Ausgabe 162

Wie schmeckt eigentlich … Portulak?

Verschmähtes Unkraut


Portulak

Das hierzulande fast vergessene Gemüse aus der Familie der Portulaca oleracea wird von Unwissenden aus den Gemüsegärten verbannt, obwohl die kleinen Blättchen viel zu bieten haben. In den Niederlanden, Griechenland und Indien schätzt man das Wildgemüse sehr – das säuerlich nussige Aroma ergänzt gekonnt Quark und Salate. Die jungen Blätter sind zart und etwas salzig, wohingegen ältere Blätter verbittert daherkommen. Wenn ihre gelblich orangen Blüten den Kopf hängen lassen, ist es vorbei mit der Ernte.

Die jungen fleischigen Blätter und zarten Stängel wachsen nach der ersten Ernte im Freiland angebauter Pflanzen zwischen Juni und Oktober immer wieder nach, sodass sie zwei bis dreimal gepflückt werden können. Die kleinen Blätter – sie sind ein bis drei Zentimeter lang und rund zwei Zentimeter breit – können roh wie Kräuter verwendet werden. Portulak mag es im Gegensatz zum Verwandten, dem Winter-Portulak, während des Wachstums warm und feucht, was die Blätter mit ihrer Größe und Saftigkeit innerhalb von sechs Wochen belohnen. Eine Zubereitung wie Spinat, leicht gedünstet oder in Suppen gekocht, verfeinert jedes Gericht auf würzige Art.

Portulak glänzt auch mit inneren Werten: Eine Menge Omega-3-Fettsäuren, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente stecken in der einjährigen Pflanze. Mit 70 Milligramm Vitamin C in 100 Gramm Portulak überzeugt auf frische Weise selbst die letzten Kritiker. Um solche Spitzenwerte in die eigene Küche zu bekommen, sollte beim Kauf und der Ernte auf eine kräftige Blattfarbe und die Saftigkeit geachtet werden. Wegen ihres wertvollen Inneren wurde die Pflanze lange Jahre als Heilpflanze gegen Sodbrennen, Parodontose, Verstopfung und Entzündung des Harnweges genutzt. Das wussten auch schon die Könige Babylons rund 800 vor Christus, die Portulak in ihren Schriften als Wunderheilmittel beschrieben.

Die Pflanze war 1993 weltweit die achthäufigste Pflanzenart und gehörte zu den zehn schädlichsten Unkräutern. Dem stimmen wir nicht zu und öffnen ihr unsere Küchentüren, damit sie wieder zurück auf die Teller findet.

14.11.2015