Ausgabe 192, Kolumne

Dr. Badass: Du schuldest deinem Körper etwas

Dr. Badass und Tantris-Top-Sommelier Justin Leone: Die ROLLING PIN-Sprechstunde über den Tribut eines gesunden Alltags.

Text: Justin Leone     Fotos: Mike Krueger

Tantris-Top-Sommelier Justin Leone

Krankenhaus-Debakel

Mit einem Zimmernachbarn wie meinem kannst du dich glücklich schätzen, wenn du das Krankenhaus nicht total verändert verlässt. Michael, 85 Jahre alt, fast taub und blind, seine Sprache erinnert eher an ein Grunzen oder Bellen mit vagen Handbewegungen. Es ist, als würde ich ein Zimmer mit einem alternden Wookiee teilen, der die meisten seiner Haare bei der Explosion von Death Star Nummer vier verlor. 

Wie Han hatte ich aber gelernt, unsere primitiven, aber charmanten Unterhaltungen zu schätzen. An einem Morgen erwachte ich mit einer Pfütze mitten im Raum, weil Chewbaccas Beutel am künstlichen Darmausgang geplatzt war und sich überall verteilte. Ich konnte nicht umhin, David Byrnes Worte zu hören: „Wie bin ich nur hierhergekommen?“

Wie alles begann

Eine dumme Hautinfektion. So fing alles an. Ein Zufall, unberechenbar und lähmend. Es beginnt mit einer Pore und endet mit einer Woche in einem kalten, sterilen Raum – ohne Wi-Fi oder Hoffnung. Gestoßen, gepikst, injiziert und extrahiert. Und so fand ich mich durch die Exkremente watend wieder und suchte Hoffnung in einer warmen Mahlzeit. 

Denn ist es nicht so, dass – unter uns Profis – Essen ein Höhenflug ist? Ein Abenteuer für die Sinne und für den Geist gleichermaßen, die Chance, einzutauchen in eine essbare Kunstform? Als ich aber so hinunterschaute auf mein portioniertes und hochverarbeitetes Mahl, sah ich zwei verlorene Stücke Mortadella, ein kleines verwelktes Salatblatt und schüchterne Stücke Vollkornbrot, die argwöhnisch auf den apathisch danebenliegenden Pfirsich starrten. Bin ich schon tot? Das ist die Hölle!

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30.06.2016