Ausgabe 200, Porträts

Lukas Kienbauer: Kulinarik-Nordlicht im Süden

Jung, aber oho: Lukas Kienbauer vom Restaurant Lukas in Schärding bringt die Liebe zu seiner Heimat gepfeffert mit nordischer Raffinesse auf die Teller.

Text: Daniela Almer     Fotos: Claudio Martinuzzi, Hubert Berndorfer

Küchenchef und Besitzer Lukas Kienbauer vom Restaurant Lukas in Schärding

Ein Stürmer in der kulinarischen Champions League

Eigentlich schade, dass der Guide Michelin in Österreich nur mehr die Städte Wien und Salzburg bewertet. Es wäre spannend gewesen zu erfahren, wie der internationale Restaurantführer Lukas Kienbauers kulinarische Leistung beurteilt hätte. Der Gault Millau zeigte sich jedenfalls angetan vom 25-jährigen Küchenchef und Eigentümer des im März 2016 eröffneten Restaurants Lukas und verlieh ihm auf Anhieb zwei Hauben und 15 von 20 möglichen Punkten.

Ein Senkrechtstart, der Kienbauer in seinem eingeschlagenen Weg bestärkt. Die Kampfansage, die Höchstbewertung von vier Hauben in fünf Jahren erreichen zu wollen, wurde ihm aber von medialer Seite in den Mund gelegt.

„Wenn man in der Haubengastronomie unterwegs ist, dann ist es für mich das Ziel, dass ich irgendwann mal vier Hauben haben möchte. Ich vergleiche das gerne mit einer Fußballmannschaft in der Champions League. Da will auch keiner mitspielen, damit er dabei ist, sondern um zu siegen“, stellt Kienbauer klar.

Das macht Sinn. Und er wäre nicht dort, wo er ist, wenn er keine hoch gesteckten Ambitionen hätte. Aber wo genau ist eigentlich „dort“? Das Lukas befindet sich in Kienbauers Heimat Schärding, einem oberösterreichischen Städtchen mit 5000 Einwohnern, in dem zwar die gastronomische Lokaldichte sehr hoch ist, aber Fine-Dining-Restaurants doch die Ausnahme der Regel darstellen.

Während die ansässigen Gastrokollegen Kienbauer von Beginn an in ihrer Mitte willkommen hießen, waren die an altbekannte und -bewährte Kost gewöhnten Schärdinger zunächst skeptisch. Besonders das für die Gegend unübliche Preisniveau im Lukas –die 4-, 6- und 8-Gänge-Menüs kosten zwischen 49 und 86 Euro – wurde mit einem verständnislosen „Jetzt spinnt er komplett,wie soll denn das gehen?!“ quittiert.

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11.01.2017