Ausgabe 171, F&B Know-how

Ich esse, was du nicht siehst

Besteht die Zukunft der Gastronomie aus Pixeln und dem Spiel mit der Wahrnehmung? Im Project Nourished von Kreativkopf Jinsoo An ist das heute schon der Fall.

Project Nourished von Kreativkopf Jinsoo An Illustration: Darya Farzi

Ist das die Zukunft auf den Tellern? Glibbriges Etwas verwandelt sich durch Virtual Reality und Aromen zum saftigen Steak. Wenn die Umsetzung der Idee von Jinsoo An funktioniert, werden Köche statt Pfannen und Kochlöffeln nur noch Förmchen und Aromafläschchen verwenden. Der Assistenzprofessor an der Universität von Kalifornien ist zwar eigentlich Kulturwissenschaftler, bringt aber aus Freude an der Sache Leute, Ideen und neue Technologien zusammen. Seine Zukunftsvision auf den Tellern: Project Nourished.

Film meets Realität
Die Initialzündung für Ans Project Nourished kommt im Herbst 2014, als der Freigeist mit seinen Freunden beim Dinner sitzt. Die Runde tauscht sich darüber aus, wie lustig es wäre, das eingebildete Dinner von Peter Pan aus dem Film „Hook“ nachzustellen. Zur Erinnerung: Dabei sitzt der erwachsene Peter, gespielt von Robin Williams, mit den verlorenen Jungs an einer großen Tafel und sieht als Einziger nicht, dass die Teller voll mit Bergen von Essen sind. Ihm fehlt im Gegensatz zu den Jungs, die sich den Bauch vollschlagen, die nötige Fantasie.
Ein paar Tage nach dieser Dinner-Unterhaltung trifft An seinen Stiefvater sehr grimmig an, weil dieser viele Nahrungsmittel aufgrund seines Diabetes nicht mehr essen darf. An, selbst Gluten- und Soja-Allergiker, führt dieses Erlebnis mit dem von vor einigen Tagen zusammen und fragt sich: „Ist es möglich, sich ein Festmahl nur vorzustellen, wie Peter Pan im Film ,Hook‘?“ Verlässt man sich auf die reine Kraft der Vorstellung, lautet die Antwort klarerweise Nein. Holt man wie An die Möglichkeiten der neuen Technologien ins Boot, sieht die Sache schon wieder ganz anders aus: Mittels Virtual-Reality-Headset, Nahrungsmittelerkennungssensor, Bewegungsmelder und Aromadiffusor schafft er es, ein realistisches Dining-Erlebnis für das Gehirn zu simulieren. Es ensteht in der Tat das Gefühl, das Gegessene entspreche der Darstellung am virtuellen Display. An: „Es ist fast enttäuschend, dass...

HIER registrieren

14.11.2015