Ausgabe 152, F&B Know-how

Das große Krabbeln

Energiebomben auf sechs Beinen: Ob Ameisen tatsächlich das neue Wagyu sind.


Insekt Fotos: Shutterstock

Wer hat’s erfunden?
Sind wir die natürlichen Fressfeinde?
Zugegeben wir waren es nicht. Denn nur in Europa ist Ameisen-Essen verpönt, in 113 anderen Ländern der Welt gehören über 1400 Insektenarten zum Essen dazu. Blickt man in den Nordosten von Kolumbien werden die flinken Insekten dort gerne auch mal geröstet. Dort startet nämlich jedes Jahr im Frühling die Hormigas-Culonas-Saison, also die der Dicke-Hintern-Ameise. Und die sind wahrliche Brocken, bis zu fingergroß und -dick. Gesalzen, als Sauce oder Dip für Kartoffelchips gelten sie als Delikatesse. Und als gar nicht günstige: Bis zu 20 Euro pro Kilo muss man für diese Riesenameisen hinlegen.

Zuchtbullen
Sind Ameisen das neue Wagyu?
Die kommerzielle Züchtung von Ameisen steckt noch in den Kinderschuhen. Vorreiter sind die Thailänder, dort gibt es laut der Welternährungsorganisation FAO etwa 15.000 Produzenten, die mit einfachsten Mitteln kleine Insektenzuchten aufbauen. Seit 1999 mit wachsendem Erfolg.

Tut gut
Kleine Energiebomben auf sechs Beinen
Insektenfleisch, und somit das von Ameisen, enthält viel mehr Kalzium, Eisen, Vitamine und Eiweiß als Rind- oder Schweinefleisch. Es ist fast frei von Kohlenhydraten, äußerst fett- und somit cholesterinarm. Und macht auch gesund: Im Kongo werden Erkältungen mit roten Kriegerameisen bekämpft.

Sugar & Spice
Lass knacken!
In Thailand scheut man sich nicht, die Krabbler genüsslich aufs Butterbrot zu schmieren. Dort sind es die Weberameisen und ihre Eier, die auf den Tisch kommen. Weil ihr Geschmack bitter ist, werden sie als geriebene pikante Würze verwendet. Gerne aber auch pur, roh oder gebraten, verspeist. Süßer mögen es die Australier: Dort sind Honigameisen die erste Wahl! In Israel werden die Tiere nie am Speiseplan stehen: Sie sind nicht koscher.

Spaß vs. ernst
Feinschmeckersnack oder Alternative?
Der Trend schwappt über – und wer bringt ihn uns: War ja klar, René Redzepi. Der sammelt seine kleinen Leckerbissen brav und artig selbst mit der Hand, und streut sie lebendig über einen Mix aus Haselnuss, Malz, Bier, Butter, Weizen und Crème fraîche. Er hat für die perfekte Kombi Ameisen aus Dänemarks Wäldern verkostet und entdeckt, dass manche wie Zitronengras oder Kaffirlimette schmecken, andere überraschen mit Noten von Koriander oder Pinienkernen. Und da es bis zum Jahr 2050 etwa neun Milliarden Menschen die Erde bevölkern sollen, trifft es sich gut, dass die kleinen Beißerchen eine Lobby in Skandinavien gefunden haben. Und auch für die Welternährungsorganisation FAO, denn die wirbt mittlerweile für Insekten als Nahrungsquelle.

01.04.2008