Ausgabe 171, Porträts

Der Dünenkönig

Dietmar Priewe ist Herrscher über das kleinste und legendärste kulinarische Reich Deutschlands. Wie man mit genialer Kombüsenküche Geschichte schreibt und warum in der Sansibar jeder alles darf.

Dietmar Priewe mit seiner KombüsenkücheFotos: Helge O. Sommer

Wer einmal auf dem Parkplatz der Sansibar in Rantum gelandet ist, kann sich einen Besuch auf dem Genfer Autosalon sparen. Maserati hier, BMW-Cabrio da und ein Mercedes-Shuttleservice, der einen die 300 Meter bis zum Restaurant über die Düne schippert. Die menschlichen Bedürfnispyramiden auf Sylt sind anders als anderswo.
Dietmar Priewe fährt keinen Maserati. Er kommt jeden Tag mit dem Rad von Westerland hierher. Und an der Spitze seiner Bedürfnispyramide steht die Arbeit in seiner sagenumwobenen Küche.
1977 kaufte Herbert Seckler eine Bretterbude auf der Rantumer Düne für 250.000 Mark. 1982 brannte das Häuschen ab, Seckler auch – finanziell. Nur ein Jahr später entdeckten Gunter Sachs & Co. den Holzverschlag als In-Location für sich. Heute ist Sansibar eine Marke, die für Lifestyle pur steht. Vom Käppi bis zum exklusiven Cateringvertrag mit Air Berlin. Der Name Sansibar steht aber vor allem für Freiheit und Gleichheit an Tisch und Tresen. Egal, ob dort ein Milliardär oder eine Friseurin hockt, egal, ob in Badeshorts oder im Nadelstreif. Und Dietmar Priewe ist oberster Hüter dieses Grundsatzes.

Von der Leichtigkeit im Dünenbiotop
Eigentlich, erzählt der 40-Jährige, Sohn eines Wolgaster Fischers in vierter Generation und seit 13 Jahren Küchenchef der hochfrequentierten Strand-Skihütte, wollte er ja nicht zurück in diese Ecke des Nordens. „Ich habe auf Föhr meine Ausbildung gemacht, war todlangweilig dort“, lacht er. Dass es anders kam, ist 2-Sterne-Koch Johannes King zu verdanken, in dessen Berliner Restaurant Grand Slam Priewe sich seine Sporen verdiente und den er als sein größtes Vorbild bezeichnet. „Herbert suchte damals einen Küchenchef und Johannes hat mich empfohlen. Also hab ich meine Frau eingepackt und wir sind nach Sylt gefahren zum ersten Gespräch.“ Das Gespräch hat Herbert Seckler dann mehr mit Priewes Frau als mit ihm geführt. Die Dünen? So schön! Der Himmel? So blau! „Zum Schluss drückte er uns eine Flasche Wein in die Hand und...

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14.11.2015