Ausgabe 189, F&B Know-how

Kochen im Mittelalter: Die Fastenküche

Hunger ist der beste Koch: Fasten im Mittelalter bedeutete zwar eine kulinarische Herausforderung, aber regte die Fantasie unheimlich an.

Text: Daniela Almer     Fotos: Monika Reiter

„Vor leeren Schüsseln sitzen“

Man möchte meinen, dass diese deutsche mittelalterliche Redensart gleich wie ihr französisches Pendant – „Vor dem leeren Küchenschrank tanzen“ – alles aussagt, was man über die Fastenzeit im Mittelalter wissen muss. Ganz so schlimm war es zwar nicht, doch der Speiseplan war durch die strengen Gesetze der katholischen Kirche empfindlich eingeschränkt.

Dabei darf Fasten nicht mit Diäthalten verwechselt werden, sondern Fasten versteht sich als religiös begründete Nahrungsenthaltung in Bußzeiten. Und Bußzeiten gab es im Mittelalter mehr als genug. Rund 130 Tage im Jahr bestimmte die Kirche, was auf den Tisch kam.

Das religiöse Darben begann mit der noch heute praktizierten Fastenzeit vor Ostern: Mitte des 1. Jahrtausends verkündete Papst Gregor, dass das Essen von Fleisch warmblütiger Tiere während der 40-tägigen Fastenzeit verboten ist. Und seine Nachfolger setzten im religiösen Übereifer noch eins drauf: Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts gesellten sich Butter, Milch, Eier und Käse ebenso auf die Tabuliste.

Erlaubt waren dafür Fisch, Getreide, Gemüse und Früchte. Anders als in der heutigen Wohlstandsgesellschaft konnten diese drakonischen Fastengesetze aber in mittelalterlichen Zeiten an die existenzielle Substanz gehen.

Denn die Gefahr von Missernten und damit verbundene Hungersnöte waren allgegenwärtig. 

Verbot macht erfinderisch

Kein Zweifel, mittelalterliche Köche waren mit der Herausforderung konfrontiert, auch mit einer eingeschränkten Zutatenliste etwas Schmackhaftes und Sättigendes zu zaubern. Dabei bewiesen sie unglaublichen Einfallsreichtum, denn „wer schon fasten muss, soll wenigstens gut essen“!

27.04.2016