Ausgabe 174, Kolumne

Dr. Badass: Elementar, Mister Watson! (3/3)

Heute im ROLLING PIN Interview: Wie man mit einer Weinverkostung den Kumpels an einem Samstagabend die Show stiehlt!

Dr. BadassFoto: Mike Krueger

Wer die folgenden Schritte des perfekten Weinverkostens berücksichtigt, wird bald wie ein absoluter Wein-Pro palavern. Es führt zu intelligenteren Einkäufen und hilft vielleicht sogar dabei, deinen Kumpels bei der nächsten Samstagabend-Fußballparty die Show zu stehlen.

7 Immer mit Charakter
Ah, Charakter. Ein Wesenszug, dem ich, auf privatem Level, hoffentlich nie erliegen werde, den ich aber immer in meinem Glas finden will. Äußerst ironisch, eigentlich. Für mich ist das sogar die eigentliche Basis der Wein-Wertschätzung. Wenn ich weiß, dass ein Wein aus Pinot noir, Cabernet Sauvignon oder Chenin blanc hergestellt wurde, sollte ich schon einmal eine gewisse Erwartungshaltung von dem haben, was mir da bald an den Tisch geliefert wird. Die weiteren Variablen wie Jahrgang, Terroir und die individuellen Weinherstellungspraktiken werden dann zum Gesamteindruck eines Weins dazugerechnet. Jahrgänge mit außergewöhnlicher Wärme können selbst den prüdesten Traubenarten eine gewisse exotische Qualität verleihen. Ein pestverseuchtes Jahr wie 2004 durch die Marienkäfer-Epidemie im Burgund oder vergangenes Jahr durch die Kirschessigfliegen-Plage können einen Wein seiner Opulenz komplett berauben. Wobei nur mehr eine schmale, bittere wie astringente Version seines einstigen Charmes zurückbleibt. Und wie war das noch einmal mit dem Gläschen Sonoma Coast Pinot noir, den du mit einem aus Côte-Rôtie verwechselt hast, weil er sprichwörtlich zum Backen auf der Rebe zurückgelassen wurde? Und das so lange, dass er regelrecht Verbrennungen dritten Grades erlitten hat. Mit null Säure, die seine marmeladenhafte Frucht auffangen könnte, der Rauchigkeit der verbrannten Haut sowie einen Alkoholgehalt, der einem Amarone Konkurrenz machen könnte. Abartigkeiten wie diese sind die leuchtenden Negativbeispiele grottenschlechten Weinbaus. Da ist es schon besser, einem Wein einen dummen Fantasienamen zu geben und ihn an Fans von überteuerten toskanischen Tropfen für viel zu viel Geld zu verkaufen, als ihn mit dem herrschaftlichen Namen Pinot zu besudeln. Ich kann mich noch genau daran erinnern...

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14.11.2015