Ausgabe 207, Porträts

Massimo Bottura: Der intellektuelle Küchenpoet

Massimo Bottura, die aktuelle #2 der The World’s 50 Best Restaurants, rockte die CHEFDAYS-Bühne als künstlerisches Gesamtkunstwerk, wie nur er es sein kann.

Text: Daniela Almer     Fotos: Helge O. Sommer, Claudio Martinuzzi

Küchenvirtuose mit Herz

Die Spannung ist beinahe greifbar im Raum. Die CHEFDAYS-Bühne und der Zuschauerbereich sind in komplettes Dunkel getaucht, gebannt lauscht das Hunderte Menschen fassende Auditorium einer Stimme aus dem Off, die eindringlich von den verschiedenen Facetten der Kreativität erzählt. Massimo Bottura ist Besitzer und Chefkoch des Restaurants Osteria Francescana Es ist Massimo Bottura, der bewusst diesen Einstieg für seine Cooking-Demo wählt, um sich für seine wichtige Botschaft die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums zu sichern. Und er kriegt sie. Aber nur fürs Protokoll: Er hätte sie ohnehin bekommen. Bottura zählt zu den besten Küchenchefs am Globus und ist seit Jahren von den Spitzenplätzen bedeutender gastronomischer Rankings nicht mehr wegzudenken. Sein Restaurant Osteria Francescana in Modena wird seit 2011 durchgehend mit drei Sternen im Guide Michelin ausgezeichnet, 2016 führte es sogar die renommierte The-World’s-50-Best-Restaurants-Liste an (seit 2017 Platz zwei). Massimo könnte mit Nachnamen auch gut und gerne da Vinci heißen, denn der gebürtige Italiener zählt zu den intellektuellsten Vertretern der internationalen Kochelite und hat sich ein umfassendes Wissen besonders in den Disziplinen Musik und Kunst erworben. Kenntnisse, die Bottura gerne mit seiner Küchenphilosophie verbindet und zu einem größeren Ganzen zusammenfügt, wie bereits der Eröffnungsmonolog seiner Bühnenshow auf den Grazer CHEFDAYS erahnen lässt.

It’s Showtime

Nach den einleitenden Worten geht plötzlich das Licht an und der Maestro selbst betritt unter tosendem Applaus die Bühne. Bewusst ist gleich zu Beginn seines Auftritts auf dem Bildschirm ein Zitat des bedeutenden Kunstkritikers Clement Greenberg zu lesen: „Die Kunst beinhaltet alles, was ihr vorausgegangen ist, sonst ist es keine Kunst.“ Eine Message, die für Massimo Bottura wichtig ist zu betonen, da sie seine eigene Küchenlinie auf den Punkt bringt. Drei Gerichte wird er präsentieren, die Teil seines aktuellen Tasting-Menüs in der Osteria sind, erklärt der Küchenchef, und klopft dabei seinem Koch Francesco Vincenzi, der seinem Boss live on stage assistieren wird, wohlwollend auf die Schultern. Bevor dieser aber das Go für das erste Gericht der Cooking-Demo bekommt, gibt Bottura weitere Einblicke in seine Küchen- und Mitarbeiterphilosophie.


07.06.2017