Ausgabe 185, Karriere-Tipps, Arbeiten im Ausland

Arbeiten in London

Die Millionenstadt an der Themse pulsiert: Spring rein in den Großstadtzirkus und verliebe dich in London.

Text: Kathrin Löffel     Fotos: Rosengarten; Mike Huber Fotografie, Shutterstock, beigestellt

 Arbeiten in London

London calling

The Rolling Stones, Sex Pistols, Coldplay, The Clash, Led Zeppelin, Placebo, Iron Maiden, The Police, Adele und nicht zu vergessen die Spice Girls – als Geburtsstadt unzähliger erfolgreicher und genialer Bands macht sich London schon lange einen Namen.

Als Anlaufstelle für die kulinarischen Charts hängt London aber genauso wenig hinterher. Mit über 20.000 Restaurants, Bars und Cafés sowie über 1500 Hotels bietet die britische Hauptstadt für alle Arbeitswilligen Top-Job-Möglichkeiten – und gute Musik. Nicht zu vergessen die grandiosen Restaurant- und Sterneköche-Highlights – Heston Blumenthal, Gordon Ramsay, Alain Ducasse – alles Spitzenmaterial.

Und wenn sie dann auch noch auf bezaubernde Art und Weise ihren vornehmen Akzent auf der Straße erklingen lassen, Sherlock Holmes nachdenklich durch die Straßen schlendert oder Mr. Bean mit Teddy nuschelt, muss man die Bewohner und die Stadt an der Themse einfach lieben.

Kulturell ist die Stadt mit ihren Hunderten Museen, Theatern, Galerien, historischen und modernen Bauwerken, Universitäten, Kathedralen und Parks unschlagbar.

Dazu: die London Undergroud, die älteste U-Bahn der Welt.Hier heißt es seit über 150 Jahren „Mind the Gap“. In London bewegt man sich unter der Erde oder in einem der roten Doppeldecker-Busse oder schwarzen Taxis. Wer aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz in die Stadt will, muss sich erst einmal einen Flughafen aussuchen (und beim Rückflug auch den richtigen finden).

Karrierecheck London

Denn als Zentrum des mitteleuropäischen Flugverkehrs kann London gleich mit neun Flughäfen angeben. Gatwick, Heathrow und Stansted werden durch Airport-Express-Züge sowie Reisebusse mit der Innenstadt verbunden. 

In der Stadt angekommen, kann es manchmal gar nicht so leicht sein, einen Job zu finden. Deshalb gilt: Nutze das Internet! In diversen Netzwerken wie über LinkedIn kann man sich und seine Skills anbieten, Kontakte knüpfen und das britische System kennenlernen.

Außerdem gilt: Lebenslauf auf zwei Seiten beschränken und Kreativität zeigen. Schon unzählige Start-ups haben es in London geschafft, groß zu werden. In der Gastronomie und Hotellerie ist es mit einfachen Schulenglischkenntnissen kein Problem, Fuß zu fassen. Zeige, was du kannst, und sei möglichst höflich dabei.

Denn Charme spielt nicht erst seit dem Serienklassiker der 60er-Jahre „Mit Schirm, Charme und Melone“ eine außerordentliche Rolle. Die Engländer legen großen Wert auf Etikette, Höflichkeit und Zurückhaltung – außer vielleicht im Urlaub auf Mallorca, aber ganz sicher bei ihrem 5-Uhr-Tee. Das macht es für Expats besonders leicht, sich in der Millionenstadt wohlzufühlen.

Und wenn wir schon dabei sind: Auf den Schirm sollte man genauso wenig verzichten wie auf den Charme. In London stürmt und nieselt es. Fast immer. Dafür kann man an freien Tagen aus einem der 20.000 Lokale ins Regenwetter schauen, The Clash „London calling“ spielen hören und sich freuen, ein Teil des Großstadtzirkus zu sein.

Die Expertin weiß es: Julia Leitner im Interview

Julia Leitner

Die 24-jährige Oberösterreicherin Julia Leitner arbeitet seit September 2015 in London als Chef Pâtissière im The Clove Club. Für sie ist London eine absolute Multikultistadt.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, nach London zu gehen?
Julia Leitner: In London zu arbeiten, war schon immer ein Traum von mir. London ist eine Weltstadt, die so viel zu bieten hat und in der man viel lernen kann. Wichtig war es mir aber auch, mein Englisch zu verbessern. 

Was gefällt Ihnen an den Menschen und der Stadt besonders gut?
Leitner: London ist eine Multikultistadt. Die richtigen Londoner sieht man eher weniger. Dafür trifft man Leute, die aus der ganzen Welt kommen. Egal welche Hautfarbe, Nationalität oder Sexualität man bevorzugt – hier arbeiten und leben alle gemeinsam. Auf ein „how are you“ wird zwar nicht immer eine Antwort erwartet, aber die Frage wird immer gestellt. 

Was überrascht Sie an der Stadt besonders?
Leitner: Es hat mich überrascht, dass die Pubs hier fast alle um Mitternacht zusperren und es gar nicht so einfach ist, mit seinen Kollegen auf ein Feierabend-Bier zu gehen. Außerdem fahren dann nur noch Nachtbusse und keine U-Bahnen mehr. 

Welche Herausforderungen kamen auf Sie zu?
Leitner: London hat einen absoluten Wow-Faktor. Man kommt an und ist mittendrin im Großstadtzirkus. In London ist immer etwas los, egal zu welcher Uhrzeit. Allerdings ist die Wohnungssuche eine sehr große He-rausforderung. Die Wohnsituation in London kann schon extrem sein, da die Miet- und Energiekosten sehr hoch sind. Eine passende, vor allem saubere Wohnung oder ein Zimmer für einen leistbaren Preis zu finden, ist schon eine harte Aufgabe. Hier leben die meisten Menschen in Wohngemeinschaften. Ein Zimmer fängt bei 150 Pfund pro Woche an. Oft braucht man dann noch eine Bus- oder Bahnkarte. Mit Familie kann man nur empfehlen, außerhalb von London eine Wohnung zu mieten, die in der Nähe einer Schnellverbindung liegt. 

www.thecloveclub.com

 

Das sagt der Expat: Holger Jakisch im Interview

Holger Jackisch

Grenzenlos Für Holger Jackisch ist sein Aufenthalt in London schon der zweite. Der Executive Chef des Hotels The Savoy London liebt damals wie heute die grenzenlosen Möglichkeiten.

Was waren Ihre ersten Eindrücke in London?
Holger Jackisch: Gerade angekommen, spürt man in London sofort, dass es der pulsierende Mittelpunkt des ganzen Landes ist. Ich bin ein riesiger Fan von London. London ist angereichert mit Kultur, Geschichte und beeindruckenden Denkmälern, Kirchen, Backsteinhäusern – jeder Stadtteil ist anders. Es regnet, nieselt, schüttet, scheint die Sonne und das in unterschiedlicher Reihenfolge oftmals an einem Tag. Das Wetter ist genauso vielfältig wie die Stadt selbst. Prädestiniert zum Wohlfühlen.

Sind Engländer offen gegenüber Expats?
Jackisch: Für Engländer ist die Kontaktaufnahme zu Fremden auch aus anderen Ländern selbstverständlich, daher sind sie nicht von fremden Ausdrucksweisen überrascht. Es ist sehr einfach, mit Engländern ins Gespräch zu kommen, da diese aus Höflichkeit auch mit Fremden ein paar Worte wechseln. Der deutschsprachige Mitbürger ist dem Engländer jedoch oft zu direkt in der Art seiner Ausdrucksweise, da sich Londoner gerne diplomatischer in allen Lebenslagen ausdrücken. 

Wie kann man sich auf einen Aufenthalt in London vorbereiten?
Jackisch: Der Schlüssel zur Integration auch im beruflichen Leben ist natürlich das Sprachverständnis. Im Küchenbereich ist es möglich, mit weniger Sprachkenntnissen zu beginnen, aber ein Interesse an der Sprache ist wichtig, damit der nächste Karriereschritt gelingt. Um sich schneller in die Arbeitswelt zu integrieren und sich in der Arbeitsstelle wohlzufühlen, ist es immer gut, sich mit den örtlichen Gepflogenheit, den Dos and Don’ts vertraut zu machen. 

Wie schätzen Sie das aktuelle Jobangebot ein?
Jackisch: Da London eine sehr gefragte Stadt ist, ist es nicht ganz einfach, eine Arbeit im oberen Segment zu bekommen. Man kann nur empfehlen, mit einer sehr guten Arbeitsagentur zusammenzuarbeiten, die wiede-rum mit guten Arbeitgebern in London zusammenwirkt. Für alle anderen Positionen sind Köche aus anderen Ländern äußerst willkommen und es gibt für diese genügend gute Arbeitsstellen.

www.fairmont.de/savoy-london

 

+++ Facts // Währung: Pfund Sterling // Einwohner: 8,5 Millionen // Sprache: Britisches Englisch // Zeitzone: Mitteleuropäische Zeit –1 // 1 Euro: 0,759 Pfund // Durchschnittliche Regentage: 145 Tage pro Jahr // 0,5 Liter Bier: 5,25 Euro // 1-Zimmer-Apartment im Zentrum: 2200 Euro // Monatsticket: 170 Euro // +++

 

Die besten Jobadressen

www.carlsonrezidor.com // careers.jumeirah.com // www.marriott.com // www.royalgardenhotel.co.uk // jobs.fourseasons.com careers.ihg.com // www.chevalresidences.com // www.starwoodhotels.com/corporate/candidate // www.blackrockcareers.com 

09.02.2016