Ausgabe 158, Kolumne

Der Insider: Der gschupfte Ferdl trifft Heurigen 2.0

Robert Kropf über den Heurigen 2.0 und fünf junge Hipster.


Heite ziagt da gschupfte Ferdl frische Sockn an, grün und gölb gestreift, das ist so elegant. Die Zeilen stammen von Gerhard Bronner, und Helmut Qualtinger hat’s so legendär gesungen. Beide werden frohlockend im Grab rotieren, würden sie die fünf jungen Hipster in Wien sehen, die gerade den Heurigen 2.0 gründen. Dahinter stehen Moritz Piffl-Percevic und Mike Lanner. Unter dem Namen Gebrüder Stitch machten sie maßgeschneiderte Jeans in Wien salonfähig, brachten bei Mehlspeisen in der Vollpension Jung und Alt an einen Tisch, um nun mit drei Partnern mit dem Gschupften Ferdl das Heurigenkonzept zu entstauben. „Der Wiener Heurige ist ein wenig in die Jahre gekommen“, erklären die beiden, „er ist fast schon museal, junge Kundschaft steht dort nicht gerade auf der Tagesordnung.“ Gemeinsam mit Unternehmer Nick Pöschl, Wirt Stefan Csizar und Köchin Parvin Razavi (Betonküche) läutet das Duo daher den Heurigen 2.0 ein, mitten in „Bobostan“ (dem sechsten Bezirk entlang der Mariahilfer Straße) fanden sie den perfekten Standort. Unter der Ägide von Designer Sebastian Rahs entstand ein „Cyberwursttempel im Pixellook“. Der Künstler Filius de Lacroix steuerte die Zirbenstube aus Papier bei, das Entertainmentlabor „Mediaapparat“ kreierte die mit Visuals bespielte Schankanlage. Die heurigentypische Glasvitrine füllte das Team mit österreichischen Bio-Speisen – „a gutes Hartwürstl, Speck, Käse, a gscheites Brot und super Aufstriche“–, jeden Abend kredenzt der Ferdl außerdem „Schlupfkrapfen“ mit Fleisch, Blunzen oder vegetarisch. Sonntags serviert Köchin Parvin Razavi Bio-Grillhennen. Weil zur Gemütlichkeit auch Musik (und speziell das Wiener Lied) gehört, installierte man einen Wurlitzer und lässt junge Musiker auftreten. Bronner und Qualtinger wären Stammgäste, ganz bestimmt.

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14.11.2015