Ausgabe 159, Porträts

Der Vermesser einer neuen Welt

Hedonistische Rasterfahndung auf 755.696 Quadratkilometern: Die Suche von Rodolfo Guzmán nach der kulinarischen Identität eines gesamten Landes zwischen Andengipfeln und der Atacamawüste.

Red Bull Hangar-7Fotos: Shutterstock, Helge Kirchberger / Red Bull Hangar-7, Alfredo Escobar / Red Bull Hangar-7, James Holm / Red Bull Hangar-7

Der Name des Landes bedeutet: dort, wo die Welt zu Ende ist. Und das Ende der Welt ist aus Prinzip nicht gerade der verlockendste Ort der Welt. Also quasi der Vorhof zur Hölle. Zwischen dem 18. und 27. Breitengrad Süd fühlt es sich tatsächlich so an: Im Jahresmittel fällt an diesem Ort nur etwa ein Fünfzigstel der Regenmenge, die im Death Valley in den USA gemessen wird. Willkommen in der Atacamawüste. Hier gibt es Steine. Sand. Roboter für den Marseinsatz. Und Rica-rica. Ein Eisenkrautgewächs, würzig wie feiner Oregano, mit ein wenig Anis und dezentem Minzaroma. Dessen getrocknete Blüten und Blätter stäuben im „Dessert aus der Atacamawüste“ giftgrün über die aufgebrochene Kruste eines Bisque, das auf einem Rica-rica-Sorbet thront. Zwei Stängel Kresse komplettieren den optischen Eindruck einer Wüstenlandschaft. Wer einer der todbringendsten Gegenden der Welt – und hier ist die gesamte gemeint und nicht nur ihr Ende – eine derart geschmackvolle Hommage abringen kann, der muss besessen sein von seiner Heimat. In seiner ausgeprägtesten Form. Und das ist Rodolfo Guzmán, Gastkoch des Hangar-7 im Monat Mai. Würde man ihn als Fetischisten mit Hang zu Penetranz bezeichnen, dann...

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14.11.2015