Ausgabe 206, Porträts, Konzepte & Openings

Sam Bompas und Harry Parr: Die verrückten Konzeptemacher

Irr, irrer, Sam Bompas und Harry Parr: Wie die schrillen Vögel aus dem Mutterland der Exzentrik mit ihren abgefahrenen Food-Konzepten die kulinarische Weltherrschaft anstreben.

Text: Daniela Almer     Fotos: Charlie Surbey, Marcus Peel, Kitty Wheeler Shaw, Ann Charlott Ommedal, Nathan Ceddia, Florence Fairweather, Donal Murphy Photography, Nathan Pask

Die ungekrönten Könige der irren Konzepte

Wie muss man als Mensch ticken, um beispielsweise Hefestämme vom Schreibtischsessel von Englands Kult-Autor Roald Dahl zu kratzen, um daraus ein Bier für eine Veranstaltungsreihe brauen zu lassen? Oder Kaffeebohnen mit einem Heliumballon so weit ins All zu schicken, bis der Ballon platzt, um die auf die Erde gefallenen Bohnen zu Space Coffee zu verarbeiten? Oder einen Kronleuchter zu designen, dessen Licht von elektrisierten Essiggurken erzeugt wird?

Ein Stromfresser, der kaum Licht gibt und so nebenbei auch noch lebensgefährlich sein kann? Oder mit Lava zu grillen, die über eine Milliarde Jahre alt ist? Oder ... – richtig vermutet, diese freakige Reihe ließe sich noch länger fortführen.

Sam Bompas und Harry Parr: Die verrückten Konzeptemacher

Sam Bompas (li.) und Harry Parr

Die Erkenntnis daraus? Verrückt sein kann man (leider) nicht lernen. Entweder man ist es oder eben nicht. In erstere Kategorie fallen definitiv Sam Bompas und Harry Parr, die Masterminds und Chefs des Londoner Studios Bompas & Parr, die hinter den einleitend angeführten Aktionen stecken.

Bewusst spielen die beiden gebürtigen Briten mit ihrem durchgeknallt wirkenden, exzentrischen Image, wo man nicht weiß, was als Nächstes kommt und ob man nicht sicherheitshalber vielleicht doch die Männer im weißen Kittel rufen soll? Aber eben nur vielleicht.

Denn wenn man über den Tellerrand des „Normalen“ blickt, kann man sich nicht mehr des Eindrucks erwehren, dass die beiden selbst ernannten kulinarischen Erlebnis-Designer und begnadeten Storyteller schlichtweg genial sind.

Gekonnt durchbrechen Bompas und Parr gewohnte Denkmuster und sorgen als Köche, Designer und Architekten in Personalunion für spektakuläre gastronomische Wow-Momente. Aber was will man auch anderes von Leuten erwarten, die als ihr ultimatives Ziel die kulinarische Weltherrschaft angeben?

Gegensätze ziehen sich an

Kennengelernt haben sich der 33-jährige Bompas und der 34-jährige Parr – die Willy Wonkas unserer Zeit, wie das Duo liebevoll in den Medien genannt wird, im britischen High-Society-Internat Eton, wo sie zusammen im Schulorchester spielten.

Nach der Schule studierte Parr Architektur und Bompas arbeitete in der PR-Abteilung eines Bauunternehmens, bevor sie 2007 gemeinsam mit ausgefallenen Jelly- beziehungsweise Wackelpudding-Buffets durchstarteten.

Zehn Jahre später haben die beiden die experimentelle Gastronomie auf ein neues Level katapultiert. Konkret bedeutet das, dass Bompas und Parr für ihre mannigfaltigen Projekte Themen aufgreifen, die die Menschen in ihrem tiefsten Inneren bewegen und begeistern sollen. Daher werden existenzielle Erfahrungen wie essen und trinken, schlafen und träumen, lieben und sterben kunstvoll in Events, Caterings, Ausstellungen und Pop-ups miteinander verwoben – alles nach dem Motto „Je ausgefallener und spektakulärer, desto besser“.

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18.05.2017