Ausgabe 187, Porträts, NL Karriere 160403, POS 5 Karriere, NL Karriere 160410

Joachim Jaud: Hell’s Kitchen

Der JUNGE WILDE 2016: Joachim Jaud wurde seiner Favoritenrolle gerecht und brachte mit nur wenigen Komponenten die Gaumen der Jury zum Explodieren.

Fotos: Monika Reiter, Claudio Martinuzzi

Das JUNGE WILDE-Finale und alle Highlights des spektakulären Tages in Bild und Ton:

 

Gänsehaut & große Emotionen

"Wer friert uns diesen Moment ein, besser kann es nicht sein“, wummert es aus den mächtigen Boxen im wunderschönen Ballsaal auf dem Süllberg. Und obwohl Andreas Bouranis Gänsehautnummer „Ein Hoch auf uns“ mit gefühlten 200 Dezibel durch die tosende Menge kracht, hört man Joachim Jauds herzergreifenden Jubelschrei bis hinunter zur Elbe. 

Er hat’s geschafft. Als großer Favorit, was die Leistung umso beachtlicher macht. Die Anspannung war groß, die Konkurrenten Christina Steindl und Jürgen Kettner auch. Mit Mühe und Not schafft es der gebürtige Tiroler, seine Freudentränen zurückzuhalten, doch dann geht schon der Gratulantenreigen los. Joachim Jaud. JUNGER WILDER 2016.

„Ich hab diese Herausforderung jetzt ganze zehn Jahre vor mir hergeschoben, habe mir jedes Jahr den Warenkorb angeschaut und kurz überlegt, ob ich nicht doch mitmache. Heuer habe ich mich durchgerungen und es hat gleich auf Anhieb geklappt! Geil!“, sprudelt es aus dem stets ruhig und besonnen daherkommenden 27-Jährigen heraus.  

allen Grund zu Jubeln - Joachim Jaud

Jaud war der klare Siegesanwärter, hatte er doch in seiner Vorrunde in Berlin einen mehr als souveränen Vorsprung von sage und schreibe 232 Punkten und löste damit das letzte Finalticket für die JUNGEN WILDEN 2016.

Den entscheidenden Unterschied, warum er die JUNGE WILDE-Vorausscheidung für sich entscheiden konnte, war die Erfahrung des 27-jährigen Executive Sous Chefs aus dem Opus V in Mannheim – darin waren sich die Jury-Mitglieder einig.

Jaud arbeitet bereits seit eineinhalb Jahren für Sternekoch Tristan Brandt und schupft dessen Restaurant in der Universitätsstadt. Eine gute Basis also, um sich einem der härtesten Kochwettbewerbe der Branche zu stellen. Denn extravaganter Geschmack, eine ausgeprägte Handschrift sowie technische Perfektion zeichneten die kreativen Gerichte der diesjährigen Hauptdarsteller aus.

Und selten gab es eine spannendere Kombination unterschiedlicher Charaktere in einem Finale. Aber nicht nur, dass die Kandidaten unter großem Zeitdruck und auf engstem Raum ihre drei Gerichte für die Jurymitglieder auf die Teller bringen müssen. Nein. Permanent dokumentieren Kamerateams jeden Schritt der Kandidaten und bringen sie somit an die Grenzen ihres Leistungsvermögens.

Souveräner Triumph

Doch damit kam Jaud anscheinend am besten klar: „Besser konnte es nicht laufen. Ich war mit allem wirklich schneller durch als erwartet und habe dann nur mehr gehofft.“

Nur drei Mal kochte er sein Menü im Vorfeld durch, die durchaus kritischen Vorkoster waren dabei seine Freundin und alle aus dem Betrieb. „Jetzt kann ich meine Kreationen aber wirklich nicht mehr sehen!“, lacht der talentierte Triumphator und lässt die Vorbereitungszeit kurz Revue passieren. „Ich habe komischerweise doch tatsächlich jedes Mal anders angerichtet“, grübelt er, ob vielleicht auch das ein möglicher Grund für seinen Sieg war. 

So einen starken Kandidaten habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Das ist ein echter Produktfreak.

Jurymitglied Karlheinz Hauser über das Maß aller Dinge im großen JUNGE WILDE-Finale

Für den Juryvorsitzenden und Godfather der JUNGEN WILDEN Stefan Marquard war jedoch glasklar, wieso sich der Tiroler als Gewinner herauskristallisiert hat: „Das waren genial mutige und gleichzeitig verspielt harmonische Gerichte. Die Finalisten waren verdient unter den letzten drei. Die waren echt der Hammer! Aber der Gewinner hat mich durch die Genialität in der Einfachheit seiner Gerichte überzeugt. Das war eine echte Punktlandung.“

Und so ähnlich sieht das auch der JUNGE WILDE selbst: „Das war mein Ziel. Ich will auch in Zukunft keine 35 Komponenten auf dem Teller haben. Weniger ist mehr. Das will ich auch in meiner weiteren Karriere verstärkt forcieren!“

Blick in die Zukunft

Doch wie soll diese aussehen, die kommende Karriere? „Als Erstes freue ich mich einmal, dass ich Ende des Jahres zu Alex Atala nach Südamerika darf!“ Das war laut Jaud auch einer der Hauptgründe, warum er sich für diesen Bewerb angemeldet hat.

„Ich finde, dass das ein genialer Typ ist, der nicht umsonst vom ,Time Magazine‘ unter die 100 einflussreichsten Menschen der Welt gewählt wurde.“ Und dann? Ja dann möchte der naturverbundene Koch irgendwann wieder zurück in die Heimat. „Und klar möchte ich dort auch mein eigener Chef sein, aber mit der Selbständigkeit ist das halt auch so eine Sache“, philosophiert er über mögliche Zukunftspläne. 

Doch erst einmal gilt es, das Erlebte zu verarbeiten. Die Stimmung unter den Finalisten war freundschaftlich. „Besonders mit Christina hab ich andauernd Faxen gemacht und wir haben uns herrlich verstanden!“ Unmittelbarer Konkurrent war aber der in der Schweiz kochende Jürgen Kettner. Und die beiden schenkten sich nichts. 

Denn in jedem der insgesamt vier Kriterien pro Gericht, nämlich Optik, Geschmack, Konsistenz und Idee, wurden von der Starjury null bis zehn Punkte vergeben. Jaud holte sich für sein Menü stattliche 677 Punkte und siegte somit mit 65,5 Punkten Vorsprung zum Zweitplatzierten Kettner. Der frisch gekürte JUNGE WILDE überzeugte die Starjury in allen drei Gerichten und entlockte ihr Höchstwertungen. 

Joachim Jaud, der Sieger

So zollte Sternekoch, Gastgeber und langjähriges Jurymitglied Karlheinz Hauser dem Sieger Respekt: „So einen starken Kandidaten habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Das ist ein echter Produktfreak. In der Darstellung und der Harmonie seiner Aromen hat er die volle Punktzahl verdient.“

Und auch Lucki Maurer hat die Vorstellung von Joachim Jaud umgehauen. „Mit nur wenigen Zutaten hat er den Mund zum Explodieren gebracht.“

Komplimente, die man gerne hört. Und auch schon am nächsten Tag beim Fotoshooting für das ROLLING PIN-Cover zeigt sich der meist eher zurückhaltende Typ schon deutlich entspannter und gefasster!

Geht es nach dem Gewinner, bekommt die heiß begehrte JUNGE WILDE-Trophäe des 27-Jährigen einen Ehrenplatz in seinem Bücherregal. „Und dann will ich einmal endlich wieder nur für meine Eltern und meine Frau kochen. Dazu komme ich aktuell überhaupt nicht“, lacht der überglückliche Koch.

Und eine quälende Frage wird laut Jaud dann auch im kommenden Jahr früher oder später auftauchen: „Was mach ich nur, wenn der neue JUNGE WILDE-Warenkorb veröffentlicht wird? Vielleicht mache ich dann ganz einfach noch einmal mit!“

Mit diesen drei Geschmacksexplosionen sicherte sich Joachim Jaud den Sieg:

 

JUNGE WILDE, 2016, Gewinner, Joachim Jaud
KIMCHII OF CHAR: Seesaibling | Salzlake | Kimchii | Apfel | Joghurt | Zwiebel | Saiblingskaviar | Kaffee | Erdbeere | Sauerklee
JUNGE WILDE, 2016, Gewinner, Joachim Jaud
PORK & SEABASS IN SECHUAN GARDEN: Ibérico Pluma | Wolfsbarsch | Sechuan Buttons | Hijiki-Algen | Rettichrose | schwarzer Rettich | Oliven | Seefenchel
JUNGE WILDE, 2016, Gewinner, Joachim Jaud
VANILLA BANANA WHITE & GREEN: Vanille | Banane | Koriander | Limette | Limone | Veilchen

Und hier die geilen Rezepte zu Joachim Jauds Sieger-Menü:

Joachim Jauds Vorspeise

Joachim Jauds Hauptspeise

Joachim Jauds Nachspeise

Alle Fotos des spektakulären JUNGE WILDE-Finales gibt's hier

www.jungewilde.eu 

18.03.2016