Ausgabe 175, Management-Tipps

Es war einmal …

… Storytelling: Erzähl deinen Gästen, was du kannst!

StorytellingFotos: Shutterstock

Warum soll ich gerade dir zuhören? Warum ist dein Betrieb für mich interessanter als der der Konkurrenz? Sich abzuheben und den Gast emotional zu berühren, ist am umkämpften Markt der Tourismusbetriebe und Gastronomie wichtiger denn je. Was dabei das A und O ist, bringt Experte Pierre Nierhaus auf den Punkt: „Die Leute erwarten ehrliche, echte Geschichten.“ Und die stecken in jedem Unternehmen – ob im Italiener um die Ecke, im Fine-Dine-Restaurant in Berlin, im Londoner 5-Sterne-Superior- oder im Familienhotel in Tirol. Sie müssen nur gefunden werden.
Dabei folgt das Storytelling einer Marketinggrundregel: Der Mehrwert einer Marke liegt in den Emotionen, die sie weckt. Sie verleihen ihr das besondere Etwas, verpackt in individuelle Geschichten erhält das Produkt eine Einzigartigkeit, die nicht nachgeahmt werden kann. Wichtiger Nebeneffekt: Storytelling hilft dem Unternehmen gleichzeitig, seine Identität zu schärfen.
Viele der Geschichten liegen quasi auf der Straße, man muss sich nur die Mühe machen und sie erzählen. Am weitesten verbreitet ist dies bei ethnischen Restaurants, wie beim Italiener mit Wurzeln in der Toskana, in dem nach originalen Familienrezepten gekocht und der Chianti von Onkel Giuseppes Weingut ausgeschenkt wird. Gastrogeschichten nicht aus der Retorte –
authentisch und glaubwürdig.

Christian Mook und seine Welt
Mit Authentizität hat sich auch der Frankfurter Multi-Gastronom Christian Mook, der unter anderem das M-Steakhouse im Stil eines Old School Gentlemen’s Club entwickelte, seinen Ruf als der Steakexperte in Deutschland erarbeitet. Das unterschreibt auch Pierre Nierhaus. „Mook hat die Welle als Erster entdeckt und ist ganz tief eingetaucht in die Steakhäuser der Welt. Er gibt seine Tipps frei weiter, erzählt, was er erlebt hat, und füllt so das Konzept mit Leben.“ Essenziell bei Christian Mook, und das gilt gleichmaßen für alle seine Restaurantkonzepte: „Wir leben unsere Expertise. Wir sind Steakhouse. Ich habe über Jahre die besten Steakhäuser Amerikas abgefahren. Da kann mir keiner was vormachen.“ Damals, vor zehn Jahren, sei er ein absoluter Pionier gewesen und alle hätten ihm davon abgeraten. Die Leute hätten gar nicht gewusst, was ein gutes Steak ausmacht, wollten mageres, billiges Fleisch. Doch die Leidenschaft und Sehnsucht nach hoher Qualität seien größer gewesen – deshalb schnürte Christian Mook daraus ein stimmiges Gesamtpaket: „Wir haben eine Welt darum gebaut, wir erklären den Leuten die Cuts, machen Steak-Präsentationen. Außerdem haben wir ein authentisches Ambiente, wenn du ins M-Steakhouse kommst, betrittst du eine komplett andere Welt und für unsere Stammgäste haben wir in einer Vitrine personalisierte Steakmesser.“ Ein weiterer Baustein des leidenschaftlichen Gastronoms, der auf seinen Reisen immer am kulinarischen Puls der Zeit zu sein scheint: Mook’s Magazin. Darin dokumentiert er in Geschichten seinen eigenen Kosmos. Ein Vorbild, das auch gut übertragbar ist: Erzählen, was man im Betrieb erlebt oder auch wenn man für das Unternehmen unterwegs ist – die großen genauso wie die kleinen Storys machen ein Hotel oder Restaurant greifbar und lassen den Gast hinter die Kulissen schauen.
Für seine Welt hat Mook in Frankfurt mit seinem internationalen Parkett und vielen Gästen aus den USA den passenden Markt besetzt. Denn als Unternehmer kann man noch so engagiert und glaubwürdig sein, wenn der Markt fehlt. Deshalb plädiert Nierhaus dafür, die Story auf ihre Markt- und Breitentauglichkeit hin zu überprüfen. „Was nützt es, wenn ich ein Restaurant für peruanische Andenküche, die gerade stark im Kommen ist, eröffnen will, der Markt dafür aber überhaupt noch nicht etabliert ist? Wenn ich dann wiederum einen peruanischen Onkel habe, der die Tradition glaubwürdig vermitteln kann, sieht es schon wieder...

HIER registrieren

14.11.2015