Ausgabe 174, F&B Know-how

Weinkarte Mosel

Mensch Mosel: Rieslinge aus diesem Flusstal zählen zu den elegantesten der Welt. Das sickert nach dem Tief in den 1960er-Jahren auch abseits der Sommelier-Insiderei endlich wieder durch.

Weinkarte Mosel

Foto: Shutterstock, Illustration: Anna Spindler

Noch vor 100 Jahren war glasklar: Deutsche Rieslinge zählen zu den besten und spannendsten Weißweinen der Welt. Wer etwas auf sich hielt – von New York bis Paris – stieß mit diesem Wein an. In den 1960er- und 1970er-Jahren war davon nicht mehr viel zu spüren. Deutschland als Biernation Nummer eins und der deutsche Wein durch Markenweine wie Liebfrauenmilch verschrien als billige aufgezuckerte Plörre. Zurückzuführen ist dieser Imageverlust deutscher Weißweine auf den Leitsatz „Masse statt Klasse“, der Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland ebenso wie in Österreich auf der Tagesordnung stand. Dabei sind die Bedingungen für den spät reifenden Riesling im mittleren Westdeutschland damals wie heute hervorragend: karger Schieferboden, der den Riesling zwingt, tief zu wurzeln. Das ergibt komplexe Aromen im Glas. Der Fluss Mosel als Klimaregulator und das kühle Klima sowie die großen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht finden sich im Wein als lebendiges Zucker-Säure-Spiel wieder.Ein Charakteristikum für Riesling aus diesen Breitengraden, das die besten Mosel-Winzer zur Kunstform erhoben haben. Allerdings gelangt Riesling von Weltformat in diesen nördlichen Breitengraden nur in nahezu idealer Lage zur Reife. Im Fall des Moseltals bedeutet das: vorwiegend reine Südlage und...

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14.11.2015