Ausgabe 187, Porträts, Konzepte & Openings

Alles, nur kein Eigentor in der Cordobar

Chief Executive Wirt Willi Schlögl und Koch Lukas Mraz im feuchtfröhlichen Interview über das Erfolgskonzept der Berliner Weinbar Cordobar.

Text: Daniela Almer     Fotos: René Riis, Jens Oellermann, Wolfgang Borrs

I werd narrisch!

Wunder oder Schmach von Córdoba? So was von egal! In der Berliner Cordobar* wird nämlich nicht dem Fußball gehuldigt, sondern den deutschen und österreichischen Weinen sowie einer kultigen Küche. Willi Schlögl und Lukas Mraz erzählen, warum die Weinbar so ein Besuchermagnet ist.

* Benannt nach dem legendären Fußballspiel Österreich gegen Deutschland bei der WM 1978 im argentinischen Córdoba, das Österreich gewann. Der österreichische Fußballkommentator Edi Finger schrie „Tooor! Tooor! I werd narrisch!“, als Hans Krankl das Siegestor schoss.

Berliner Weinbar Cordobar 

Wer steckt hinter dem Erfolgskonzept Cordobar?
Willi Schlögl:
Wir sind zu viert. Salopp gesagt: Der Gastronom Gerhard Retter und Musiklabel-Chef Chris­tof Ellinghaus haben die Idee zur deutsch-österreichischen Weinbar Cordobar ausgeheckt. Ich bin als Wirt und Miteigentümer eingestiegen. Und da es der Ellinghaus finanziell nicht zu 100 Prozent alleine stützen wollte, hat er den Filmregisseur Jan-Ole Gerster noch mit ins Boot geholt. Wir treffen alle Entscheidungen gemeinsam. Jeder hat seine eigenen Ideen und Vorlieben, die werden diskutiert und umgesetzt.

Warum ausgerechnet der Name Cordobar?
Schlögl: Gerhard Retter hat den Namen erfunden. Das geschah in der Nacht, als Christof und Gudrun Ellinghaus bei Gerhard zu Besuch waren und meinten, dass es super wäre, eine Weinbar zu gründen, wo nur deutsch-österreichische Weine ausgeschenkt werden. Und Gerhard sagte dann sofort, mit wahrscheinlich mehr als 0,5 Promille: „Na is eh klar, und die muss dann Cordobar heißen.“

Was war euer Ziel?
Schlögl: Wir wollten eine Weingastronomie erschaffen ohne Schwellenangst. Wenn Leute zu uns ins Lokal kommen, trauen sie sich oftmals keinen Wein zu bestellen, weil sie meinen, keine Ahnung davon zu haben. Aber im Endeffekt ist es wurscht, ob du eine Ahnung davon hast oder nicht, Hauptsache, es schmeckt. Wir wollten etwas kreieren, um zum einen dem deutschen und österreichischen Wein die Fahne hochzuhalten, weil Deutschland weinmäßig schon sehr frankophil ist. Was insofern komisch ist, weil in Deutschland wie in Österreich sensationelle Weine produziert werden. Und der zweite Punkt war der Wunsch, eine gewisse Lockerheit in die Gastronomie zu bringen.
Lukas Mraz:
Deutschland ist im Vergleich zu Österreich schon sehr steif, Berlin ist da noch die Ausnahme. Aber wenn du hier in Restaurants gegangen bist, gab es entweder die Top-Gastronomie mit 200 Euro aufwärts nur das Menü oder die 5-Euro-Küche, und nur wenig dazwischen. Da war die Cordobar auch eine der ersten, die sich in der Mitte dieses Preisniveaus positioniert haben.
Schlögl:
Prinzipiell wollten wir auch einen Platz schaffen, wo man selbst gerne hingeht. Und wir wollten weg von diesem ewigen Weindiktat. Mich nervt das immer, wenn ich in ein Restaurant gehe und mit diesen ständigen Weinbegleitungen konfrontiert bin. Im Sinne von „Zu dem Gericht passt jetzt nur dieser Wein und das müssen Sie unbedingt dort dazu probiert haben“. Wir wollten den Leuten Spaß bereiten, die Gäste sollen essen und trinken, was sie wollen, und deswegen bieten wir bis heute keine Weinbegleitungsmenüs an.
Mraz: Bei uns gilt: Alles kann, nichts muss. Dadurch entsteht eine entspannte Atmosphäre und wir sind immer gut ausgelastet. Wir servieren nichts auf schönen Tellern, aber das, was drauf ist, ist gut und das ist dasselbe beim Wein.

 

 



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18.03.2016