Ausgabe 206, Porträts

Christian Gentemann: Scharfes Profil

Zuletzt strich Barmanager Christian Gentemann den Gin von der Karte der Bar am Steinplatz in Berlin. Warum? Um das Profil der Bar zu schärfen und seine Gäste zu mehr Geschmack zu führen.

Text: Kathrin Löffel     Fotos: Hotel am Steinplatz/Se7entyn9ne

Durch das Anbieten von etwas Neuem, Unbekanntem machen wir aus Gästen Stammgäste“, beschreibt Christian Gentemann seinen Grund für den Rauswurf des klassischen Gins, aber auch für das Weglassen von Cocktailnamen auf der Karte. 

„Mit dem geschärften Profil der Bar vermitteln wir also unsere ganz klare Vorstellung, was wir wollen. Wenn wir stattdessen immer nur Wünsche erfüllen würden, dann gehen die Gäste und haben den Abend als okay oder gut empfunden. Wir wollen aber, dass sie spüren, dass bei uns irgendwas anders war. Wir wollen zum Nachdenken anregen.“ 

Wenn man also als Barmann sagt, dass es keinen Gin gibt, erstaunt es die Gäste. Und Erstaunen bleibt im Kopf und ein erstaunter Kopf kommt gerne wieder.

Barmanager in der Bar am Steinplatz: Christian Gentemann

Aber heißt das, dass es keinen Gin Tonic auf der Karte gibt? „In klassischen Gin, hergestellt aus neutralem Alkohol, sind meist viele Botanicles, also Aromen, geimpft. Da kommt das Wichtigste gar nicht mehr durch: das Wacholder-Aroma. Wir haben uns entschieden, Wacholder- und Doppelwacholder-Spirituosen anzubieten. Da ist tatsächlich nur noch Wacholder-Aroma drin.“

„Die Cocktails haben wir an diese Spirituosen angepasst, wir bieten weiterhin Gin-basierte Cocktails an. Als Zweites haben wir den Fokus auf Top-Tonics gelegt. Da hört die Kenntnis der meisten Gäste nämlich auf – obwohl viele Gin-Kenner sind. Dabei sind in einem Gin Tonic zwei Drittel Tonic. Also muss das auch gut sein“, erklärt Gentemann seine Herangehensweise in der Bar am Steinplatz, die als Hotelbar des Jahres 2017 ausgezeichnet wurde.

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18.05.2017