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Mein größter Fehler

Auch die Großen der Branche machen nicht alles richtig. Hier erzählen sie von ihren Fehltritten und Rückschlägen, davon, was sie daraus gelernt haben und wie sie es heute besser machen. Diesmal: Juan Amador.

Juan Amador im InterviewFoto: Werner Krug

Juan Amador
3-Sterne-Koch und Molekular-Pionier Deutschlands | Expansion mit mehreren Restaurants, Kochschule und Hotel | Misserfolge und Wirtschaftskrise 2008 | Aktiengesellschaft scheitert 2012 Insolvenz | Umstrukturierung und Verkleinerung | Neustart in Wien 2015

Die Verluste waren so hoch, dass wir sie nicht mehr tragen konnten“, sagt Juan Amador heute, zweieinhalb Jahre nachdem er Insolvenz für seine Amador AG anmeldete. Mit drei Michelin-Sternen zählt der gebürtige Schwabe zu den am höchsten dekorierten Köchen der Welt. Seine kulinarischen Höhenflüge bewahrten ihn jedoch nicht vor einem wirtschaftlichen Absturz.

Im Jahr 2011 nahm die sowieso schon brenzlige Lage von Amadors Gourmetimperium ihre noch fatalere Wende. Schon viel früher hatte alles begonnen, weiß der Ausnahmekoch genau um die Ursachen: „Als wir in der Hochphase waren, wo wir drei oder vier Restaurants hatten, eine Kochschule und ein kleines Hotel, da kam die Krise Ende 2008 und das ist dann schwierig, da rauszukommen. Pachtverträge und das Personal steht, selbst wenn man sich verschlankt, noch ein, zwei Monate auf der Payroll.“ Diese Res­taurants brachten Altlasten mit und die Expansion habe ihren Teil beigetragen. Das Sternelokal in Langen bei Frankfurt, das mit Verbindlichkeiten von kolportierten gut zwei Millionen Euro in den roten Zahlen steckte, wurde 2011 geschlossen. Das Res­taurant Amador in Mannheim sollte alles wieder auf Kurs bringen.

Dann brachten Ex-Partner die fatale Idee ins Spiel, eine Aktiengesellschaft zu gründen, um Kapital zu beschaffen. Die anderen GmbHs wurden in die neu gegründete Amador AG mit vier Teilhabern übernommen. Ungewöhnlich, mit einer risikobehafteten Branche wie der Gastronomie an die Börse zu gehen, das weiß Juan Amador heute, zumal die Investitionen für die Gründung einer AG erst mal richtig ins Geld gehen. Eine sechsstellige Summe müsse man dafür in die Hand nehmen. Doch nach den ersten Monaten zeigte sich, dass die Investoren ausblieben. „Wir sind halt nicht Apple, Siemens oder Mercedes-Benz“, sieht es Amador heute mit der nötigen Distanz.

Ursachenforschung von Seiten des Sternekochs...

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14.11.2015