und sie ist eine wirklich schwierige Geliebte, lässt sie doch, bereits gut ein Jahr bevor sie überhaupt so richtig in Erscheinung tritt, die Wogen unter Gastronomen, Caterern, Kantinenbetreibern und Kleinproduzenten hochgehen. Denn die offiziell als Verbraucherinformation und -schutzbestrebungen der EU gelabelten neuen Regelungen – und hier insbesondere die Kennzeichnungspflicht von 14 Allergien und Unverträglichkeiten auslösenden Lebensmitteln – gelten ab Ende 2014 nicht nur mehr für verpackte, sondern auch für unverpackte Lebensmittel. Und genau an diesem Punkt wird die unscheinbare Kleine aus Brüssel auch für Gastronomen zu einer Herausforderung.

Denn wenn es nach ihr geht, dann sollten Speisekarten bald ebenso viele Fußnoten und Querverweise auf allergieauslösende Inhaltsstoffe beinhalten wie eine durchschnittliche Seminararbeit an der Uni. Jedes unverpackte Pralinchen, jedes Brötchen, das man bei Bäcker oder Lieferanten in die Tüte steckt, braucht ein Informationsblatt, das über die Inhaltsstoffe informiert. Gut lesbar, in einer Schriftgröße von 1,2 Millimeter, wobei sie sich Kleinstpackungen gegenüber gnädig zeigt und auf ohne Lupe wohl kaum auszumachende 0,9 Millimeter besteht. Auch Online-Shops, diese berühmt-berüchtigten Bastionen der Produktinformations-anarchie, werden EU-konform demokratisiert. Bald werden sie vor verpflichtenden Nährwertangaben, Allergen-Listen, Hinweisen auf Formfleisch, Lebensmittelimitaten, Koffein, Wasserzusätzen von mehr als fünf Prozent oder verwendeten Nanomaterialien strotzen. Nur beim Mindesthaltbarkeitsdatum nimmt es 1169/2011 nicht so genau. Immerhin.

Sinn meets Wahnsinn – again
Die Wahrheit ist: Nur ein Bruchteil der Verbraucher...

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14.11.2015