Ausgabe 168, Porträts

Mit Ruhepuls und Risiko

Ein Quäntchen Crazyness schadet nicht, um es als Barkeeper ganz an die Spitze zu schaffen. Nur gut also, dass Andreas Trattner seine Karriere im poco loco startete.

Barkeeper Andreas Trattner
Fotos: Monika Reiter

Ibiza Sounds, Blitzlichter, rasselnde Eiswürfel im Cocktailshaker, die Elite der europäischen Barkultur auf einem Fleck und mittendrin Andi Trattner. Ein Steirer, von seinem Arbeitsplatz auf den Cayman Islands eingeflogen, um in Klagenfurt den IWCC (International Wörthersee Cocktail Cup) zu rocken. Mit der Ruhe eines Zen-Mönchs und der Behändigkeit eines jonglierenden Feuerschluckers richtet er seinen „Treasure of San Juan“. Bacardi Reserva Applewood smoked, Cointreau, Limettensaft und gehackter Koriander, die sich im funkelnden Kristallbecher auf einer eigens konstruierten Drehscheibe in einer Schatzkiste drehen. Der Fluch der Karibik lässt grüßen. Mit Nachdruck. Denn die Jury beeindruckt nicht nur die raffinierte Aromenabstimmung des Karibikgrußes, sondern insbesondere Trattners Professionalität. Jede Bewegung sitzt, jede Erklärung hat Hand und Fuß. Am Ende der Präsentation weiß jeder, worum es bei Andreas Trattners Cocktail geht und was genau die Jury vor sich im Glas hat. Und das mit einer Ruhe demonstriert, die ansteckt. Das Gewusel der übrigen Competition-Teilnehmer, die Presse, die strengen Blicke der Jury: All das lässt den gebürtigen Grazer Andreas Trattner kalt. Kein Wunder. Denn der 36-Jährige hat bereits viel gesehen. So schnell bringt den Elite-Barmann nichts aus der Ruhe.

Austria goes America
Obwohl, erlernt hat Andreas Trattner eigentlich den Installateurberuf. Zum Glück für alle Cocktail- und Barfreunde hat sich Trattner davon aber nicht abhalten lassen, in seiner wahren Berufung tätig zu werden. Trattner: „Mein Stiefvater wollte unbedingt, dass ich einen Handwerksberuf erlerne.“ Das hat der Grazer auch getan. „Allerdings habe ich immer schon nebenbei hinter der Bar gejobbt.“ Nach Abschluss der Lehre kam dann der schicksalhafte Anruf seines damaligen Mentors Silvester, des Geschäftsführers der kultigen Grazer Innenstadtbar Poco Loco, was übersetzt so viel bedeutet wie „ein bisschen verrückt“.
„Im Poco Loco habe ich mich zum ersten Mal mit Flavour Barkeeping beschäftigt und schließlich beschlossen,...

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14.11.2015