Ausgabe 200, Porträts, Konzepte & Openings

Albert Trummer: Die Kunst der alkoholischen Heilung

Beschwerden? Fragen Sie nicht Ihren Arzt oder Apotheker, sondern Barchef Albert Trummer vom Sanatorium. Wie der Österreicher erfolgreich New York schlaflos macht.

Text: Daniela Almer     Fotos: Andreas Kolarik

Sanatorium-Barchef Albert Trummer in der Mitte, links Bartender Chris Norton und rechts Sohn Jakob Trummer

Heilmethode für Stadtneurotiker

Wenn man Albert Trummers neuesten Bar-Coup im New Yorker Künstlerviertel East Village betritt, glaubt man, sich im Haus geirrt zu haben. Und dabei ist man noch nüchtern. Warum sieht es hier aus wie in einer Klinik aus längst vergangenen Zeiten?

Antiquierte Operationssaal-Lampen an der Decke, alte Apothekerflaschen, Laborgeräte sowie chirurgische Instrumente hinter dem Tresen, die Wände erinnern an das Grün des Outfits vom Onkel Doktor und die anatomischen Bilder im Lokal dokumentieren den menschlichen Körper unter Einfluss von Alkohol.

Damit noch nicht genug: Die Cocktails werden auf OP-Tabletts zubereitet, die Shots in Spritzen serviert.

Aber der Effekt ist gewollt, nicht umsonst heißt die Bar Sanatorium. Trummer realisierte hier ein Konzept, bei dem die Techniken der Hospitäler um die Jahrhundertwende im Fokus stehen, auch eine Zeit, in der Alkohol in Krankenhäusern für medizinische Zwecke eine wichtige Rolle spielte.

Die typische Gästeklientel im Sanatorium? „Alle, die krank sind“, scherzt Trummer und fügt hinzu: „Es gibt in New York viele Leute, die den Psychiater aufsuchen. Ich kann meinen Gästen die gleiche Hilfe bieten, aber mit Alkohol. Wenn die sich bei mir an einem Abend vier Drinks genehmigen, haben sie den gleichen Effekt wie beim Seelendoktor, aber mit dem Unterschied, dass man sich bei mir Tausende Dollars spart.“

Von diesem Standpunkt aus betrachtet wird der gebürtige Österreicher wohl immer full house haben, Woody Allens „Stadtneurotiker“ war schließlich von den Bewohnern des Big Apple inspiriert. Aber Alkohol als medizinisches Heilmittel anpreisen? Löst man damit nicht das One-Way-Ticket in die Betty-Ford-Klinik?

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11.01.2017