Ausgabe 197, Porträts, Management-Tipps

Marten Dresen: Gutes Gewissen vs. Geldmacherei

Das Comeback der Idealisten: Der niederländische Unternehmer Marten Dresen stellt mit seinem The-Good-Hotel-Konzept die Hotellerie auf den Kopf.

Text: Daniela Almer     Fotos: Steef Fleur, Baker Photography

Zu gut, um wahr zu sein?

Als sich der niederländische Student Marten Dresen vor rund zehn Jahren auf einem Trip durch Guatemala mit einem armen kleinen Mädchen namens Mirna in Antigua anfreundete und ihm aus Mitgefühl ein paar Schuhe schenkte, hatte der heute 33-Jährige ein tief greifendes Aha-Erlebnis. Kurz darauf, im Jahr 2006, gründete er die Non-Profit-Organisation Niños de Guatemala in Antigua, deren Ziel es ist, bedürftigen Kindern durch Schulbildung eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Damit noch nicht genug: Im Jahr 2012 rief Dresen, mittlerweile als Projektmanager für eine internationale, große Reederei tätig, das Sozialprojekt The Good Hotel ins Leben. Eine sogenannte Not-for-Profit-Company, die Langzeitarbeitslose für die Gastronomie und Hotellerie ausbildet und wieder fit für den Arbeitsmarkt macht. 2013 hängte Dresen seinen Job bei der Schifffahrtsgesellschaft an den Nagel, um sich als CEO der Good Hotel Group voll und ganz seinem sozialen Unternehmertum zu widmen. Heute steht der Betrieb so gut da, dass bis zum Jahr 2020 weltweit acht weitere Hotel-Eröffnungen geplant sind, Ausbildung von Arbeitslosen natürlich inklusive. Geben wir es zu: Es klingt zu gut, um wahr zu sein. Zu glatt. Wo ist bloß der Haken? Das Misstrauen, das sozialen Projekten oftmals anhaftet, verflüchtigt sich aber, wenn man Marten Dresen kennenlernt. Salopp formuliert kauft man ihm sein soziales Engagement, das über eine gewisssensberuhigende freiwillige Spende für eine gute Sache weit hinausgeht, ab. Dresen peppt sein öffentliches Image nicht mit einer perfekt inszenierten, sozial angehauchten PR-Kampagne auf. Es ist vielmehr anders herum: Als „Geschäftsmann“ bezeichnet zu werden, ist ihm ziemlich lästig und widerspricht seinem Verständnis von Unternehmertum. Dresen steht für eine junge, zukunftsorientierte Generation, deren Erfolgsparameter sich gewandelt haben: Ihr Tun steht nicht mehr unter der Prämisse Profit um jeden Preis, sondern die Kombination aus unternehmerischem Denken und sozialer Verantwortung motiviert ihr Handeln.

13.10.2016